Elefantöses – Die Salzelefanten im Mount-Elgon-Nationalpark

Menschen wie Elefanten brauchen Salz zum Überleben, denn viele lebenswichtige Funktionen kann der Körper nur mit Hilfe von Mineralsalzen erfüllen. Natriumchlorid (Kochsalz) regelt den Wasserhaushalt und die Gewebespannung und ist die Grundlage für die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Es spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verdauung und beim Knochenbau. Pflanzenfresser wie Pferde, Schafe, Rinder, Rehwild und Damwild haben einen futterbedingten Überschuss an Kalium, weswegen in der Vieh- und Waldwirtschaft für die Wild- und Weidetiere oft sogenannte Lecksteine eingesetzt werden, die vorrangig aus Natriumchlorid (Kochsalz) bestehen. Durch das Lecken werden die Mineralien herausgelöst, sodass die Tiere ihren Mineralienhaushalt ausgleichen können.

Es gibt auch natürliche Salzlecken wie beispielsweise am Kraterboden des Ngorongoro, wie das obige Foto zeigt. Viele Wildtiere bleiben ganzjährig in diesem Kratergebiet, da sie hier alles finden, was sie brauchen: Wasser, mineralreiches Gras und Salz zum Lecken. Biologen nutzen solche bevorzugt aufgesuchten natürlichen Salzlecken, um Elefanten zu zählen. So stellte beispielsweise Katy Payne von der Cornell-Universität und ihr Team in der Zentralafrikanischen Republik sieben Mikrofone um eine bestimmte Waldlichtung auf, an der sich Waldelefanten regelmäßig einfanden, um Salz zu lecken. Aus den unterschiedlichen Rufmustern konnten die Forscher nicht nur auf die Anzahl, sondern sogar auf das Alter und das Geschlecht der Elefanten schließen. (Die Welt, 01.04.2003)

Leider wissen auch Elfenbein-Wilderer um solche Stellen. Der Mount-Elgon-Nationalpark mit seinem offenem Grasland, seinen Sümpfen und seinem Bergregenwald mit Wasserfällen und Bergseen liegt an der Grenze zwischen Kenia und Uganda. Dort leben Büffel, Leoparden, große Elenantilopen, Buschböcke, Riesenwaldschweine und – ein kleiner Elefantenbestand. Die berühmten Salzelefanten des Mount-Elgon-Nationalparks bauen in den dunklen Lavahöhlen des erloschenen Vulkans Mount Elgon mit ihren Stoßzähnen Salz ab. 1977 zählte man ungefähr 1000 Elefanten, inzwischen sind es nur noch etwa 100. Die brutale Wilderei führte dazu, dass diese Waldelefanten sehr scheu wurden, die bekannteren Höhlen mieden und nun die weniger bekannten Höhlen so heimlich wie möglich aufsuchen, um an das begehrte Salz zu kommen.

Nicht nur Elefanten, sondern auch andere Tiere werden von dem Salz in den Höhlen angezogen, da die Höhlenwände reich an köstlichen Mineralsalzen sind. Die Salzelefanten brechen mit ihren Stoßzähnen große Stücke aus den Höhlenwänden, um sie anschließend zu kleinen Stücken zu zerkauen und zu schlucken. Die Wände sehen ganz zerkratzt und zerfurcht aus, denn sie meißeln mehrere Stunden lang und fressen dabei große Mengen Salz auf einmal. Erst nach Wochen kehren sie wieder zurück.

Die bekannteste und leicht zugängliche Höhle ist die von Tausenden Fledermäusen bewohnte Kitum-Höhle. Sie wird auch als Elefantenhöhle bezeichnet, weil die Elefanten diese Höhle im Laufe der Zeit stark vergrößert haben. Das Wissen um die Salzgewinnung in diesen Höhlen wurde über Generationen weitergegeben. Touristen bekommen bei Höhlenführungen die Salzelefanten jedoch eher nicht zu sehen. Allerdings sind ihre Spuren im Taschenlampenlicht deutlich zu erkennen. Am Eingang der Kitum Cave steht ein Schild mit der folgenden Aufschrift:

Eine vulkanische Lavahöhle, die etwa 15 Millionen Jahre alt ist und bis zu 160 Meter ins Innere reicht. Archäologische Überreste deuten darauf hin, dass sie in der Vergangenheit von der indigenen Gemeinschaft der Sabaot als Unterschlupf und Versteck vor Plünderern genutzt wurde. Sie war ein kultureller und religiöser Ort, an dem Beschneidungen und Gebete durchgeführt wurden. Das Salz aus der Höhle wurde zum Kochen und zum Salzlecken durch den Viehbestand verwendet. Das Gestein, aus dem die prächtige Höhle besteht, ist reich an Salzen und wird daher von Elefanten und anderen größeren Säugetieren regelmäßig als Salzlecke genutzt. Sie ist auch ein Schlafplatz für Fledermäuse und Nistplatz für verschiedene Vogelarten. (aus dem Englischen übersetzt von Iris Sofie Bayer)

Die Elefantenspezialisten Jeheskel Shoshani und Dr. Charles Foley schrieben, dass Analysen der Salzkrusten des Mount Elgon, für die Elefanten unter die Erde gehen, darauf hindeuten, dass sie außerordentlich jodhaltig sind. [Shoshani, J., & Foley, C. (2000). Frequently Asked Questions About Elephants. Elephant, 2(4), 78-87. Doi: 10.22237/elephant/ 1521732268]

Auch im südostasiatischen Myanmar waren ganze Herden von Elefanten unterwegs zu bestimmten Salzlecken, die sie schon seit Generationen kennen und aufsuchen – bis auf einmal genau an so einer Stelle eine neue Siedlung aus dem Boden gestampft wurde. Das führte natürlich zu Problemen. Wir können uns sicher gut vorstellen, was es heißt, wenn eine Herde Elefanten unseren Garten auf der Suche nach Mineralsalzen umgräbt! Amy Maling vom WWF, die als Expertin herangezogen wurde, schlug vor, die Elefanten zu einer neuen, menschengemachten Salzlecke umzuleiten. Gesagt, getan. Zwei Wochen lang waren Männer mit Spaten und vielen Salzsäcken unterwegs. Graben an Graben füllten sie mit Salz und bedeckten es mit Erde, um in einem Waldschutzgebiet – etwa 10 Kilometer von ihrem Heimatdorf entfernt – nebeneinander 40 künstliche Salzlecken zu schaffen.

Hat das funktioniert? Erfreulicherweise ja. Die Elefanten entdeckten die künstlichen Salzlecken und mieden von da an die menschliche Siedlung, deren Name unbekannt bleibt – der Wilderer wegen, um die Elefanten zu schützen. Versteckte Kameraaufnahmen zeigten große Ansammlungen von Asiatischen Elefanten, die den salzigen Boden aufwirbelten, und viele andere Wildtiere wie Stachelschweine, Wildschweine, Muntjak-Hirsche und seltene Waldziegen, welche mit Begeisterung die neuen Salzlecken nutzten.

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