Elefantöses – Auf leisen Sohlen

Leisetreter – so nennt man scherzhaft Schuhe mit weichen Sohlen, die beim Gehen kein Geräusch machen. Wusstest du, dass auch Elefanten auf leisen Sohlen daherkommen?

Wenn man berücksichtigt, dass Elefanten äußerst schwere Tiere sind, dann stellt sich die Frage, wie es möglich ist, dass sich Elefanten dermaßen leise durch die Landschaft bewegen, dass sogar eine ganze Herde leicht überhört werden kann. Die Safari-Rangerin Gesa Neitzel bestätigt in ihrem Buch The Wonderful Wild: »Elefanten bewegen sich trotz ihrer beeindruckenden Körpergröße fast lautlos durch den Busch, was an ihren weichen, von einer Fettschicht umlagerten Füßen liegt.«

Auch in meinem Elefantenroman Der Elefant des Sonnenkönigs berichte ich von den speziellen Füßen eines Elefanten: »Vier dicke Fußpolster aus federndem Gallertgewebe verteilten sein Gewicht optimal auf den Boden und sorgten für eine gute Balance seines massigen Körpers.« Elefanten brauchen ihre stämmigen Beine mit den großen flachen Füßen, damit sie trotz ihres enormen Gewichts – ein ausgewachsener Elefantenbulle wiegt etwa so viel wie ein kleiner Lastwagen – sicher laufen können. Auch das unregelmäßige Profil der Fußsohlen gibt Elefanten Halt und Griff auf unterschiedlichen Böden. Sie hinterlassen flächenmäßig große Fußspuren, wobei die Vorderfüße wesentlich größer sind als die Hinterfüße. Das hängt damit zusammen, dass vorne mehr Gewicht getragen werden muss, denn Elefanten haben den größten Kopf und Brustkorb sowie den längsten und muskulösesten Rüssel aller Landsäugetiere – und dann sind da ja auch noch die Stoßzähne zu tragen.

Die »eingebauten« dicken Fußpolster aus Binde- und Fettgewebe wirken wie Stoßdämpfer, welche die Wucht des Gewichts beim Auftreten absorbieren und jeden Elefantenschritt abfedern. Doch nicht nur diese weiche Sohlenpolster sorgen dafür, dass Elefanten fast geräuschlos auftreten können, sondern auch ihre Gangart. Auch wenn das von außen nicht so aussieht und ihre Beine wie Säulen wirken, sind Elefanten Zehenspitzengänger wie auch Nashörner, Rinder oder Pferde (Gangart: unguligrad). Im Gegensatz dazu setzen Bären – und auch wir Menschen – beim Gehen die gesamte Fußsohle auf (Gangart: plantigrad). Bei Elefanten sieht es – wegen des ungewöhnlich großen Polsters hinter den Zehen – nur so aus, als ob sie flach auftreten. Das hufähnliche Knochenbild ihrer Säulenfüße zeigt jedoch, dass sie auf den äußersten Zehenspitzen laufen. Die spezielle Anatomie der Elefantenfüße erlaubt Elefanten also, die Vorteile beider Gehtechniken zu nutzen: sowohl die große Bodenkontaktfläche (der Sohlengänger), was auch erklärt, warum sie auf weichem Boden nicht so schnell einsinken, als auch die elastische Energiespeicherung (der Zehenspitzengänger).

Elefanten sind zudem Passgänger, das heißt, dass sie beide Beine auf derselben Seite auf einmal bewegen, während sich die Beine auf der entgegengesetzten Seite in der Luft befinden und nach vorn schwingen. Dies entspricht der schaukelnden Gangart von Kamelen. Im Passgang haben Elefanten immer Bodenkontakt, verbrauchen weniger Energie und verursachen kaum Geräusche. Wenn sie allerdings vom Schlendergang in einen schnelleren Lauf übergehen, wechseln sie bereits ab etwa 8 Stundenkilometern vom Passgang in eine andere Gangart, wie der Wissenschaftler John Hutchinson vom Royal Veterinary College in London erstaunt feststellte. Sie haben ihre eigene Freistilgangart entwickelt – ein eigenartiger Mischmasch aus Gehen und Galopp vorwärts. Wie Pferde galoppieren können Elefanten natürlich nicht. Dafür sind sie nun wirklich zu schwer. Die Schwebephase (alle vier Beine gleichzeitig in der Luft) fehlt – mindestens ein Elefantenfuß bleibt immer am Boden; die passgängerische Schrittfolge ändert sich auch bei erhöhter Geschwindigkeit nicht.

Hutchinson beobachtete fasziniert, wie Elefanten bei höheren Geschwindigkeiten ihren schweren Körper so gelenkig vorwärtsbewegten, als wären Sprungfedern an ihren Hinterfüßen befestigt. Er vermutet, dass sie auf diese Weise versuchen, ihre Balance beizubehalten und ihre Knochen und Muskeln zu schonen. Dabei vollzieht sich die Beschleunigung fließend von geschwungenen zu hoppelnden Bewegungen. Diese gelaufene Gangart mit hoher Tempovarianz lässt sich am ehesten als eine Art des Rennens einordnen. Hutchinsons Bewegungsanalyse zeigte, dass Elefanten den Spielraum ihrer Gelenke fast vollständig ausnutzen, wodurch sie sich fast so gelenkig bewegen wie Pferde. Da behaupte noch einer, Elefanten seien schwerfällig!

Es gibt übrigens noch eine weitere Erklärung dafür, warum Elefanten sich so leise fortbewegen:
Sie haben einen sechsten Zeh, der sich im Unterschied zu den fünf regulären Zehen nicht an der Spitze des Fußes, sondern hinten befindet. Dieser Extra-Zeh hilft bei der Stabilisierung des Fußpolsters und entlastet die anderen Zehen, indem er einen Teil der Gewichtskraft übernimmt.

(Hutchinson, J., Delmer, C., Miller, C., Hildebrandt, T., Pitsillides, A., & Boyde, A. (2011). From Flat Foot to Fat Foot: Structure, Ontogeny, Function, and Evolution of Elephant »Sixth Toes«. Science, 334 (6063), 1699-1703 DOI: 10.1126/science.1211437)

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