Buchvorstellung – »Frühstück mit Elefanten«

Gesa Neitzel heißt die Autorin des Buches »Frühstück mit Elefanten – Als Rangerin in Afrika« (368 Seiten) und schon auf den ersten Seiten gewinnt sie meine Sympathie. Zum einen, weil sie authentisch über ihre Erlebnisse samt aller Angstgefühle rund um ihre Ausbildung zur Rangerin in Afrika schreibt, zum anderen, weil sie eine besondere Vorliebe für Elefanten hat, von denen ein so »wunderbarer, erdiger Geruch« ausgehe.

So schreibt sie beispielsweise: »Der Elefant weiß, dass wir da sind. Das merken wir nicht daran, dass er uns Beachtung schenkt, sondern daran, dass er so tut, als würde er uns ignorieren. Er steht mucksmäuschenstill und lauscht, schaut aber in eine ganz andere Richtung. Es ist ein ausgewachsener Bulle von stattlicher Größe mit riesigen Stoßzähnen. Es heißt immer, Löwen seien die Könige des Dschungels. Ich finde nicht, dass das stimmt. Das echte Sagen hier draußen haben diese grauen Riesen. Es gibt nichts und niemanden, vor dem dieser Elefant Angst zu haben scheint. Und genau das demonstriert er uns jetzt, als er mit bestimmten Schritten auf uns zumarschiert. Neun Meter, acht Meter, sieben Meter, sechs Meter … Paul und ich werden langsam nervös und weichen ein paar Schritte zurück. Biff bleibt stehen. Fünf Meter, vier … Paul und ich suchen Deckung im Mädchenklo […]

Was jetzt kommt, ist einer von diesen Jurassic‐Park-Momenten. Der Elefant beugt sich langsam hinunter, um zur Tür hereinzuschauen. Wir hören ihn atmen. Das Weiß seiner gewaltigen Stoßzähne scheint im Licht des Mondes. Einer der beiden ist zur Hälfte abgebrochen. Sein Kopf ist so groß, dass er den kompletten Türrahmen einnimmt. Es wäre ein Leichtes für ihn, die kleine Bambushütte umzuhauen. Stattdessen streckt er jetzt seinen Rüssel ins Innere und sucht nach uns. Biff nimmt meine Hand, ich nehme Pauls Hand. Keiner sagt ein Wort. Für ein paar tiefe Atemzüge atmen wir die gleiche Luft wie der Elefant, bis er schließlich die Spannung löst und gemächlich am Klo vorbeistampft. Mir zittern die Knie.«

Solche Erlebnisse während ihrer Ausbildung zur Safari-Rangerin sind es, die für die 19-jährige Gesa Neitzel pures Glück bedeuten, in denen sie sich wahrhaft frei und lebendig fühlt. Wer sich für diesen außergewöhnlichen Beruf als Ranger zu Fuß in der Wildnis interessiert, bekommt durch ihren Erfahrungsbericht einen interessanten Einblick in die Ausbildungsinhalte, einschließlich den Umgang mit Schusswaffen. Gesa Neitzel ist am Ende ihres Schießtrainings der Ansicht, dass es mit dem Schießen wie mit dem Tanzen ist – »entweder man kann es, oder man kann es nicht.«

Sie selbst stolpert recht unvorbereitet in die Ausbildung hinein, wie sie in ihrem Buch ehrlich zugibt, als sie 2015 ihren Job als Fernsehredakteurin in Berlin dafür eintauscht, fast ein Jahr lang in einfachen Zeltlagern zu übernachten, um sich mit den Pflanzen und Tieren des afrikanischen Buschs vertraut zu machen, auch mit den drei »S«. Damit meint sie Schlangen, Skorpione und Spinnen. Dabei lernt sie, dass »Natur nicht nur schön und friedlich sein kann, sondern auch brutal und grausam.« Doch ist für sie der Gedanke tröstlich, dass Antilopen, die bei lebendigem Leib gefressen werden, keinen Schmerz empfinden, da sie sich in einem Schockzustand befinden; die dadurch freigesetzten Endorphine lähmen ihre Nerven.

Im Gegensatz dazu öffnet ein Buschmarsch alle Sinne – eine aufregende Erfahrung, nicht nur für Safari-Neulinge, denn man ist in unberührter Natur unterwegs, ohne zu wissen, welche wilden Tiere einem begegnen werden. Ein Safari-Ranger muss wissen, wie Spuren zu lesen und Geräusche zu interpretieren sind, wie man sich – immer schön gegen den Wind – an die Tiere heranpirscht, und er muss wissen, wie die verschiedenen wilden Tiere reagieren, wenn sie die Safari-Gruppe doch bemerken und welche eigene Reaktion die beste ist, wenn es gefährlich wird.

In Mashatu in Botswana, dem sogenannten »Land der Riesen« (nirgendwo anders leben so viele Elefanten wie dort), macht Gesa Neitzel ihren ersten Busch-Walk und beginnt ihre Grundausbildung zum Field Guide Level 1. Sie bereist in diesem Jahr außerdem Namibia, wo sie als Mitarbeiterin einer NGO die Wüstenelefanten kennenlernt. Nach der bestandenen Prüfung in Selati in Südafrika beschließt sie, ihre Zeit in Südafrika zu verlängern. In Makuleke im nördlichen Krüger Nationalpark erwirbt sie die Back-up-Qualifikation. Als Back-up-Trails-Guide muss man eine bestimmte Anzahl an Stunden zu Fuß in der Wildnis in einem Logbuch vorweisen und mindestens zehn Begegnungen mit den Big Five (Büffel, Löwe, Leopard, Elefant und Nashorn) gehabt haben. Als Back-up achtet man darauf, dass bei einem Busch-Walk keiner aus der Safari-Gruppe zurückbleibt und hält dem Lead-Guide als »extra Paar Augen und Ohren« den Rücken frei. Nach weiteren 300 Stunden zu Fuß im Busch und mindestens 50 Begegnungen mit gefährlichen Wildtieren darf man die Prüfung zum Lead-Trails-Guide ablegen. Als das Jahr um ist, hat sich Gesa Neitzel so vielen Herausforderungen gestellt und eigene Komfortzonen überschritten, dass sie über die afrikanische Wildnis sagen kann: »Genau hier will ich sein und nirgendwo anders.«

Auf jeder Seite ihres Buches kann man spüren, wie naturverbundenen und freiheitsliebend Gesa Neitzel ist, und warum es sie so sehr in die afrikanische Savanne mit ihren wilden Tieren zieht. Nicht nur junge Menschen, jeder, der dieses Buch liest, wird sich fühlen, als sei er live mit ihr auf Safari, und wer weiß, der eine oder andere wird dies vielleicht sogar einmal mit ihr persönlich tun. Denn zumindest eine Hälfte des Jahres ist sie in Afrika unterwegs.

In ihrem zweiten Buch »The Wonderful Wild – Was ich von Afrikas Wildnis fürs Leben lerne« (252 Seiten), auch dieses durch den Ullstein Verlag veröffentlicht, nimmt sie uns mit auf die Reise mit ihrem inneren Elefanten, auf eine weitere Etappe ihres Weges der Selbstfindung.

Sie schreibt: »Geprägt durch meine Beobachtungen der wilden Tiere Afrikas, habe ich meiner Intuition noch einen weiteren Namen gegeben: Sie ist mein Elefant. Elefanten sind seit jeher das Sinnbild für eine uralte Weisheit, für Kraft und Stärke, für die ursprüngliche Wildnis, und ja, auch ein kleines bisschen für Sturheit. Ein Elefant trägt in sich das Wissen von Generationen. Ein Elefant passt nicht durch jede Tür. Ein Elefant lässt sich nicht verbiegen. Ein Elefant »fühlt« buchstäblich seine Umgebung.

Wir Menschen konnten bis heute nicht herausfinden, wie genau diese Tiere kommunizieren, und obwohl man sich mittlerweile einig ist, dass sie empathische, einfühlsame und intelligente Wesen sind, so haben wir doch nicht die geringste Ahnung, wie ihr Innenleben tatsächlich aussieht. Der Elefant steht deshalb für mich für den unerforschten Teil von uns, für das Magische, das Unerklärliche, das Wilde in uns, das wir bewahren müssen.«

Gesa Neitzel ist fest davon überzeugt, dass der Mensch, der selbst glücklich ist, auch andere glücklich machen will. Wie unser innerer Elefant dabei helfen kann, unser Leben glücklicher zu gestalten, und vor allem, wie wir auf unseren inneren Elefanten hören können, das sieht Gesa Neitzel als »die wichtigste Fähigkeit der Zukunft.« Darum geht es in diesem zweiten Buch um die Stille in uns, um das Flüstern der Wildnis, um das Ankommen im Hier und Jetzt – um das Lebensmotto: Genieße den Augenblick!

In diesem zweiten Buch treten ihre eigenen Erlebnisse im Außen in den Hintergrund, dafür ihre innere Spiritualität in den Vordergrund. Sie nennt viele Beispiele aus der Natur, die uns als Wegweiser dienen können, die uns den Zugang zu mehr Naturverbundenheit, Herzensglück und innerer Balance zeigen, denn, so zitiert sie den Umweltschützer Paul Hawken: »Die Wunden der Erde lassen sich nur aus dem Herzen heraus heilen.«

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Hier stelle ich meine eigenen Bücher vor. Tauche ab in Geschichten, die erfrischend anders sind – voll von positiver Rüssel-hoch-Ausstrahlung!


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