Elefantöses – Erholungsurlaub für indische Tempelelefanten

Vor hundert Jahren gab es Hunderttausende wilder Elefanten in Indien, die durch Wilderei, insbesondere jedoch durch die Ausbreitung der Land- und Forstwirtschaft immer mehr auf kleine Waldstücke und Naturreservate zurückgedrängt worden sind. Von den etwa 50 000 noch existierenden Asiatischen Elefanten lebt ungefähr die Hälfte in Indien.

In vielen großen Tempeln in Indien, insbesondere im Süden, werden sie als Tempelelefanten gehalten, die den Pilgern beim Besuch des Tempels ihren Segen geben sollen, denn Elefanten gelten in Asien als Glücksbringer. Der Pilger bietet dem Elefanten eine Banane oder eine Rupienmünze an. Die Banane wird sofort verspeist, die kleine Spende nimmt der Tempelelefant geschickt mit seinem Rüsselfinger auf und legt sie in die Hände seines Mahuts, des Pflegers, Führers und oftmals Eigentümers des Arbeitselefanten. Dann berührt der Elefant zum Segen den Kopf des Pilgers. An religiösen Feiertagen oder bei Hochzeiten kann man die kunstvoll bemalten und geschmückten Tempelelefanten bei Prozessionen sehen.

Gemäß dem Journalisten Per J. Andersson in seinem Buch »Vom Elefanten, der das Tanzen lernte: Mit dem Rucksack durch Indien« gibt es in Indien Tausende solcher gefangener und gezähmter Tempelelefanten. Ihre Vorfahren wurden als Kriegselefanten eingesetzt, beispielsweise von König Porus von Punjab, der die Invasion von Alexander dem Großen stoppen wollte. Auch für andere schwere Arbeiten waren sie den Menschen nützlich, vor allem bei Waldarbeiten, um Bäume zu ziehen.

In Kerala, einem Bundesstaat im Südwesten Indiens, dürfen die Elefanten keine schweren Arbeiten mehr ausführen. Sie werden nun für Reittouren mit Touristen eingesetzt oder als Tempelelefanten. Gemäß einem Augen- und Ohrenbericht des Journalisten Andersson reiten beim Pooram-Festival jährlich im Monat Medam (April/Mai) hinduistische Priester mit Pfauenfedern auf goldgeschmückten Elefanten durch den Park vor dem Vadakkumnathan Tempel in die Stadt Thrissur. Dann dröhnen die Tabla-Trommeln und am Nachthimmel explodiert Feuerwerk.

Von einem artgerechten Leben kann man da ganz und gar nicht sprechen, kein Wunder, dass oft von Arbeitselefanten berichtet wird, die Amok laufen. Tierschützer kritisieren den Stress der Tiere durch die lauten Geräusche, die vielen Menschen und die Bewegungsarmut durch das ganztägige Stehen im Tempel. Der Bundesstaat Tamil Nadu, ebenfalls im südlichsten Teil Indiens hat deshalb ein staatliches Regenerationscamp gegründet, wo sich die Tempelelefanten einmal jährlich erholen können. Ihre Mahuts begleiten sie und verbringen mit ihnen 48 Tage mitten in der Wildnis am Ufer des Flusses Bhavani.

Nach der TIM (Traditionellen Indischen Medizin), bei uns eher unter dem Namen Ayurveda bekannt, dauert es 48 Tage, um eine nachhaltige Veränderung in Körper und Geist eines Wesens herbeizuführen – so der Fotograf Selvaprakash Lakshmanan, der in Südindien geboren und aufgewachsen ist. Ihn hat interessiert, wie es den Tieren im Erholungscamp geht. Sie erhalten dort medizinische Versorgung, eine ausgewogene Ernährung, werden gebadet und bekommen viel Auslauf. »Ich bin kein Elefantenexperte«, sagt der Fotograf, wie in einem Spiegelbericht vom 31.07.2018 zu lesen war, »aber ich kann sehen, dass sie es genießen, so sieht es zumindest für mich aus.« Wenigstens ein klitzekleiner Lichtblick für diese bedauernswerten Tempelelefanten …

Manchmal sind wir selbst wie Arbeitselefanten. Bewegungsarm sitzen wir stundenlang am Schreibtisch, hetzen von einem beruflichen wie privaten Termin zum anderen, gönnen uns ganz selten Pausen und von einem 48-tägigen Erholungsurlaub können wir nur träumen. Was läuft da schief? Eine humorvolle Antwort, im Hinblick auf eine Tendenz zum Burnout durchaus nachdenkenswert, könnte so lauten:

Wer täglich schuftet wie ein Pferd,
unablässig fleißig ist wie eine Biene,
abends immer todmüde ist wie ein Hund,
der sollte mal zum Tierarzt gehen,
denn es könnte durchaus sein,
dass er ein Kamel ist 😉

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