Buchvorstellung – »Finde die Liebe, die dir als Kind gefehlt hat«

Cover fürs Buch »Finde die Liebe, die dir als Kind gefehlt hat
»Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.«

Wer auch immer den oben zitierten Ausspruch tat – Julia Tomuschat (Diplom-Psychologin, Autorin, Supervisorin und Heilpraktikerin für Psychotherapie) ist der Ansicht, dass es stimmt, dass das Vermisste nachholen kann, indem man sich selbst das gibt, was man als Kind gebraucht hätte. Wie das geht, zeigt sie in ihrem Buch »Finde die Liebe, die dir als Kind gefehlt hat: Wie wir uns selbst die Sehnsucht nach elterlicher Liebe erfüllen« (erschienen 2021 im Gräfe und Unzer Verlag). Im Klappentext heißt es deshalb: Kümmern wir uns wie eine fürsorgliche Mutter und ein einfühlsamer Vater um uns selbst, geben wir uns die Unterstützung, die wir vielleicht als Kind vermisst haben: Zuwendung (Nestwärme) und Ermutigung (Flügel). Dadurch stabilisiert sich unser Selbstwert und alte Verletzungen heilen.

Julia Tomuschat weist zunächst darauf hin, dass ihre liebe Freundin und Kollegin Stefanie Stahl in ihrem Buch »Das Kind in dir muss Heimat finden« darauf aufmerksam gemacht hat, wie prägend das verletzte »innere Kind«, das sogenannte Schattenkind, auch noch im Erwachsenenalter ist. Unter anderem wissen Neurobiologen, dass insbesondere die Stressverarbeitung im Gehirn langfristig gestört wird. Zur Heilung brauchen wir »innere Eltern« – eine gutmeinende und unterstützende elterliche Stimme, die wir in unsere Psyche integrieren. So wird es uns gelingen, uns im Nachhinein zu geben, was uns als Kind gefehlt hat, zum Beispiel die mütterliche Energie der Fürsorge und Wärme als sicherer Hafen oder die väterliche Energie der Unterstützung und Orientierung als unsere Brücke zur Welt. Sich selbst zu »beeltern« – davon spricht auch Susan Forward in ihrem Buch »Wenn Mütter nicht lieben«.

»Leider«, so erklärt Julia Tomuschat, »ist die verinnerlichte elterliche Stimme nicht immer liebevoll und unterstützend, sondern oftmals harsch, abwertend oder überängstlich. Die inneren Eltern werden zum ständig nörgelnden inneren Kritiker.« Unser kindliches Ich weiß nur zu gut, wie schmerzlich es sich anfühlt, regelmäßig angemeckert zu werden und nicht zu genügen. Tomuschat führt weiter aus: »Oft weiß das innere Kind nicht, dass es nicht immer hilflos sein wird, sondern bleibt in einem bestimmten Lebensalter stecken. Man kann sich das wie eine Zeitkapsel vorstellen, in der das kindliche Ich festgefroren ist. Der vereiste Teil braucht Zuwendung, damit das Eis schmilzt, wodurch Lebensenergie frei wird.«

Das kommt daher, weil wir mit unseren Eltern die allerersten Beziehungserfahrungen machen, die derart prägend sind, dass sie zu einem festen Bestandteil unserer Psyche werden. Sie graben sich derart in unser Hirn und unseren Körper ein, dass irgendwann die Eltern gar nicht mehr anwesend sein müssen, damit wir ihre Stimme hören. Psychologen sagen, wir hätten die Eltern verinnerlicht. Mit Fragen können wir herausfinden, was wir da eigentlich verinnerlicht haben, zum Beispiel:

  • Wie gut vertraue ich meinen Gefühlen?
    (»Ich darf Gefühle zeigen. Ich darf meinem Bauchgefühl vertrauen.« – oder: »Ich empfinde nicht richtig.«)
  • Wie gut kann ich mit meinen Impulse umgehen?
    (»Ich kann meine Impulse wahrnehmen und vernünftig darauf reagieren.« – oder: »Ich bin meinen Gefühlen ausgeliefert. Sie verleiten mich Dinge zu tun, die ich eigentlich unterlassen wollte. Ich muss versuchen, meine Impulse zu unterdrücken.«)
  • Erlaubst du dir, neugierig zu sein?
    (»Für mich ist immer jemand da. Ich fühle mich sicher.« – oder: »Ich habe Angst vor fremden Menschen und unbekannten Situationen. Ich darf nicht vertrauen.«)
  • Wir frei darf ich sagen, was ich möchte?
    (»Ich darf Nein‹ sagen.« – oder: »Ich darf keinen eigenen Willen haben. Ich muss mich anpassen.«)

Ist der Groschen gefallen? Julia Tomuschat sagt dazu: »Du trägst ein Päckchen mit dir herum, das nicht in die Gegenwart gehört, sondern in der Kindheit und Jugend durch deine Eltern geformt wurde … Trotzdem wäre es falsch, ihnen die Schuld für [das eigene] Unglück in die Schuhe zu schieben. Wer sich weiterentwickeln will, muss Selbstfürsorge und Selbstverantwortung lernen. Du bist deiner Prägung nicht ausgeliefert. Wenn du dir selbst Mutter und Vater bist, machst du einen Riesenschritt in Richtung Eigenverantwortung. Nimm dein Leben in die Hand und schenke dir bedingungslose Liebe.«

Julia Tomuschat nennt diejenigen Glückspilze, die in die Liebe ihrer Eltern wie in einen kuscheligen Mantel eingehüllt waren und so eine Art Nestschutz für das gesamte Leben mitgenommen haben. Doch die meisten Menschen erinnern sich neben den schönen Momenten der Kindheit auch an viele Momente der Kränkungen, Zurückweisungen und der fehlender Zuneigung. Aufgrund der Biografie und der Verletzungen, die Eltern in ihrem eigenen Elternhaus erlebt haben, sind sie nur eingeschränkt liebesfähig.

Um den Mangel an erwiesener Liebe und Anerkennung auszugleichen, können die im Buch näher beschriebenen Übungen eine Selbsthilfe sein – natürlich nur, wenn wir die vorgeschlagenen Selbstheilungstechniken auch ausprobieren. Viele verbinden die Übungen, welche neue Glaubenssätze – wie »ich bin gut genug« oder »ich vertraue – in mich, in andere und ins Leben« – verinnerlichen sollen, mit der Kraft der Berührung. Dadurch gehen die positiven Glaubenssätze im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut, da das Bindungs- und Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet wird.

Rüssel hoch! Nur Mut, während wir üben, positiver zu denken (Hirn), positiver zu fühlen (Herz) und positiver zu handeln (Hand). Denn dann kann das passieren, was Julia Tomuschat wie folgt beschreibt: »Gute innere Eltern sind wie ein neues Instrument im Orchester. Der innere Erwachsene als der Teil in uns, der Heilung und Entwicklung nach vorne bringt, will, dass ihre Stimme stärker durchdringt. Der innere Dialog, das innere Konzert, wird auf diese Weise weniger abwertend. Anfänglich ist es eine Kopfentscheidung, diese neue Stimme zu etablieren, und durchaus mühevoll. Aber: Je länger ich einübe, mich zu bemuttern beziehungsweise zu bevatern, desto größer ist die Chance, dass die positive elterliche Stimme in den Bauch rutscht und zu einem selbstverständlichen unterstützenden Anteil meiner Persönlichkeit wird. Dann hat das innere Orchester eine neue Klangfarbe.«

Finden wir also die Sonnenstrahlen und Kraftquellen in unserem Leben, die den Teil unseres Selbst auftauen, der als Kind gelitten hat! Wer sich seinen schmerzlichen Gefühlen stellt, ebnet den Weg zur Heilung, denn es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

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