Fotoausflug – Heimatmuseum in Dissen

Nach unserer Zeitreise ins slawische Mittelalter machten wir einen Rundgang im Dissener Heimatmuseum, dessen Ausstellungsstücke das dörfliche Leben vor etwa 100 Jahren für uns lebendig werden ließen.

Das Titelfoto zeigt die Dissener Spinnstube. Nach Beendigung der Feldarbeit – zwei Wochen nach Kirmes bzw. am Montag nach Totensonntag – begann in Dissen die Zeit in der Spinnstube. In der großen Stube eines Bauern trafen sich die unverheirateten Mädchen ab dem 16. Lebensjahr, um den Winter über Flachs zu verspinnen. Für die warme Wohnstube, die er ihnen zur Verfügung stellte, half die Jugend dem Bauern am Michaelistag bei der Kartoffelernte.

Die Mädchen der Spinnstube bildeten für die Zeit des gesamten Jahres eine Gemeinschaft. In der Spinnstube wurde nicht nur gearbeitet, sondern es wurden auch gemeinsam Volks- und Kirchenlieder eingeübt. Diese sangen die Mädchen gemeinsam an Feiertagen, zu Hochzeiten und bei verschiedenen anderen Festen. Zum Abschluss der Spinnstube und somit der Winterarbeit wurde Fastnacht gefeiert.

Zum Spielen blieb Kindern nicht viel Zeit, denn sie wurden sehr zeitig zu häuslichen und landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen. Friedrich Scherry (geb. 1900) erzählt:

»Unser Vater war Bauer. Wir hatten schon ein gemauertes Haus. Wir waren fünf Kinder. Als Kinder hatten wir es nicht so gut, wie es die Kinder heute haben. Zu Essen gab es wenig, wir bekamen immer das gleiche. Meistens haben wir Pellkartoffeln mit ausgelassenem Talg gegessen. Unsere Vorhemdchen waren vom Talg ganz steif. Bevor wir zu Schule gingen, bekamen wir Stullen mit Leinöl.«

Ältere Wärmflaschen aus Metall wurden meist mit einem Überzug oder anderen Textilien umhüllt, um Verbrennungen zu vermeiden.

Die Brennschere wurde auf dem Herd oder über dem Feuer erhitzt. Anschließend klemmte man die Spitze einer Haarsträhne zwischen die beiden Röhren und drehte damit die Haare für Locken oder Wellen auf. Auf diese Weise bearbeitete man je nach Wunsch mehrere oder alle Haarsträhnen. Kam man allerdings der Kopfhaut mit dem heißen Eisen zu nahe, bestand die Gefahr der Verbrennung.

Schwarz war die festlichste Farbe. Sie wurde nur am 1. Weihnachtsfeiertag und acht weiteren hohen kirchlichen Feiertagen getragen. Außerdem war sie die Farbe der Braut am Tage ihrer Hochzeit. Ungefähr bis zum Jahr 1900 trug man Weiß als Zeichen der Trauer.

Man achte auch auf das alte Kohlebügeleisen ganz oben rechts.

Perlenschmuck war beliebt und am Gürtel wurden früher oft Alltagsgegenstände wie Schlüssel fürs Haus, Messer, Scheren, Pinzetten, Kämme usw. getragen, oft in einem Lederbeutel. Die Biene stand für die Tugenden Fleiß, Arbeitseifer und Ordnung.

Die Arbeitstracht bestand aus Blaudruckstoffen. Mädchen waren an ihren leuchtendroten Röcken zu erkennen. Diese Farbe durfte aber in der Kirche und auf dem Friedhof nicht getragen werden. Die verheirateten Frauen trugen Grün, Weinrot, Blau oder Violett, ältere Frauen meist Braun.

Mit Schlittschuhen ließ es sich gut auf den zugefrorenen Fließen fahren.

Die Mädchen bekamen Puppen aus Stoffresten und Stroh. Reichere Leute kauften nach und nach Puppen mit Porzellanköpfchen und Puppenwagen.

Das Spielzeug wurde größtenteils selbst gefertigt. Aus Holz, Rinde und Rüben schnitzte man oft Pferdchen, Schäfchen und Hirten. Ein Kind im Schulalter bastelte sich seine Spielsachen meist selbst.

Wer die Krone des Schlangenkönig ergattert, wird nach einer Sage mit Reichtum belohnt. Findet man deshalb an vielen Giebeln von Spreewaldhäusern zwei gekreuzte Schlangen?
Versumpfte Wiesen, grünlich phosphorisierende, modrige Baumstümpfe und darüber der Flug der Glühwürmchen – das waren Erscheinungen, die sich die Dorfbewohner als Irrlichter erklärten. Man fürchtete sich nicht vor ihnen, denn sie waren freundlich und führten den Verirrten hilfsbereit nach Hause.

Die Mittagsfrau ist eine weiß gekleidete Frau mit einer Sichel, die in der Glut der Mittagshitze über die Felder streift. Sie will denjenigen Menschen schaden, die noch in der Mittagsstunde arbeiten.
Der Wassermann lauert den Menschen auf und versucht, sie ins Wasser herabzuziehen. Mit dieser Sage wird vor den Gefahren an Gewässern gewarnt.

Wer den Plon als Mitbewohner hat, kann sich glücklich schätzen. Der Glücksdrache wohnt auf dem Dachboden eines Hauses und möchte gern mit Hirsebrei gefüttert werden. Wer sich gut um seinen Plon kümmert, dem ist Reichtum und Glück gewiss.

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