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Iris Sofie

Fotoausflug – Heimatmuseum in Dissen

29.09.2022/0 Kommentare/in Fotos /von Iris Sofie
Spinnstube, Heimatmuseum Dissen
Spinnstube, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Nach unserer Zeitreise ins slawische Mittelalter machten wir einen Rundgang im Dissener Heimatmuseum, dessen Ausstellungsstücke das dörfliche Leben vor etwa 100 Jahren für uns lebendig werden ließen.

Das Titelfoto zeigt die Dissener Spinnstube. Nach Beendigung der Feldarbeit – zwei Wochen nach Kirmes bzw. am Montag nach Totensonntag – begann in Dissen die Zeit in der Spinnstube. In der großen Stube eines Bauern trafen sich die unverheirateten Mädchen ab dem 16. Lebensjahr, um den Winter über Flachs zu verspinnen. Für die warme Wohnstube, die er ihnen zur Verfügung stellte, half die Jugend dem Bauern am Michaelistag bei der Kartoffelernte.

Heimatmuseum Dissen
Kunstvoll bestickte Schaupuppen, Heimatmuseum Dissen | © Oliver Bayer
Stricken, Heimatmuseum Dissen
Herd, Heimatmuseum Dissen
Stricken / Kochen, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Die Mädchen der Spinnstube bildeten für die Zeit des gesamten Jahres eine Gemeinschaft. In der Spinnstube wurde nicht nur gearbeitet, sondern es wurden auch gemeinsam Volks- und Kirchenlieder eingeübt. Diese sangen die Mädchen gemeinsam an Feiertagen, zu Hochzeiten und bei verschiedenen anderen Festen. Zum Abschluss der Spinnstube und somit der Winterarbeit wurde Fastnacht gefeiert.

Küche, Heimatmuseum Dissen
Küche, Heimatmuseum Dissen | © Oliver Bayer

Zum Spielen blieb Kindern nicht viel Zeit, denn sie wurden sehr zeitig zu häuslichen und landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen. Friedrich Scherry (geb. 1900) erzählt:

»Unser Vater war Bauer. Wir hatten schon ein gemauertes Haus. Wir waren fünf Kinder. Als Kinder hatten wir es nicht so gut, wie es die Kinder heute haben. Zu Essen gab es wenig, wir bekamen immer das gleiche. Meistens haben wir Pellkartoffeln mit ausgelassenem Talg gegessen. Unsere Vorhemdchen waren vom Talg ganz steif. Bevor wir zu Schule gingen, bekamen wir Stullen mit Leinöl.«

Kochen, Heimatmuseum Dissen
Waschen, Heimatmuseum Dissen
Kochtöpfe / Waschschüsseln, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Ältere Wärmflaschen aus Metall wurden meist mit einem Überzug oder anderen Textilien umhüllt, um Verbrennungen zu vermeiden.

Mange, Nähmaschine, Waschbrett - Heimatmuseum Dissen
Mange / Waschbrett / Nähmaschine, Heimatmuseum Dissen | © Oliver Bayer
Schrank, Heimatmuseum Dissen
Brennschere, Heimatmuseum Dissen
Kleiderschrank / Brennschere zur Ondulation der Haare, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Die Brennschere wurde auf dem Herd oder über dem Feuer erhitzt. Anschließend klemmte man die Spitze einer Haarsträhne zwischen die beiden Röhren und drehte damit die Haare für Locken oder Wellen auf. Auf diese Weise bearbeitete man je nach Wunsch mehrere oder alle Haarsträhnen. Kam man allerdings der Kopfhaut mit dem heißen Eisen zu nahe, bestand die Gefahr der Verbrennung.

Hochzeitspaar, Heimatmuseum Dissen
Geheiratet wurde in Schwarz, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Schwarz war die festlichste Farbe. Sie wurde nur am 1. Weihnachtsfeiertag und acht weiteren hohen kirchlichen Feiertagen getragen. Außerdem war sie die Farbe der Braut am Tage ihrer Hochzeit. Ungefähr bis zum Jahr 1900 trug man Weiß als Zeichen der Trauer.

Wohnstube, Heimatmuseum Dissen
Wohnstube, Heimatmuseum Dissen | © Oliver Bayer

Man achte auch auf das alte Kohlebügeleisen ganz oben rechts.

Schmuck, Heimatmuseum Dissen
Kleidung, Heimatmuseum Dissen
Kleidung mit Schmuck und Gürtelanhang, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Perlenschmuck war beliebt und am Gürtel wurden früher oft Alltagsgegenstände wie Schlüssel fürs Haus, Messer, Scheren, Pinzetten, Kämme usw. getragen, oft in einem Lederbeutel. Die Biene stand für die Tugenden Fleiß, Arbeitseifer und Ordnung.

Werkzeuge, Heimatmuseum Dissen
Bienenkörbe, Heimatmuseum Dissen
Werkzeuge / Bienenkörbe, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer
Waagen, Heimatmuseum Dissen
Alltagstracht, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Die Arbeitstracht bestand aus Blaudruckstoffen. Mädchen waren an ihren leuchtendroten Röcken zu erkennen. Diese Farbe durfte aber in der Kirche und auf dem Friedhof nicht getragen werden. Die verheirateten Frauen trugen Grün, Weinrot, Blau oder Violett, ältere Frauen meist Braun.

Schlitten, Heimatmuseum Dissen
Schlitten, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Mit Schlittschuhen ließ es sich gut auf den zugefrorenen Fließen fahren.

Schlittschuhe, Heimatmuseum Dissen
Puppe, Heimatmuseum Dissen
Schlittschuhe / Puppe, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Die Mädchen bekamen Puppen aus Stoffresten und Stroh. Reichere Leute kauften nach und nach Puppen mit Porzellanköpfchen und Puppenwagen.

Spielsachen, Heimatmuseum Dissen
Puppenstube / Schaukelpferd, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Das Spielzeug wurde größtenteils selbst gefertigt. Aus Holz, Rinde und Rüben schnitzte man oft Pferdchen, Schäfchen und Hirten. Ein Kind im Schulalter bastelte sich seine Spielsachen meist selbst.

Schlangenkönig, Heimatmuseum Dissen
Irrlichter, Heimatmuseum Dissen
Sagengestalten: Schlangenkönig / Irrlichter, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Wer die Krone des Schlangenkönig ergattert, wird nach einer Sage mit Reichtum belohnt. Findet man deshalb an vielen Giebeln von Spreewaldhäusern zwei gekreuzte Schlangen?
Versumpfte Wiesen, grünlich phosphorisierende, modrige Baumstümpfe und darüber der Flug der Glühwürmchen – das waren Erscheinungen, die sich die Dorfbewohner als Irrlichter erklärten. Man fürchtete sich nicht vor ihnen, denn sie waren freundlich und führten den Verirrten hilfsbereit nach Hause.

Mittagsfrau, Heimatmuseum Dissen
Wassermann, Heimatmuseum Dissen
Sagengestalten: Mittagsfrau / Wassermann, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Die Mittagsfrau ist eine weiß gekleidete Frau mit einer Sichel, die in der Glut der Mittagshitze über die Felder streift. Sie will denjenigen Menschen schaden, die noch in der Mittagsstunde arbeiten.
Der Wassermann lauert den Menschen auf und versucht, sie ins Wasser herabzuziehen. Mit dieser Sage wird vor den Gefahren an Gewässern gewarnt.

Hausdrache Plon, Heimatmuseum Dissen
Sagengestalten: Fliegender Hausdrache Plon, Heimatmuseum Dissen | © Iris Sofie Bayer

Wer den Plon als Mitbewohner hat, kann sich glücklich schätzen. Der Glücksdrache wohnt auf dem Dachboden eines Hauses und möchte gern mit Hirsebrei gefüttert werden. Wer sich gut um seinen Plon kümmert, dem ist Reichtum und Glück gewiss.

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Schlagworte: Fotoausflug
https://ruessel-hoch.de/wp-content/uploads/2022/10/FI-20220929-112452-IST39651-Dissen.jpg 427 640 Iris Sofie https://ruessel-hoch.de/wp-content/uploads/2020/07/Logo3.png Iris Sofie2022-09-29 13:18:002022-10-13 15:03:37Fotoausflug – Heimatmuseum in Dissen
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