Fotoausflug – Schattige Runde um die Lienewitzer Seen

Sommer, Sonne, Strand und See – was will man mehr? Schatten, würde ich sagen, und den fanden wir rund um die im Wald gelegenen Lienewitzer Seen.

Schon ganz früh am Morgen begannen wir unseren Fotospaziergang etwa neun Kilometer südlich von Potsdam in Lienewitz. Die wenigen Häuser gehören heute zur Gemeinde Michendorf und sind über eine sehr holprige Feldsteinpflasterstraße erreichbar.

Das Anglerheim, ein kleiner Fachwerkbau mit seiner Ausfachung aus dünnen Rundhölzern, zog als Erstes unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das Gebäude wurde 1908 zur Kaiserzeit als Gaststätte »Haus am Lienewitzsee« errichtet, hieß zwischenzeitlich auch mal »Fischerhütte« und steht heute unter Denkmalschutz.

Lienewitz ist ein historisch gewachsener Wohnplatz, dem mittelalterliche Siedlungen zugrunde liegen. Ausgrabungen deuten auf eine frühe Gründung im 12. Jahrhundert hin. Auch gibt es eine Urkunde vom 5. April 1317 (Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam: Rep. 10B, Urkunde Nr. 75), die besagt, dass der Lynewitzerse und einige andere Seen samt Fischereirechten von Markgraf Waldemar, der von 1309 bis 1319 Alleinherrscher von Brandenburg war, dem Zisterzienserkloster Lehnin übertragen wurde.

Lienewitz liegt genau zwischen dem Großen und Kleinen Lienewitzsee – mitten im Kunersdorfer Forst und mitten im Dreieck der Orte Michendorf, Caputh und Ferch, von denen es jeweils 4 bis 6 Kilometer entfernt ist.

Lienewitz (westslawisch Lin = Schlei) bedeutet so viel wie Schleisee. Tatsächlich kommen so einige Fischarten in den Lienewitzer Seen vor, neben Schleie auch Bleie (Brasse), Plötze, Rotfeder, Barsch und Hecht, denn wegen des rings um die Waldseen vorhandenen Schilfgürtels mit Sumpfpflanzen wie Rohrkolben und Binsenscheide gibt es ausreichende Laichzonen.

Wir sahen allerdings keine Angler am Seeufer oder mit den im Anglerheim vorhandenen Ruderbooten auf dem See. Bei so heißem Wetter wie im diesjährigen August sind die beiden märkischen Seen eher als Badeseen sehr beliebt. Auch von den vielen Teichfröschen, Ringelnattern und Haubentauchern bekamen wir bei der Hitze nichts zu sehen. Die Tiere hatten sich wohl alle in wohltuenden Schatten des Waldes zurückgezogen, außer den Stechmücken, die sich voller Tatendrang auf uns stürzten.

Am Südwestufer des kleineren Sees führte uns der Uferweg unter schattigen Bäumen zu einer jahrhundertealten Stieleiche (Quercus robur). Das per Schild ausgewiesene Naturdenkmal hat einen Stammumfang von fast 6 Metern und eine Höhe von ungefähr 20 Metern. Als ich meine Kamera nach oben auf den knorrigen Stamm richtete, flog ein Raubvogel auf, vermutlich ein Mäusebussard. Zu schade, dass ich nicht schnell genug auf den Auslöser gedrückt habe.

Die angenehme Kühle und Stille des Waldes umfing uns, als wir zuerst den Kleinen Lienewitzsee umrundeten, der mit acht Metern etwa zwei Meter tiefer ist als der fast dreimal größere Große Lienewitzsee. Während wir mit den ersten Strahlen der Sonne den Ausblick auf den Kleinen Lienewitzsee genossen und auch ausgiebig fotografierten, nahmen bereits die ersten morgendlichen Schwimmer ein erfrischendes Bad im See.

Als wir später auf den Wanderweg zum Großen Lienewitzsee wechselten, kamen wir wieder durch Lienewitz. Zwischen zwei Heckenpflanzen hatte sich ein welkes Eichenblatt in einem verlassenen Spinnennetz verfangen. Die Morgensonne findet sich in den hellen Leuchtpunkten des interessanten Bokehs wieder.

Wir wanderten weiter und mussten dabei aufpassen, nicht von herabfallenden Eicheln getroffen zu werden, die dieses Jahr wieder sehr früh und unreif fielen – wegen des Hitzestresses. Wir bewunderten die hohen Farne und die wilde Ursprünglichkeit dieses Waldes und auch den langen Schilfgürtel am Seeufer, in dem sich blühende Zaunwinden der Sonne entgegen wanden.

Die vollständige Umrundung des Großen Lienewitzsees erwies sich am Ende dann doch schwieriger als gedacht. Das letzte Uferstück war nur schwer zugänglich. Brombeerranken und Brennesseln mit ihren Brennhaaren griffen nach uns, als wir uns mühsam durch das hohe Dickicht des überwachsenden Trampelpfades kämpften. Teilweise sah ich nur noch Olivers Kopf aus den hohen Gräsern herausragen.

Ich kam mir vor, wie auf einer Dschungelexpedition, als ich immer wieder über die vielen oberirdischen Baumwurzeln stolperte.

Doch unser Durchhaltevermögen wurde belohnt. An einer Stelle gelangten wir bis ans Ufer, das zwar völlig mit Treibholz übersät war, jedoch einen schönen Ausblick auf die Seeseite des Anglerheims mit seinen Bootshäusern und den Seerosenteppich bot.

Wir erfreuten uns an der in der Sonne funkelnden Wasseroberfläche und den schwarz schimmernden Schilfgrasmustern.

Als wir uns auf den Heimweg machten, kamen wir wieder an dem Soldatengrab vorbei, welches daran erinnerte, dass in diesem Wald am Ende des Zweiten Weltkrieges noch erbittert gekämpft worden war.

Hier hatte sozusagen die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs stattgefunden. Bis zum 1. Mai 1945 konnte die deutsche Armee ihre Stellungen in den märkischen Wäldern halten. Hitler hatte die Hoffnung gehabt, dass von Ferch (Schwielowsee) aus der Belagerungsring um Berlin noch durchbrochen werden könnte. Die Nachricht über die Niederlage seiner 12. Armee, die in schweren Waldkämpfen mit der zahlenmäßig und waffentechnisch überlegenen sowjetischen Armee gestanden hatte, führte zum Selbstmord Hitlers und zur Kapitulation Deutschlands, die am 8. Mai 1945 unterzeichnet wurde.

Einerseits stimmt es traurig, auf so ein Soldatengrab inmitten der Schönheit der Natur zu stoßen, andererseits brauchen wir vielleicht solche Mahnmale, um nicht die Wertschätzung dafür zu verlieren, dass wir im Jahr 2020 trotz der widrigen Coronasituation in Frieden leben sowie die Natur und noch vieles mehr genießen können.

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