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Iris Sofie

Fotoausflug – 2 Glanz und Gloria des Neuen Palais

30.04.2023/0 Kommentare/in Fotos /von Iris Sofie
Sonnenemblem Friedrich II., Neues Palais, Potsdam
Sonnenemblem Friedrich II., Neues Palais, Potsdam © Iris Sofie Bayer

Das Neue Palais wurde zwischen 1763 und 1769 im Auftrag von Friedrich II. (dem Großen) als letztes preußisches Barockschloss errichtet. Mit dem prachtvollen Repräsentationsbau zeigte er, dass er trotz des gerade erst beendeten Siebenjährigen Krieges und dem Aufstieg Preußens zur fünften europäischen Großmacht über genügend Mittel verfügte, ein prächtiges neues Schloss zu bauen, nur um seine Gäste zu empfangen, denn er lebte nicht im Neuen Palais. In der sogenannten Königswohnung hielt er sich nur bei besonderen Gelegenheiten auf.

Ein Jahrhundert später ließ der deutsche Kaiser Wilhelm II. das Neue Palais renovieren und modernisieren. Es wurde zu seiner Lieblingsresidenz.

Machen wir gemeinsam einen fotografischen Rundgang, der im unteren Vestibül begann, wo bereits das Muschelmotiv mit der verspielten Szenerie einen kleinen Hinweis auf den großen Muschelsaal gab, der hinter der nächsten Tür lag.

Unteres Vestibül, Neues Palais, Potsdam
Unteres Vestibül, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Muschelsaal, Neues Palais, Potsdam
Muschelsaal, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

Mehr als 20.000 unterschiedliche Muscheln, Schnecken, Mineralien, Erze, Fossilien, Gesteine, Halbedelsteine und Artefakte verzierten den als Grotte gestalteten Gartensaal. Auch die »Spitze des Kilimandscharo« wurde integriert.

Wir konnten auch nochmals einen Blick auf den lichtdurchfluteten Spiegelsaal werfen, der uns schon bei der ersten Führung durch die Königswohnung sofort an den prunkvollen Spiegelsaal des Sonnenkönigs in seinem Versailler Schloss erinnert hatte.

Spiegelsaal, Neues Palais, Potsdam
Spiegelsaal, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

An den Grotten- bzw. Muschelsaal grenzte das Tamerlanzimmer an, welches nach dem darin enthaltenen orientalischen Gemälde des italienischen Malers Andrea Celesti vom siegreichen mongolischen Heeresführer Tamerlan benannt wurde. Es zeigte nicht nur den gefangenen, in die Stangen seines Käfigs beißenden osmanischen Sultan Bajazet, welcher der Legende nach ansehen musste, wie seine Frau den siegreichen Tamerlan bediente, sondern im Hintergrund auch Elefanten 😉.

Tamerlan-Gemälde, Neues Palais, Potsdam
Tamerlanzimmer, Neues Palais, Potsdam | © Oliver Bayer
Tamerlan-Gemälde, Neues Palais, Potsdam
Elefanten auf dem Tamerlan-Gemälde, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Rote Damastkammer, Neues Palais, Potsdam
Rote Damastkammer, Neues Palais, Potsdam | © Oliver Bayer

In den Gemäldekabinetten wie der Roten Damastkammer waren die Wände mit einfarbigem Damast bespannt, um die Gemälde besser zur Wirkung kommen zu lassen.

Unter Kaiser Wilhelm II. mussten die schadhaften Raumtextilien erneuert werden. Anstatt zeitgenössische moderne Stoffe zu verwenden, bestellte man um 1900 Gewebekopien bei französischen Herstellern in der Seidenmetropole Lyon.

Friedrich II. hatte für textile Wandbespannungen, Möbelbezüge und Draperien fast ausschließlich Seiden aus Berliner Manufakturen verarbeiten lassen. Die Damaste, bedruckten oder bemalten Gewebe und reich gemusterten Seidenstoffe waren häufig mit Gold, Silber und kostbarer Chenille gearbeitet. Selbst die kostbaren Tressen, Borten und Quasten aus Seide, Silber und Gold waren regionale Produkte.

Rote Damastkammer, Neues Palais, Potsdam
Standuhr, Tresenzimmer, Neues Palais, Potsdam
Mit goldenen Tressen verzierte Seidentapete und kostbare Standuhr aus Schildpatt im Tressenzimmer,
Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie und Oliver Bayer
Zimmerdecke, Neues Palais, Potsdam
Nettes Detail an der Decke des Tressenzimmers, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

Nach weiteren Gemäldezimmern wechselten wir ins obere Stockwerke des Neuen Palais, wo wir an der kaiserlichen Teeküche vorbeikamen und einen Blick in die verborgene Lebenswelt der Hofdienerschaft werfen konnten. Die Teeküche und der dahinterliegende Anrichteraum konnten vom Keller aus über ein Dienstbotentreppenhaus erreicht werden. Zur Ausstattung gehörten eine elektrische Kochmaschine, ein dazu passender Wasserfilter sowie ein Porzellanbecken. Hier wurden die Getränke zubereitet, die im kaiserlichen Frühstückszimmer serviert wurden.

Porzellan der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Neues Palais, Potsdam
KPM-Porzellan (Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin), Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

Kaiser Wilhelm II. ließ das friderizianische Gästeschloss mit zahlreichen modernen Einbauten versehen, um dieses den gestiegenen Ansprüchen an den zeitgemäßen Komfort eines kaiserlichen Wohnsitzes anzupassen – unter Wahrung des friderizianischen Charmes: Toiletten und Bäder verschwanden in Wandzwischenräumen, ehemaligen Puderkammern und sogar in einem barocken Holzschrank, um die friderizianischen Räume nicht in ihrer Originalwirkung zu beeinträchtigen.

Badekabinett der Kaiserin Auguste Victoria, Neues Palais, Potsdam
Badekabinett der Kaiserin Auguste Victoria mit Kacheln in niederländischer Manier | © Oliver Bayer
Ovales Kabinett, Neues Palais, Potsdam
Barockes Sofa, Neues Palais, Potsdam
Ovales Kabinett bzw. Tassenkopfzimmer und ein barockes Sofa mit chinoisem Motiv,
Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Jagdszene, Neues Palais, Potsdam
Jagdszene über einer Tür der Jagdkammer, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Florale Zimmerdecke, Neues Palais, Potsdam
Florale Decke in der Jagdkammer, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Ananaslüster, Neues Palais, Potsdam
Ananaslüster, Neues Palais, Potsdam
KPM-Ananasleuchter mit Siegesgöttin Victoria, Jagdkammer, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

Vier Porzellanleuchter gehörten zu den kostbarsten Teilen der königlichen Innenausstattung. Von den kostspieligen Blickfängen waren zwei in Meißen und zwei in der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin entstanden. Den oberen Abschluss der KPM-Prunkstücke bildete eine Ananas, die kostbarste Frucht des 18. Jahrhunderts.

Armlehne mit Hundekopf, Neues Palais, Potsdam
Armlehne mit Hundekopf, Jagdkammer, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Amoretten, Neues Palais, Potsdam
Amoretten, die den geflügelten Amor darstellen, umrahmen Victoria,
Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Schreibtisch von Kaiser Wilhelm II., Neues Palais, Potsdam
Schreibtisch von Kaiser Wilhelm II., Arbeitszimmer, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Schreibtisch von Kaiser Wilhelm II., Neues Palais, Potsdam
Arbeit im Sattel: Kaiser Wilhelm II. nutzte als ergonomischen Schreibtischstuhl
einen umgebauten Sattel, Arbeitszimmer, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Marmorsaal, Neues Palais, Potsdam
Marmorsaal, Neues Palais, Potsdam | © Oliver Bayer

Der große Marmorsaal direkt über dem Grottensaal war an Wänden und Fußboden mit edlen Marmorsorten ausgestattet. Auf der Empore rechts spielten die Musiker. Der Tanzsaal mit Tanzparkett befand sich nebenan.

Marmorsaal, Neues Palais, Potsdam
Empore für die Musiker, Mamorsaal, Neues Palais, Potsdam
Marmorsaal mit goldener Empore für die Musiker, Neues Palais, Potsdam | © Oliver Bayer
Ballsaal, Neues Palais, Potsdam
Tanzsaal mit Tanzparkett, Neues Palais, Potsdam | © Oliver Bayer
Marmorsaal, Neues Palais, Potsdam
Ein letzter Blick auf Preußens Glanz und Gloria,
Marmorsaal, Neues Palais, Potsdam | © Iris Sofie Bayer
Blick aus dem Marmorsaal, Neues Palais, Potsdam
Oberes Vestibül, Neues Palais, Potsdam
Sichtachse aus einem Fenster des Marmorsaals bis zum Obelisken am südöstlichen Eingang
des Schlossparks Sanssouci und oberes Vestibül, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

Wir verließen das Neue Palais durch eine Tür des oberen Vestibüls. Was wir nicht gesehen hatten, war einer der schönsten noch erhaltenen Theaterräume des 18. Jahrhundert, das Schlosstheater. Auf eine Königsloge in diesem in Rot und Weiß gehaltenen Amphitheater mit seinen goldfarbenen Hermen wurde verzichtet. Friedrich der Große soll in den vorderen Reihen gesessen haben. Noch heute finden auf der kleinen Rokokobühne Aufführungen statt.

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Schlagworte: Fotoausflug
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