Elefantöses – Wie alt werden Elefanten?

Afrikanische und Asiatische Elefanten können in freier Wildbahn geschätzt 60 bis 80 Jahre alt werden. In Nationalparks liegt das Durchschnittsalter bei etwa 40 bis 60 Jahren und in Zoos verkürzt sich ihr Leben auf durchschnittlich knapp 20 Jahre.

Als Hauptgrund für die stark verkürzte Lebenszeit in Gefangenschaft nehmen Forscher an, dass intelligente Tiere wie Elefanten nicht das volle Potenzial ihres Gehirns und ihrer sozialen Fähigkeiten nutzen können. Auch Stress durch häufige Transporte, das Herausreißen aus Familienverbänden und zu frühe Trennung von Muttertier und Kalb werden als Ursachen genannt. Lebensverkürzend sind zudem Fettleibigkeit durch Überfütterung und zu wenig Bewegung sowie Einsamkeit und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten.

Doch es gibt auch Ausnahmen:
– Die älteste afrikanische Elefantenkuh Sara in europäischen Zoos wurde 51 Jahre alt. Sie starb 2013 im Zoo Rostock. Durchschnittlich werden afrikanische Elefanten in Zoos nur 17 Jahre alt.
– Die asiatische Elefantenkuh Targa († 2022 im Zoo Augsburg) brachte es – statt auf die durchschnittlich 19 Jahre asiatischer Zooelefanten – auf 67 Jahre.

Vilja, von der ich in diesem Blogbeitrag mehr erzählen möchte, eine asiatische Elefantenkuh, war etwa 60 Jahre lang einer der Publikumslieblinge der Stuttgarter Wilhelma. Mit ihren 60 Elefantenjahren, die umgerechnet etwa dem Alter eines 100-jährigen Menschen entsprechen, galt sie 2009 als der älteste Elefant Europas.

Vilja war zunächst nur für eine Sonderausstellung »Indische Dschungeltiere« nach Stuttgart gekommen. Zoodirektor Albert Schöchle erwarb sie etwa dreijährig für rund 12 000 Mark und so wurde sie damals zur Mitbegründerin des dadurch nicht mehr nur botanischen, sondern zoologisch-botanischen Gartens Stuttgart, der Wilhelma, die bis heute einen Rüssel-hoch-Elefanten im Logo hat.

Das Titelfoto zeigt das Elefantengehege der Wilhelma Stuttgart im Jahr 1965, das damals nur durch zwei Reihen Eisenstangen von den Besuchern getrennt war. Ganz rechts bin ich selbst als Zweieinhalbjährige zu sehen – ja genau die, die mit ihrem kurzen schwarzen Röckchen auf der Brüstung stehen durfte. Das dürfte wohl der Moment gewesen sein, in dem ich die Elefanten ins Herz schloss.

Der Elefant auf dem Titelfoto ist allerdings nicht Vilja, denn diese war für ihren abgeknickten Schwanz bekannt und hatte die starke Behaarung, die für Elefanten aus Sumatra typisch sind. Wahrscheinlich handelt es sich hier um Zella, die 1952 gemeinsam mit ihr in die Wilhelma gekommen war. Drei Jahre später kam noch ein afrikanischer Elefantenbulle namens Jumbo dazu. 1968 wurde ein neues Elefantenhaus fertiggestellt, zu dessen Eröffnung drei weitere asiatische Elefanten eintrafen. Vilja sträubte sich mit Rüssel und Füßen gegen den Umzug ins neue Elefantenhaus, sodass ein LKW nicht ausreichte, um sie zur neuen Anlage zu ziehen. Letztlich waren noch zwei Unimogs nötig, um die Elefantenkraft von Vilja zu überwinden.

2008 überstand sie in hohem Alter relativ unbeschadet einen Sturz in den Gehegegraben, aus dem sie von der Feuerwehr mithilfe eines Hebekrans geborgen wurde. Kaum dass sie wieder auf den Beinen stand, rüsselte sie nach diesem Schrecken gleich in Richtung der nächsten Futterquelle, den Büschen gleich hinter dem Graben.

Zu ihrem 60. Geburtstag erhielt sie eine tolle Geburtstagstorte, die fast einen Quadratmeter groß war. Sie bestand aus einem mit Salat umrandeten Brotteig, der mit Bananen sowie mit Karotten- und Rote-Beete-Stücken belegt war, welche zuvor wegen der abgenutzten Backenzähne der Elefantin weichgekocht worden waren. Ein altes Foto aus dem Jahr 2009 zeigt Vilja mit einem freudigen Rüssel hoch! angesichts dieser Köstlichkeit.

Im Winter ihres ersten Wilhelmajahres war im Elefantenhaus nachts ein Feuer ausgebrochen, doch dem beherzten Tierpfleger Werner Freund gelang es, die vor Angst tobenden Elefantinnen zu beruhigen und ins Freie zu bringen. Das war der Beginn einer tiefen Freundschaft mit ihrem Retter, der ihr stets etwas Leckeres mitbrachte. Vilja wurde als Leckermaul bekannt, das für einen schönen Apfel auf allerlei kreative Ideen kam …

Ihren grenzenlosen Appetit hat sie bis zum Lebensende nie verloren. Keine anderer Elefant war so pfiffig wie sie, einen leckeren Extrahappen als Belohnung zu ergattern, zum Beispiel bei kleinen Tauschgeschäften. Der Tierpfleger Volker Scholl erzählte einmal: »Wenn mir der Schlüssel runterfällt, hebt sie ihn immer auf. Sie gibt ihn mir aber erst, nachdem ich ihn mit einem Apfel ausgelöst habe.« Auch herumliegendes Werkzeug, Reinigungsgeräte oder leere Futtereimer lieferte sie bei ihm für eine schmackhafte Gegenleistung ab. Manchmal hat Leckermaul Vilja auch etwas ganz Neues gekostet: darunter eine komplette Handtasche samt Fotokamera und eine Lederjacke. Glücklicherweise hat alles problemlos ihren elefantösen Verdauungstrakt passiert. 2010 starb Vilja – während einer sommerlichen Hitzewelle – an Herz-Kreislaufversagen.

Für einen Zooelefanten ist Vilja außergewöhnlich alt geworden. Tierpfleger Volker Scholl sagte in einem Interview (Stuttgarter Nachrichten, 2014), er habe von den Elefanten gelernt, das Leben in Gelassenheit zu genießen. Das wirkt übrigens auch bei Menschen als ein lebensverlängernder Glücksfaktor.

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Hier stelle ich meine eigenen Bücher vor. Tauche ab in Geschichten, die erfrischend anders sind – voll von positiver Rüssel-hoch-Ausstrahlung!

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