Warum Elefanten selten Krebs bekommen

Chronischer Stress macht krank. Schweizer Forscher der Universität Basel bestätigten den Zusammenhang zwischen Stress und Krebs. Sie fanden heraus, weshalb Stresshormone die Metastasenbildung bei Krebs beschleunigen.

(Obradović, M.M.S., Hamelin, B., Manevski, N. et al., Glucocorticoids promote breast cancer metastasis, Nature 567, 540–544, 2019)

Metastasen sind Tumore, die sich durch Verschleppung von kranken Zellen eines bösartigen Tumors an einer anderen, vom Ursprungsort entfernt gelegenen Körperstelle bilden. Bestimmte Krebszellen (zum Beispiel bei Brustkrebs) reagieren auf das Stresshormon Cortisol. Ein hohes Stresslevel bedeutet einen hohen Cortisolspiegel, wodurch die Metastasenbildung angeregt wird. Dies geschieht durch die sogenannten Glukokortikoid-Rezeptoren an den Krebszellen, an die Hormone wie Cortisol andocken können und so das Wachstum als auch die Metastasenbildung beschleunigt werden. Mit der Metastasenbildung vervielfältigen sich die Krebszellen im Körper, was eine einheitliche Krebstherapie nahezu unmöglich macht.

Die Schlussfolgerung daraus ist, dass nicht nur bei der Krebstherapie, sondern auch vorbeugend etwas gegen chronischen Stress unternommen werden muss. Auf zwei Stressbremsen gehe ich in meinem Blogbeitrag »Was hilft Elefanten bei Stress?« ein. In diesem Beitrag möchte ich darauf hinweisen, dass es bezüglich Krebs hoffnungsvolle Studien an Elefanten gibt. Denn gestresste Elefanten haben gegenüber gestressten Menschen einen großen Vorteil – sie erkranken nicht so schnell an Krebs. Woran liegt das?

Der Onkologe Dr. Joshua Schiffman, der Kinder behandelt, die an Krebs erkrankt sind, glaubt, dass Elefanten der Schlüssel zu neuen Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen sein könnten, denn in den Zellen von Elefanten gibt im Vergleich zu menschlichen Zellen ein Zwanzigfaches des Gens TP53.

(Joshua D. Schiffman, MD et al., Potential mechanisms for cancer resistance in elephants and comparative cellular response to DNA damage in humans, JAMA, October 2015)

(University of Utah Health Sciences, Why elephants rarely get cancer: Potential mechanism identified that may be key to cancer resistance, ScienceDaily, 8 October 2015)

Das Gen TP53 produziert das Protein p53, das auch als »Wächter des Genoms (Erbgutes)« bekannt ist und als Tumorsuppressor gilt. Dies bedeutet, dass p53 den Zellzyklus unterbrechen kann, um die Wucherung einer entarteten Zelle zu verhindern. Die Zelle hat dadurch mehr Zeit, die Schäden am Erbgut zu reparieren oder bei nicht behebbaren Fehlern den Zelltod der entarteten Zellen einzuleiten. Bei der Hälfte aller menschlichen Tumoren ist TP53 mutiert und funktioniert nicht mehr richtig, so dass entartete Zellen schnell wachsen und metastasieren.

Elefanten haben etwa das Hundertfache an Zellen und müssten daher häufiger erkranken, doch sie bekommen nur sehr selten Krebs. Während bei Menschen von dem Anti-Krebs-Gen TP53 nur ein Paar vorhanden ist, haben Elefanten 20 Paare dieses Gens, aber nicht nur das: Zusätzlich verfügen sie auch noch über mehr LIF-Gene. Während TP53 sozusagen eine Ersteinschätzung des Zellzustandes vornimmt, vernichtet das Gen LIF6 auf Anweisung von TP53 geschädigte Zellen, deren Erbgut nicht mehr reparabel sind, bevor sie wachsen bzw. metastasieren – eine effektive Krebsvorsorge. 

(Vazquez et al., A Zombie LIF Gene in Elephants Is Upregulated by TP53 to Induce Apoptosis in Response to DNA Damage, Cell Reports 24, 1765–1776, August 14, 2018)

Diese Erkenntnisse könnten dazu führen, dass die Krebstherapie bei Menschen verbessert werden kann. Es werden weitere Studien durchgeführt.

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