Elefantöses – Elefantenläuse

Cashewäpfel |Bildnachweis: Abhishek Jacob / CC BY-SA

Die Rüsseltiere haben Rüsselläuse? Ja, leider gibt es sie – diese blutsaugenden Parasiten auf Elefanten, Haematomyzus elephantis (aus griech. haima = Blut und myzo = ich sauge).

An der Spitze ihrer Rüssel sitzen zwei kleine, stark bezahnte Mundwerkzeuge, mit denen sich die Elefantenläuse in die Elefantenhaut eingraben können. Mit Stechborsten wird anschließend ein Blutgefäß angestochen. Dann verankern sich die Elefantenläuse mit ihrem Rüssel ganz fest in der Haut, um wie mit einem Saugrohr das Blut durch eine im Mundvorraum liegende Muskelpumpe kräftig anzusaugen.

Klingt unangenehm, nicht wahr? Aber es gibt Menschen wie Walter Tscherner, denen es die Elefantenlaus angetan hat. In einem Interview erklärte der Parasitologe im Tierpark Berlin seine Faszination so:

»Mit ihrem Rüssel, den sie genauso wie ihr Wirtstier besitzt, gräbt sich die Elefantenlaus meistens hinter dem Ohr des Elefanten in dessen Haut ein. Wenn sie ein Blutgefäß gefunden hat, spreizt sie Hautschuppen aus, die aussehen wie Aalspeere mit lauter kleinen Widerhaken. Damit hakt sie sich ein, damit sie nicht abgestreift wird, wenn der Elefant sich irgendwo scheuert. Dieses Funktionelle finde ich schön, und ich empfinde Achtung vor den Leistungen der Evolution. Nach dreißig Jahren mache ich meine Arbeit genauso gern wie am ersten Tag.«

Doch genug von diesen unangenehmen Mitbewohnern, mit denen die Elefanten geplagt sind. Falls du noch am Lesen bist, verspreche ich dir, ab jetzt wird es appetitlicher. Es gibt nämlich auch noch eine andere Art von Elefantenläusen, die dir garantiert besser gefallen. Diese nennt man auch Elefantennüsse, obwohl es sich botanisch um Steinfrüchte handelt.

Noch besser bekannt sind sie unter dem Namen Cashewkerne. Diese cremefarbenen, fast weißen Elefantennüsse haben ein sehr zartes, buttriges Aroma. Sie schmecken ähnlich süß wie Mandeln, sind jedoch viel weicher. Geschätzt wird die Cashewnuss nicht nur, weil sie zu den fett- und kalorienärmsten Nüssen zählt, sondern vor allem weil sie ein natürlicher Magnesiumlieferant ist. Cashewkerne enthalten zudem eine hohe Menge an Tryptophan – einer essenziellen Aminosäure, die der Körper braucht, um das Glückshormon Serotonin herzustellen. Na, da hole ich mir doch am besten gleich mal ein paar Elefantennüsse zum Knabbern.

Der immergrüne Cashewbaum bringt Scheinfrüchte hervor, die fast so groß wie Äpfel sind. Diese Cashewäpfel sind gelborange bis rot, fleischig-saftig und schmecken süß-säuerlich wie ein Mix aus Apfel und Ananas. Das Besondere ist, dass diese Steinfrucht ihren Kern außerhalb trägt. Ihr Cashewkern, der am unteren Ende der Frucht sitzt, ist etwa 2 cm groß, grünlich gefärbt und nierenförmig, weshalb der Baum auch Nierenbaum heißt. 

Ursprünglich war der Cashewbaum (Anacardium occidentale), der eine Höhe von 12 Metern erreicht, in Südamerika in Brasilien beheimatet. Heute kommen die Cashews auch aus Afrika und Indien. Nach ungefähr zwei bis drei Monaten am Baum werden die Cashewäpfel geerntet. Die nussartigen Auswüchse werden mit der Hand abgedreht, anschließend in der Sonne getrocknet und samt ihrer Schale im Wasserdampf erhitzt oder in Öl geröstet, so dass sich die Kerne leichter aus der Schale lösen lassen.

Ich wollte in Erfahrung bringen, warum die Cashewkerne – anscheinend schon in alten Aufzeichnungen – den Namen Elefantenläuse bekommen haben. Doch diese Recherche-Nuss war schwer zu knacken. Im medizinischen Wörterbuch Simon of Genoa Online fand ich schließlich folgenden Hinweis:

»The name ›pediculus elephantis‹, lit. ›elephant’s louse‹, is given to the fruit of the tree because of some perceived similarity between the insect ›Haematomyzus elephantis Piaget‹ or ›elephant louse‹ and the fruit of this tree.«
(Übersetzung: Der Name ›pediculus elephantis‹, wörtlich ›elephant’s louse‹, wird der Frucht des Baumes gegeben, da eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Insekt ›Haematomyzus elephantis Piaget‹ oder ›Elefantenlaus‹ und der Frucht dieses Baumes besteht.)

Also ich kann da überhaupt keine Ähnlichkeiten feststellen – weder in Größe, Form noch Farbe, und zwar weder bei der Cashewfrucht noch beim Cashewkern. Da ist wohl jemandem die Fantasie durchgegangen.

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