Buchvorstellung – »Dein innerer Ernährungsberater«

Cover für »Dein innerer Ernährungsberater«

»Geh Du vor«, sagte die Seele zum Körper, »auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf Dich.«
»Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben«, sagte der Körper zur Seele.

(Ulrich Schaffer, zitiert nach aphorismen.de)

Unser Körper trägt uns zuverlässig 24 Stunden am Tag durchs Leben. Dabei laufen unsere Körperprozesse – beispielsweise Herz-Kreislauf-System, Verdauungs-, Nerven- oder Immunsystem – völlig unbewusst ab. Es sei denn, wir geraten aus dem Gleichgewicht. Dann gibt uns unser Körper Signale, zuerst ganz feine. Wenn diese ignoriert werden, stärkere, vielleicht sogar schmerzhafte Signale. Das ist so, weil unser Unterbewusstsein, unser innerer Elefant, nicht nur emotionale, sondern auch körperliche Prozesse steuert.

Wir wissen, dass unsere Ernährungsweise nachhaltig über unsere Lebenskraft entscheidet. Warum fällt es manchen Menschen (wie mir), deren Aufgabenliste nie kürzer zu werden scheint, nur so schwer, die feinen Körpersignale wahrzunehmen, die uns die Bedürfnisse unseres Körpers wahrnehmen lassen, auch was die Ernährung betrifft? Warum vergessen wir im Alltag oft, achtsam mit dem eigenen Körper umzugehen? Was können wir tun, um die Botschaften des Körpers besser zu verstehen?

Auf der Suche nach Antworten las ich das höchst interessante 256-seitige Sachbuch Dein innerer Ernährungsberater: Wie wir mit somatischer Intelligenz mehr erreichen als mit jeder Diät von Thomas Frankenbach, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag, München 2021. Im Kern geht es darum, beim Essen ins Spüren zu kommen. Wenn wir emotional lernen, auf unsere innere Stimme, auf die Weisheit unseres Körpers zu achten, kann er zu unserem wichtigsten Berater in Ernährungsfragen werden. Je besser wir die Ernährungsbedürfnisse unseres Körpers erspüren lernen, desto mehr wird es uns zu einem tief gefühlten Bedürfnis werden, nur noch so zu essen, dass es für den eigenen Körper auch wirklich passt.

Thomas Frankenbach leitet seit 2006 den Fachbereich Ernährung und Embodiment [Wechselwirkung von Körper und Psyche] in der Rehaklinik Dr. Wüsthofen in Bad Salzschlirf. Die von ihm entwickelte Somatische-Intelligenz-Methode [griech. soma = Körper] ist ein achtsamkeitsbasierter Ansatz, der dabei unterstützt, die eigene Körperwahrnehmung zu verbessern. Die SI-Methode besteht aus speziellen Wahrnehmungstechniken, die dazu dienen, Körperimpulse rund ums Essen und Verdauen bewusst werden zu lassen. Viele Patienten konnten den frustrierenden Teufelskreis aus Übergewicht, Diäten und Jojo-Effekt durchbrechen und zu einem entspannten Umgang mit dem eigenen Körper finden, indem sie ihre Fähigkeit zum Hineinspüren in ihren Körper verbesserten.

Grundlegend versteht Thomas Frankenbach unter somatischer Intelligenz die Fähigkeit des Körpers, eine richtige Entscheidung bei der Auswahl der richtigen Nahrungsmittel zu treffen. Er stellt jedoch klar: Die eine, für alle Menschen geltende, optimale Ernährungsform gibt es nicht. Jedoch kann jeder Mensch seine individuell passende Ernährungsform finden. Je feiner wir unsere Körperwahrnehmung beim Essen trainieren, desto größer werden unsere Chancen, genau die Nahrungsmittel zu erkennen, die bei uns Beschwerden verursachen. Ein wichtiger Tipp für Menschen (wie mich), die unter diversen Nahrungsmittelunverträglichkeiten leiden. Obwohl ich weiß, dass ich bestimmte Nahrungsmittel nicht gut vertrage, esse ich trotzdem immer wieder davon. Meine Vernunft sagt mir zwar, dass dieses Verhalten ungünstig ist, dennoch hält sich die Gewohnheit bzw. das Verlangen, täglich etwas Süßes zu essen, hartnäckig. Daraus ist ein Teufelskarussell aus schlechtem Gewissen und Frustration entstanden, zu dem sich mit den Jahren Gewichts- und Gesundheitsprobleme gesellt haben.

Wie wichtig es ist, vom theoretischen Wissen ins eigene achtsame Spüren zu kommen, zeigt das folgende Patientenbeispiel:
»Einer meiner Klienten berichtete nach einigen Sitzungen SI-Training, wie ihm Tag für Tag klarer wurde, wie wenig gut ihm die gewohnte Tüte Gummibärchen tat, die er sich in der Arbeit ›gönnte‹, um das Nachmittagsloch zu überstehen. Auf einmal spürte er, wie unruhig sein Magen reagierte, wie nervös er wurde und wie sich eine Viertelstunde nach der Gummibärcheninfusion auch seine Laune verschlechterte. Jahrelang hatte er diese Signale, die ihm sein Körper verlässlich sendete, einfach nicht auf dem Schirm. Da seine Naschgewohnheiten mit den Jahren immer mehr ausgeufert waren, hatte er zugenommen und die Vorstufe eines Typ-2-Diabetes entwickelt. Er stand kurz davor, Insulin spritzen zu müssen. Ein mehrwöchiges Schulungsprogramm für Diabetiker mit zahlreichen wohlgemeinten Ernährungsempfehlungen konnte ihm jedoch auch nicht dabei helfen, von seinen nachmittäglichen wie auch spätabendlichen Futteranfällen zu lassen.

Was ihm jedoch wirklich und nachhaltig half, waren einige Stunden Schulung in der Fähigkeit zur Eigenwahrnehmung. Der Erfolg sprach für sich: Schon nach drei Monaten brachte der Mann gut fünf Kilogramm weniger auf die Waage, und auch seine Blutzuckerwerte hatten sich deutlich verbessert. Ganz klar, dass er damit auch darauf verzichten konnte, Insulin zu spritzen. Die Symptome des Typ-2-Diabetes verschwanden wie von selbst. Nach weiteren sechs Monaten hatte er sein Wohlfühlgewicht erreicht, und seine Blutzuckerwerte waren völlig unauffällig.«

Das Buch enthält Ernährungsübungen, die beim Gewahrwerden helfen, was dem eigenen Körper guttut und was nicht. Bei der Ernährungsübung Gerade gegessen wird beispielsweise empfohlen, sich ein wenig Zeit für die »acht Bodyguards des Körpers« zu nehmen:

  1. Wie gut habe ich vor dem Essen dafür gesorgt, in die Ruhe zu finden? –> Signal an den Ruhe- bzw. Verdauungsnerv
  2. Wie groß war meine Lust auf dieses Essen? –> Hinweis auf die Verträglichkeit
  3. Inwieweit hat mich der Geruch meines Essen angesprochen? –> kann ein früher Hinweis auf Sättigung sein
  4. Wie war die geschmackliche Qualität des Essens? –> Hinweis auf passende Ernährung
  5. Wie war mein Mundgefühl? –> Hinweis auf unpassende Ernährung
  6. Wie war mein Esstempo? –> Hinweis auf Achtsamkeit
  7. Wie war meine Nahrungsmenge? –> Hinweis auf die Fähigkeit der Selbstfürsorge
  8. Wie bekommt mir mein Essen und wie beeinflusst es meine Stimmung? –> Signale der somatischen Intelligenz

Ich kann mir gut vorstellen, dass die ehrliche Beantwortung solcher Fragen über den Impuls, die Körpererfahrung bewusst zu machen, zu einer wirklichen Veränderung von innen heraus führen kann. Ich fühle mich motiviert, die SI-Methode in den nächsten Monaten auszutesten, denn mir ist durch dieses Buch etwas klargeworden: Das Burnout, das ich überwunden habe, und mein Ernährungsproblem, für das ich schon lange eine praktikable Lösung suche, haben eine wichtige gemeinsame Ursache: die verminderte Fähigkeit, achtsam dafür zu sorgen, dass sich bei all seinen täglichen Aufgaben nicht zu übernehmen.

Thomas Frankenbachs Empfehlung habe ich als ein aufmunterndes Rüssel hoch! empfunden: »Wir müssen konkret dafür sorgen, die Botschaften des Körpers wieder besser zu verstehen. Die einzigen beiden Dinge, die wirklich erforderlich sind, um unsere Somatische Intelligenz, die Signale unseres Körpers, achtsam zu nutzen, sind das Wissen um sie sowie das aufmerksame Üben, um sie auch wahrzunehmen.«

Der Autor gibt ehrlich zu, dass es für den Erfolg erst einmal der Geduld und Beharrlichkeit bedarf, indem er offenbart: »Ich selbst musste die Übung ›Der Weg des Wandels‹ gut und gerne zwanzig Mal wiederholen, bis ich mich nicht mehr mit Unmengen an Gummibärchen überaß. Bevor ich diese Übung kennenlernte, hatte ich, obwohl ich damals bereits studierter Ernährungsberater war, über Jahrzehnte hinweg kein wirksames Mittel, um mich wirksam vor Essorgien dieser Art zu schützen.«

Wenn wir zu viel arbeiten, unpassend essen, wenig schlafen etc. – dann überlasten wir uns! Wenn ich meinem Körper mit zu viel Essen überlade – dann handle ich gegen meine wahren Bedürfnisse! Erst wenn diese Erkenntnis über den Weg der Körperwahrnehmung in die Gefühlsebene und von dort aus im Kopf angekommen ist, ich also wirklich körperlich erfolgreich nachgespürt habe, was mir guttut und was nicht – dann erst werde ich dafür sorgen, dass ich bei mir selbst in guten Händen bin! Höchste Zeit, dass ich meine somatische Intelligenz endlich zu Wort kommen lasse!

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