Buchvorstellungen – »Der Jungbrunnen« und »Entscheide selbst, wie alt du bist«

Ein Elefant, der Handstand auf einem Gymnastikball vollführt, und eine Schildkröte, die eine Frisbiescheibe fängt – da wurden wohl für das Cover die richtigen Tiere zum Thema »gesundes Altern« ausgewählt, um die Kernaussage zu betonen: Wer sich wenig bewegt, altert schneller. Elefanten sind laut dem bekannten GEO Magazin mit bis zu 80 Jahren die Landsäugetiere mit der höchsten Lebenserwartung. Eine Seychellen-Riesenschildkröte namens Jonathan gilt mit ihren aktuellen 189 Jahren als das vermutlich älteste lebende Reptil der Erde.

Die beiden Bücher von Sven Voelpel, der zu den führenden Altersforschern Deutschlands zählt, weckten allein schon wegen der Cover mein Interesse, denn mir war sofort klar, dass auch Sven Voelpel auf den Jungbrunnen gestoßen war: aktives Altern, insbesondere regelmäßige tägliche Bewegung. Für Sportmuffel hat er folgende Jungbrunnen-Erklärung parat: »Schon allein, weil unser Bindegewebe – und auch alle anderen Körperzellen – ohne aktive Bewegung gar nicht in der Lage sind, die Nährstoffe aufzunehmen.« Sein Fazit lautet: »Es lebe der Sport!« und »Der Mix macht’s.« Damit meint er den Sport-Mix, mit dem Ausdauer, Kraft und Mobilität, das heißt Dehnbarkeit plus Spannkraft, trainiert werden – im besten Fall an der frischen Luft und bei Tageslicht.

Sven Voelpel erklärt weiter: »Vielfältigkeit ist ein zentraler Faktor, weil wiederkehrende gleichförmige Belastung letztlich ein erhöhtes Risiko für Verschleißerscheinungen birgt. So erklärt sich auch, dass Hochleistungssportlerinnen und -sportler mit ihren spezifischen, immer gleichen und exzessiven Bewegungsabläufen diejenigen sind, bei denen sich Abnutzungserscheinungen am deutlichsten zeigen. Wer jetzt glaubt, dies sei der Freibrief, um es sich in der Hängematte gemütlich zu machen: leider nein. Die sogenannten Couch Potatoes nehmen nämlich Platz zwei ein, wenn es um Verschleißerscheinungen geht. Alle, die sich ›normal‹ häufig bewegen, zeigen die mit Abstand geringsten Abnutzungen an Gelenken und Knochen.«

Sven Voelpel forscht darüber, was Menschen altern lässt und was sie jung hält. Wer jetzt hofft, in seinen Büchern den Hinweis auf eine Wunderpille zu finden, die wir dreimal täglich zu den Mahlzeiten einnehmen können, wird vergeblich suchen. Auch die im Buch vorgestellte Jungbrunnenformel ist keine geheime Wunderformel, sondern eher als »Formel der goldenen Mitte« zu verstehen:
Innere Einstellung + Ernährung + Bewegung + Schlaf + Atmung + Entspannung + soziale Kontakte = strahlendes Wohlbefinden bis ins hohe Alter

In »Die Jungbrunnenformel« (237 Seiten) wird auf 162 und in »Entscheide selbst, wie alt du bist« auf 139 wissenschaftliche Studien Bezug genommen, die jeweils im Anhang aufgelistet sind. Wer sich also bisher noch nicht mit den Jungbrunnen-Faktoren für gesundes Altern beschäftigt hat, wird in beiden Büchern ein solides Grundwissen vorfinden. Wer jedoch dieses theoretische Basiswissen bereits besitzt, ist besser beraten, seine Zeit zu nutzen, um in allen genannten Bereichen gesunde Gewohnheiten zu entwickeln bzw. in der Praxis an einem gesunden Lebensstil dranzubleiben. Auf dieser Rüssel-hoch-Website vermitteln wir insbesondere die Wichtigkeit des erstgenannten Faktors – eine positive Einstellung zum Leben, und ja, auch zum Altern. Gemäß Sven Voelpel spielt der in der Jungbrunnenformel zuerst genannte Faktor »innere Einstellung« eine Sonderrolle. Dadurch würde sozusagen der Boden für die anderen sechs Faktoren bereitet.

In seinem anderen Buch »Entscheide selbst, wie alt du bist« (268 Seiten) schreibt Sven Voelpel hauptsächlich über den Jungbrunnen für den Geist. Er betont: »Alter ist Kopfsache!« und motiviert: »Wir können sehr viel dafür tun, unser Leben bis zum letzten Atemzug zu genießen.« Richtig gut gefallen hat mir – als Hobbytänzerin – die Passage, in der Sven Voelpel eine Empfehlung gibt, wie wir unsere Gehirne wieder jugendlicher machen können: »Deshalb empfehle ich mein liebstes Hobby Tanzen: Denn man trainiert nicht nur gleichzeitig Ausdauer und Koordination, sondern profitiert auch von der Musik und der intensiven sozialen Interaktion beim Führen und Geführtwerden. Metaanalysen zufolge, die weltweit bekannte Studien zusammenfassen, verbessern sich dadurch zahlreiche menschliche Leistungsparameter, inklusive der Gesundheit. Dabei werden als Folge einer erhöhten Bewusstheit und Achtsamkeit Stress reduziert, die Wahrnehmung geschärft, negative Affekte verringert und die Vitalität sowie Bewältigungsfähigkeiten verbessert.«

Seine Zahlen, Daten und Fakten lockert Sven Voelpel auf, indem er in »Entscheide selbst, wie alt du bist« immer wieder die Rubrik »Aus dem Leben gegriffen« einstreut und durch zwei Tests, die jeder selbst durchführen kann: ab S. 68 »Errechnen Sie Ihr biologisches Alter und ab S. 186 »Errechnen Sie Ihr soziales Alter!«

Interessant zu lesen ist auch die Ansicht des Altersforschers über das Altern der Zukunft unter der Überschrift »Blick in die Zukunft: Alter im 22. Jahrhundert? Abgeschafft!« Sein visionäres berufliche, gesellschaftliche und soziale Konzept des aktiven und produktiven Alterns bekräftigt er dann auch im letzten Drittel ausführlich. Doch er vermutet richtig, wenn er andeutet, dass sich wohl nicht jeder einem solch staatlich gewollten »Altersdiktat« des Sich-nützlich-Machens bis ins hohe Alter beugen will oder kann.

Abschließend noch die wichtigsten Stichwörter aus Sven Voelpels Zusammenfassung, sozusagen seine zehn Gebote für ein glückliches Altern:
1. Geht nicht gibt’s nicht!
2. Es ist nie zu spät!
3. Fitness first!
4. Neugier macht klüger als Kreuzworträtsel!
5. Lachfalten statt Botox!
6. Soziale Kontakte sind die wichtigste Altersvorsorge!
7. Alter schützt vor Liebe nicht! Und Sex ist kein Privileg der Jugend!
8. Umsteuern oder Runterschalten statt Vollbremsung [im Job]!
9. Wohnen wie gewünscht, nicht wie gewohnt!
10. Jeder ist seines Alters Schmied!

Man darf gespannt sein, ob er (Jahrgang 1973) das alles selbst umzusetzen vermag. Eines macht der aktuell 47-Jährige auf jeden Fall richtig. Seine Jungbrunnenquelle zapft er an, auch während er seine Kinder betreut: Liegestütze im Wohnzimmer mit dem einen Sohn auf dem Rücken und Klimmzüge auf dem Spielplatz mit dem anderen Sohn auf den Schultern.

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