Elefantöses – Der Elefant im Raum

Manyani Gate, Tsavo East National Park, Kenia © Iris Sofie Bayer

Der Afrikanische Elefant ist das größte und schwerste noch lebende Landsäugetier der Erde. Bis zu vier Meter kann er hoch und bis zu 7 Tonnen schwer werden. Niemand könnte einen Elefanten übersehen, der in einem Zimmer steht. Doch oft ist er da und wird bewusst übersehen – der sprichwörtliche «Elefant im Raum«. Gemeint ist jetzt aber nicht der ebenfalls redensartliche »Elefant im Porzellanladen«.

Das sprachliche Bild vom »Elefanten im Raum« tauchte beispielsweise in der New York Times vom 20. Juni 1959 auf:
»Financing schools has become a problem about equal to having an elephant in the living room. It’s so big you just can’t ignore it.«
(Die Finanzierung von Schulen ist zu einem Problem geworden, das man mit einem Elefanten im Wohnzimmer vergleichen könnte. Es ist so groß, dass man es einfach nicht ignorieren kann.)

Ein »Elefant im Raum« ist eine offensichtliche Wahrheit, ein wichtiges Thema oder großes Problem, was ignoriert oder nicht angesprochen wird, weil es als zu heikel, peinlich oder kontrovers gilt. Psychologisch gesprochen funktioniert also das Prinzip der Verdrängung von etwas Unangenehmem auch auf der Makroebene – sogar bei etwas so Auffälligem wie einem »Elefanten im Raum«.

Am meisten kennt man dieses Phänomen aus der Politik. Dort werden sehr oft schwierige Situationen ignoriert und offensichtliche Probleme nicht angepackt, weil das Thema zu brisant, verfänglich und umstritten ist. Obwohl es jeder kennt, will niemand das »heiße Eisen« bzw. die »heiße Kartoffel« anpacken und darüber diskutieren, da man sich unter Umständen deswegen harscher Kritik aussetzt oder es der eigenen Karriere gefährlich werden könnte.

Aber auch im Berufsleben stößt man bei Sitzungen oft auf einen »Elefanten im Raum«. Man spürt förmlich die angespannte und verdichtete Atmosphäre, wenn ein sehr großes Problem existiert, dessen sich zwar jeder bewusst ist, das aber trotzdem niemand ansprechen möchte – sei es aus Angst vor persönlichen Nachteilen oder um zu vermeiden, andere zu verletzen, ein Tabu zu brechen oder einen ungeschriebenen Verhaltenskodex zu missachten. Doch das von einem ganzen Team ignorierte Problem, das im Raum steht, wird nicht von selbst verschwinden, im schlimmsten Fall füllen bald viele weitere Elefanten den Raum.

Dem unübersehbaren, heiklen Gesprächsthema auszuweichen, ist also nicht die beste Strategie. Denn im Hintergrund schwelende Konflikte und innere Widerstände verhindern eine gute Teamarbeit, und damit ein konstruktives Vorankommen auf Sachebene. Besser ist es, wenn der Teamleiter den Mut hat, den phraseologischen »Elefanten im Raum« genau zu benennen. Wenn er dabei Fingerspitzengefühl zeigt sowie auf das gemeinsame Ziel des Teams hinweist, kann dadurch das bisher ignorierte Problem von der Elefantenebene auf die Sachebene geholt und nun offen diskutiert werden.

Der vielzitierte «Elefant im Raum« kann sich auch in unserem eigenen Wohnzimmer befinden, und zwar dann, wenn ein Paar nicht miteinander über seine Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle spricht. Das können ständige Überstunden, Uneinigkeit in der Kindererziehung, unausgewogene häusliche Aufgabenteilung, die Schwiegereltern oder der Wunsch nach mehr Nähe und Zuwendung sein. Warum spricht ein Paar nicht einfach über solche »wunden Punkte«? Weil manchmal die Angst vor der Reaktion des Partners größer ist als das Problem selbst.

Klar soll in einer partnerschaftlichen Beziehung nicht »aus jeder Mücke ein Elefant« werden oder »die Mücke ausgesiebt, der Elefant jedoch verschluckt werden«. Doch wenn bereits ein ausgewachsener Elefant auf dem Sofa sitzt oder gar im Ehebett liegt, sollte er nicht stillschweigend übersehen werden. Denn sich trotz dieses » Elefanten im Raum« zu arrangieren, macht das gemeinsame Leben auf Dauer nicht wirklich gemütlich. Sprechen wir als Paar lieber über das, was uns auf der Seele liegt, um gemeinsam eine Lösung dafür zu finden und so »die Kuh vom Eis« bzw. »den Elefanten aus dem Raum« zu bringen. Nur Mut! [ruessel hoch]

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