Fotoausflug – Die Externsteine im Teutoburger Wald

Im Jahre 9 nach Christus erlitten drei römische Legionen unter dem römischen Feldherrn Varus in Germanien eine vernichtende Niederlage, die als Schlacht im Teutoburger Wald (auch Hermanns- oder Varusschlacht) bekannt wurde:

»[…] Denn das Gebirge war voller Schluchten und Unebenheiten, und die Bäume standen so dicht und waren so übergroß, dass die Römer auch schon ehe die Feinde über sie herfielen, sich, wo nötig, abmühten, die Bäume zu fällen, Wege zu bahnen und Dämme zu bauen. Und wenn dazu noch Regen und Sturm kam, zerstreuten sie sich noch weiter. […] [Da] umstellten die Germanen sie plötzlich von überall her gleichzeitig durch das Dickicht hindurch, da sie ja die Pfade kannten, […] Daher schlossen sie die Römer mühelos ein und machten sie nieder […]« (Bericht des Cassius Dio)

In diesen geschichtlich so berühmten Teutoburger Wald begaben wir uns auf unserer Rückreise von Krefeld, wo wir unserem Sohn beim Umzug geholfen hatten. Wir fuhren bei Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen von der Schnellstraße ab, um einen Blick auf die Externsteine zu werfen, die jährlich von einer halben bis einer Million Menschen besucht werden. Die ganze Gegend des Teutoburger Walds fanden wir landschaftlich so schön, dass es sich auf jeden Fall lohnt, wenn wir dort mal ein paar Tage verbringen und nicht nur auf einen Sprung vorbeischauen.

Die imposanten Externsteine zählen zu den bedeutendsten Natur- und Kulturdenkmälern des gesamten Teutoburger Waldes. Auf eine Besteigung der Felsen und den weiten Panoramablick haben wir allerdings verzichtet, da wir keine Lust auf den geforderten Corona-Schnelltest hatten. Wir begnügten uns mit dem ohne Test/ohne Maske frei zugänglichen Gelände rund um die Externsteine mit interessanten Perspektiven auf die Externsteine, die uns ganz in ihren Bann zogen.

An manchen Stellen glaubten wir Felsenfiguren, ja sogar Steinelefanten zu erkennen, doch wahrscheinlich sieht hier jeder – der eigenen Fantasie gemäß – etwas ganz anderes.

Die Externsteine sind eine in einem Naturschutzgebiet gelegene markante Felsformation aus hartem, verwitterungsresistentem Quarzsandstein mit geringen Mengen an Feldspat und Glaukonit.

Sie ragen in der sonst weitgehend steinfreien Umgebung um die 40 Meter über die Oberfläche es Wiembecketeichs in die Höhe und ziehen sich linienförmig über mehrere Hundert Meter hin.

Gut versteckt im Wald finden sich vereinzelt kleine Felsen bis hin zu den gut sichtbaren 13 relativ freistehenden Einzelfelsen. Am 12. Mai 2006 wurden die Externsteine als Nationales Geotop durch die die Akademie für Geowissenschaften zu Hannover gewürdigt.

An den Externsteinen deutlich zu sehen ist die sogenannte Wollsackverwitterung mit den typisch rundlichen Formen. Durch das Zusammenwirken von physikalischen und chemischen Prozessen bilden sich kantengerundete Gesteinsblöcke, die wie Kissen, Matratzen oder auch Wollsäcke übereinandergestapelt liegen. Im fortgeschrittenen Stadium können sich durch Verwitterung im oberflächennahen Untergrund durch Erosion freigelegte Wackelsteine ausbilden.

Obwohl keine Belege für eine vorchristliche germanische Kultstätte gefunden wurde, geistern um die Externsteine Sagen und Mythen, so dass sie auch schon als »Deutschlands Stonehenge« bezeichnet wurden. Für viele Menschen sind die Externsteine ein Kraftort mit außergewöhnlichen geomantischen und spirituellen Eigenschaften. Insbesondere zur Walpurgisnacht finden dort festivalartige Feierlichkeiten statt, wobei rund um die Externsteine gezeltet und gefeiert wird.

Menschliche Aktivitäten im Zusammenhang mit den Externsteinen sind erst für das frühe Hochmittelalter belegt. Wahrscheinlich waren es Mönche umliegender Klöster, die gestalterische Arbeiten an den Externsteinen vornahmen – beispielsweise das Felsengrab am Fuße des Felsens 1 oder die obere Kapelle in Felsen 2. Die Grotten in den Externsteinen wurden als Eremitage genutzt, als einsame Orte der Zurückgezogenheit. Das in die Außenwand einer Grotte gemeißelte 5,5 Meter hohe Kreuzabnahmerelief wird ins 12. Jahrhundert datiert und gilt als das europaweit größte unter freiem Himmel.

Felsen 1 (Grottenfels) ist am weitesten nordwestlich, direkt am Wiembecketeich gelegen. Er ist gekennzeichnet durch die Grotten, die Treppenanlage, das Gipfelplateau und das berühmte Felsenrelief der Kreuzabnahme.

Es folgt Felsen 2 (Turmfels), der wie ein quadratischer Turm aussieht. Dort befindet sich eine Höhenkammer mit Rundfenster, das auf den Aufgangspunkt der Sonne zur Sommersonnenwende ausgerichtet ist. Ein weiteres Fenster in der Nordwestwand ist auf den Untergangspunkt der Sonne zur Sommersonnenwende ausgerichtet.

Der niedrigere Felsen 3 (Treppenfelsen) ermöglicht über Treppen und eine eiserne Rundbogenbrücke den Aufgang zur Höhenkammer des Turmfelsens. Dann folgt eine mächtige Kluft, durch die seit etwas 200 Jahren eine Straße führt.

Auf Felsen 4 (Wackelsteinfels) liegt (einst lose) ein mächtiger Gesteinsbrocken, der für das Auge abzustürzen droht und alten Geschichten zufolge auf Feinde herunterstürzen sollte. Diesen Wackelfels hat man inzwischen mit Eisenhaken gesichert.

Felsen 5 (Ruferfels) überragt den Wackelsteinfels und wurde nach einem am Gipfel sichtbaren Kopf benannt, welche den Mund geöffnet hat und nach Südosten blickt. In diese Richtung folgen acht weitere Felsen.

Für uns hieß es angesichts des langen Heimwegs, der noch vor uns lag, nicht den weiteren acht Externsteinen, sondern dem Weg nach Hause zu folgen.

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