Buchvorstellung – »Enzo. Die Kunst, ein Mensch zu sein«

Nicht nur am Weltbuchtag (23. April), auch sonst ist es immer eine gute Idee, ein Buch zu verschenken. Das Buch, das ich heute vorstellen möchte – »Enzo. Die Kunst, ein Mensch zu sein« von Garth Stein – ist ein solches Buchgeschenk gewesen.

Enzo ist ein italienischer männlicher Vorname, der von Enrico abgeleitet ist; er entspricht dem deutschen Vornamen Heinz. Doch für dieses Buch wurde, so glaube ich, der Hundename gewählt, um den Bogen zu schlagen zu Ferrari Enzo, einem zwischen 2002 und 2004 gebauten Supersportwagen, der wiederum nach dem Firmengründer, Enzo Anselmo Ferrari, benannt wurde, der selbst Rennfahrer war.

Der Roman erzählt aus der Sicht von Enzo, einem klugen, aufmerksamen und empathischen Familienhund, der sich durchs Fernsehen weiterbildet und nach einer Dokumentation über die Mongolei fest davon überzeugt ist, dass er in einem nächsten Leben als Mensch wiedergeboren wird. Während ihm sein Besitzer, der Rennfahrer Denny Swift, die Kunst des Rennsports nahebringt, entwickelt sich die Geschichte immer mehr zu einer ergreifenden Familientragödie. Enzo und Denny erkennen, worin die Kunst, ein Mensch zu sein, tatsächlich besteht, und dass man mit einem Freund an der Seite alles im Leben bewältigen kann – selbst wenn einer der beiden Freunde nicht sprechen kann.

Ich finde es immer interessant, zu erfahren, wie andere Autor/innen auf ihre Buchideen kommen. In diesem Fall war es tatsächlich so, dass Garth Stein durch eine TV-Dokumentation, die von einer monoglischen Legende erzählte, dass ein Hund, der dazu bereit ist, in seinem nächsten Leben als Mensch wiedergeboren wird, zum Schreiben inspiriert wurde. Dass ihn diese Idee fasziniert hat, tritt insbesondere im überraschenden Schluss zutage.

Auch die teilweise langen Textpassagen über die Kunst des Rennfahrens, die dem einen oder anderen vielleicht zu kompliziert erscheinen mögen, haben autobiografischen Hintergrund. Sie gehen darauf zurück, dass Garth Stein selbst Rennerfahrungen gemacht hat und den Rennsport nach einem schweren Unfall – bei einem Rennen im Regen – aufgeben musste. Dies erklärt auch den englischen Originaltitel »The Art of Racing in the Rain« [»Die Kunst des Rennfahrens im Regen«]. Im gleichnamigen Originalfilm aus dem Jahr 2019 [deutscher Filmtitel: »Enzo und die wundersame Welt der Menschen«] wird Enzo von Kevin Costner gesprochen.

Die Rennfahrer-Szenen sind als Metapher für das gedacht, was Enzo und Denny durch den »Dauerregen« in ihrem gemeinsamen Leben lernen, insbesondere Durchhaltevermögen und Zusammenhalt. Es ist fraglich, ob alle Leser/innen auf dieser metaphorischen Ebene und der philosophischen Betrachtung des Rennsports mithalten wollen oder diese Textpassagen dann doch lieber überspringen. Mir hat es gefallen, einen tieferen Einblick in die Leidenschaft eines Rennfahrers zu erhalten, beispielsweise darüber, wie ein Rennfahrer in einer Art Flow völlig eins wird mit seinem Rennwagen, seiner Umgebung, die nächste Kurvensituation schon vorausahnt:

»Er sagt, Rennfahren ist Handeln. Der Rennfahrer ist Teil des Augenblicks und gibt auf nichts anderes acht.«

Das Buch ist nichts für Leser/innen, die einfach nur eine lustige Hundegeschichte lesen möchten. Es schwebt eine gewisse Schwermut über der Geschichte, die jedoch durch die besondere Perspektive des treuen Hundefreundes Enzo aufgelockert wird. Ich nutze selbst gern andere Erzählperspektiven in meinen Romanen und Kurzgeschichten, da dies für mich als Autorin reizvoller ist und die Texte für meine Leserschaft interessanter macht.

Wer selbst einen Hund besitzt oder besessen hat, den wird dieser Roman über eine Hundefreundschaft sicherlich tief berühren, denn er hat bestimmt schon einmal Situationen erlebt, in denen er zu gern gewusst hätte, was sein Hund jetzt denkt. Mit Enzo bekommen wir eine phantasievolle Idee davon, was in einem kleinen Hundekopf so vorgehen könnte. Ein Beispiel:

»Ich wollte nicht, dass sich Eve unnötig sorgte. Weil ich es schon gerochen hatte. Wenn Denny nicht da war und Eve mich fütterte, beugte sie sich zu mir herunter, um mir den Napf hinzustellen, und dabei kam meine Nase nahe an ihren Kopf. Ich roch etwas Schlechtes. Etwas wie faulendes Holz. Pilze. Verfall. Nassen, brüchigen Verfall. Der Geruch kam aus ihren Ohren und den Nebenhöhlen. Da war etwas in Eves Kopf, das dort nicht hingehörte.

Mit einer gewandteren Zunge hätte ich sie warnen können. Ich hätte sie auf ihren Zustand aufmerksam machen können, lange bevor sie es mit ihren Maschinen entdeckten, mit ihren Computern und Sonden, mit denen sie in einen Kopf hineinsehen können. Sie mögen ja denken, dass diese Maschinen hoch entwickelt sind, tatsächlich sind sie altmodisch und schwerfällig, völlig passiv und basieren auf der Sichtweise einer symptomgesteuerten Medizin, die immer einen Schritt hinterherhinkt. Meine Nase, ja, meine kleine, hübsche schwarze, ledrige Nase, konnte die Krankheit in Eves Kopf riechen, lange bevor sie davon erfuhr.

Aber ich besaß nicht die Zunge, um es ihnen zu sagen. So konnte ich nur zusehen und hatte dabei dieses leere Gefühl im Bauch. Eve hatte mir aufgetragen, Zoë zu beschützen, ganz egal, was auch passieren mochte. Eve zu beschützen, hatte mir niemand aufgetragen, und es gab nichts, was ich tun konnte.«

Diese Einzelheit über Hunde hat mich überrascht. Natürlich wusste ich, dass Hunde um ein Vielfaches besser riechen können als Menschen. Doch können sie tatsächlich auch Tumore riechen? Ja, ergab meine Recherche, Hunde können Krebszellen erschnüffeln, und zwar mit einer sehr hohen Trefferquote. Hunde sind offenbar in der Lage, schon sehr geringe Konzentrationen flüchtiger Geruchspartikel wahrzunehmen, die durch bösartige Tumore über den Atem oder die Haut freigesetzt werden.

Dies trifft auch auf sogenannte Diabetikerwarnhunde zu, die als Spür- und Begleithunde ausgebildet werden. Sie holen Hilfe, wenn sie im Körper des Diabetikers aufgrund von flüchtigen chemischen Verbindungen eine gefährliche Schwankung im Blutzuckerspiegel erschnüffeln. Im Notfall wecken sie beispielsweise Angehörige bei nächtlichen Unterzuckerungen oder sie bringen dem Diabetiker das Blutzuckermessgerät.

Beeindruckend, nicht wahr? Auch so etwas kann man aus einem Roman lernen, abgesehen davon, dass uns ein unterhaltsames Buch eine entspannende Auszeit schenken kann.

Wenn euch der Beitrag gefallen hat, würden wir uns über einen Kommentar von euch sehr freuen. Ihr könnt euch gern zu unserem monatlichen Newsletter anmelden.


Hier stelle ich meine eigenen Bücher vor. Tauche ab in Geschichten, die erfrischend anders sind – voll von positiver Rüssel-hoch-Ausstrahlung!


0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.