Fotoausflug – Bonjour Wintersonne

Die Wintersonne lockte viele Menschen in den Park Babelsberg, der sich uns bei diesem Fotospaziergang kurz vor Jahresende winterlich angehaucht darbot. Mit den klaren Formen des Klassizismus und dem gotischen Baustil englischer Herkunft zeigte sich Schloss Babelsberg imposant und in der Sonne strahlend neben den entlaubten Silhouetten der alten Bäume. Direkt vor dem Schloss posierte eine freche Krähe, die sich an den von Besuchern verlorenen Kuchenkrümeln gütlich tat.

Es war kalt, doch der Himmel war blau und die Wintersonne verbreitete eine wundervolle Lichtstimmung auf den geschwungenen Pfaden des Babelsbergers Park, die zum Glienicker See und zum Tiefen See der Havel hin abfallen. Die Umrisse der Bäume und Sträucher gaben der Landschaft einen zarten Anklang.

Vom Park Babelsberg aus bot sich ein schöner, offener Ausblick hinüber zum sich im Wasser spiegelnden Jagdschloss Glienicke am nordöstlichen Ufer der Glienicker Lake, die zur Bundeswasserstraße Teltowkanal gehört. Glienicke war Mitte des 17. Jahrhunderts ein kleines, armes Dorf. Die Familie von Schlabendorff verkaufte es an den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der dort 1678 dieses Jagdschloss erbauen ließ. Unter Friedrich I., dem ersten König in Preußen, wurde es 1701 im Stil des französischen Barocks ausgebaut und verschönert.

Gegenüber im Park Babelsberg steht das Dampfmaschinenhaus, dessen Pumpe einst für die Wasserversorgung des Babelsberger Parks sorgte. Nach Plänen von Ludwig Persius wurde es mit Zinnen, Türmchen und Erker versehen, die dem Gebäude einen normannischen Charakter verliehen. Im Obergeschoss wohnte Graf Hermann von Pückler, der Hofmarschall des Prinzen Wilhelm I. und Vetter von Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Letzterer wurde 1843 mit der weiteren Gestaltung der Parklandschaft samt Gebäuden beauftragt, die vom Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné im Auftrag des Prinzen Wilhelm (später Wilhelm I., des ersten deutschen Kaisers) und seiner Gemahlin Augusta begonnen worden war.

Die Wintersonne führte uns sodann einen leicht mit Schnee bedeckten Pfad die Lennéhöhe hinauf zur ehemaligen Berliner Gerichtslaube, einer überdachten, von außen einsehbaren mittelalterlichen Gerichtsstätte. Sie stand ursprünglich in Berlin am Alten Rathaus und musste wegen des Neubaus des Berliner Roten Rathauses weichen. Unter Verwendung von Originalteilen aus dem 13. Jahrhundert wurde sie nach Plänen des Architekten Heinrich Strack in den Park Babelsberg umgesetzt.

Der Mittelpfeiler in der offenen Halle des Gebäudes aus rotem Backstein steht als Symbol für eine Linde oder Eiche, unter der früher öffentliche Gerichtsverhandlungen stattgefunden haben.

Auf dem Steinrelief rund um den Mittelpfeiler sind die Schweine ein Symbol für Schlemmerei und Unzucht, der Adler für Raubgier, der Affe für Habsucht und die Sirenen für Hass und Zorn.

Was wohl der Vogelkörper mit Menschenkopf bedeutete, den wir an einer anderen Säule entdeckten? Es ist der sogenannte Kaak, eine mittelalterliche Spottfigur als Zeichen für Schimpf und Schande. An dieser Säule wurden Verurteilte angekettet und dem öffentlichen Spott preisgegeben. Es handelte sich sozusagen um einen mittelalterlichen Pranger.

Wir ließen die Berliner Gerichtslaube hinter uns und warfen noch einen Blick auf den 46 m hohen Flatowturm, der ebenfalls nach Plänen des Architekten Heinrich Straak gebaut wurde. Er heißt so, weil der Bau aus den Einnahmen der Staatsdomäne Flatow in Westpreußen (heute in Polen) finanziert wurde. In der Wintersonne wirkte der Flatowturm märchenhaft romantisch.

Kurz darauf zogen viele Wolken auf, die den Himmel bedeckten und kaum noch Wintersonne durchließen, was der Szenerie einen Hauch von mystischer Stimmung gab. Ein zauberhafter Ausklang unseres Winterspaziergangs.

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