Elefantöses – Elefantenkopf

Faszinierende alpine Staude
Das Titelfoto zeigt es deutlich: Es geht um die Pflanze Pedicularis groenlandica, die den deutschen Namen Elefantenkopf oder Elefantenkraut trägt. Sie gehört zu den Sommerwurzgewächsen (Orobanchaceae) der Gattung Läusekräuter und kommt in den Hochgebirgszügen im Westen Nordamerikas vor, darunter in den Cascades, der High Sierra und den Rocky Mountains, zudem wächst sie im Westen Kanadas, in Alaska und Grönland.
Die aufrecht wachsende Pflanze, die eine Höhe von bis zu 60 Zentimetern erreichen kann, heißt im Englischen umgangssprachlich elephant’s head (Elefantenkopf), little pink elephant (kleiner rosa Elefant) oder elephantella (Elephantella). Weniger geläufig ist der Name Schmetterlingszunge, der ebenfalls auf den langen Fortsatz der Blüte zurückzuführen ist. Jede Blüte ist 1 bis 1,5 Zentimeter lang.
Eindrucksvolle Elefantenkopf-Blüten
Pedicularis groenlandica ist ein botanischer Schatz von einzigartiger Schönheit. Ihren elefantösen Namen bekam die zwischen Juni und September auffällig blühende Pflanze, weil die leuchtend rosa bis purpurroten Blüten aussehen wie ein kleiner Elefantenkopf mit Rüssel. An jedem Blütenstiel sitzen traubenartig jeweils zwischen 20 und 70 Blüten, die nicht nur sichtbares Licht, sondern auch ultraviolettes Licht reflektieren.
Die Ähnlichkeit der einzelnen Blüte mit einem Elefantenkopf samt Rüssel und Ohren ist bemerkenswert. Die »Stirn« des Elefanten, »Galea« genannt, ist eine Struktur, die den Pollen vor Witterungseinflüssen schützt und in die stark verlängerte, nach oben gebogene Oberlippe übergeht, die dem Rüssel eines Elefanten ähnelt, der eine Verschmelzung aus Nase und Oberlippe ist. Die seitlichen Blütenblätter (Unterlippe) wirken wie die Ohren eines Elefanten. Die Bestäubung des blühenden Blütenstands, der einer Reihe kleiner tiefrosafarbener Elefantenköpfen gleicht, erfolgt meist durch Hummeln.
Die Frucht der elefantös blühenden Wildpflanzen ist eine asymmetrische Kapsel mit einer Größe von 6 bis 14 Millimetern. In jeder Kapsel befinden sich mehrere große, braune Samen mit netzartiger Oberfläche und kleinen Flügeln. Die getrockneten Blütenstiele behalten etwas von ihrem elefantenartigen Aussehen bei, wobei die verwelkten Stängel noch lange nach dem Verblühen der Blüten sichtbar sind.
Lausiger Gattungsname
Der Gattungsname Pedicularis stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Laus (pediculus). Im Volksglauben hieß es, dass Tiere, die Läusekraut fraßen, von Läusen befallen würden. (Es gibt übrigens auch Elefantenläuse.) Der zweite Teil des wissenschaftlichen Namens, groenlandica, bezieht sich auf die erste wissenschaftliche Sammlung dieser Art auf der Insel Grönland. Pedicularis groenlandica wurde erstmals 1795 von dem schwedischen Naturforscher Anders Jahan Retzius in Florae Scandinaviae Prodromus beschrieben. Die Beschreibung basierte auf Exemplaren, die in den 1790ern in Grönland gesammelt worden waren. Carl von Linné soll Anders Retzius als einen seiner besten Lehrjungen betrachtet haben. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet »RETZ.«
Hemiparasit
Wie viele andere Pflanzen der Gattung Pedicularis ist Elefantenkraut eine parasitäre Pflanze und zum Überleben auf den Wurzelkontakt mit Wirtspflanzen wie Seggen und Gräser angewiesen, stellt jedoch relativ geringen Anforderungen an seine Wirtspflanzen, da es gleichzeitig zur eigenständigen Photosynthese fähig bleibt. Als Hemiparasit parasitiert Elefantenkraut partiell die Wurzeln benachbarter Pflanzen, indem es mit seinen Saugorganen (Haustorien) Wasser und Nährsalze entzieht. In Gärten mit sehr feuchten, fast sumpfartigen Bereichen wie Teichrändern kann Pedicularis groenlandica beispielsweise zusammen mit der Schwarzen Alpensegge (Carex nigricans) wachsen, eine ihrer häufigsten Wirtspflanzen. Einmal abgepflückt, verwelkt die Elefantenkopf-Blume allerdings schnell.
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