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Iris Sofie

Buchvorstellung zum Welt-Foto-Tag (19.8.) – »Die Zeit des Lichts«

19.08.2026/0 Kommentare/in Bücher /von Iris Sofie
Cover fürs Buch »Die Zeit des Lichts«

»Die Zeit des Lichts erzählt die Geschichte einer Künstlerin,
einer Freidenkerin, eines einzigartigen Lebens.
Dieser Roman funkelt auf jeder Seite.«
Paula McLain

Welt-Foto-Tag (19. August)
Der 2009 ins Leben gerufene jährliche Welttag der Fotografie am 19. August, auch bekannt als Welt-Foto-Tag oder World Photo Day, erinnert an das Jahr 1839, das Geburtsjahr der Fotografie. Damals stellte die französische Regierung das Patent für die Daguerreotypie – das erste kommerziell nutzbare Fotografie-Verfahren (benannt nach dem französischen Maler Louis Daguerre) – der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Seither hat sich die Technik und Kunst der Fotografie von einer einfachen schwarzen Box und verschwommenen Bildern zu Hightech-Kameras bzw. Hightech-Computern und gestochen scharfen Bilder von unglaublicher Qualität gewandelt. Eine tolle Entwicklung, die Fotografen und Liebhaber von Fotografien in aller Welt begeistert, mich und Oliver eingeschlossen.

Doch ich möchte euch in diesem Beitrag nicht mit technischen Details der Daguerreotypie langweilen, sondern an dieser Stelle den 392-seitigen Liebes- und Künstlerroman von Withney Scharer vorstellen.

Roman Die Zeit des Lichts
Die Zeit des Lichts, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2019, ist eine historische Fiktion über die Fotografin und Reporterin Lee Miller, die im Alter von 22 Jahren zu der Erkenntnis kommt: »Ich würde lieber ein Bild machen, als eines zu sein.« Lee Miller gibt ihre Modelkarriere in New York auf, um nach Paris zu ziehen.

»Aber damals, in jenem ersten Sommer in Paris, wusste sie noch nichts von der Macht der Bilder, wie ein Ausschnitt die Wirklichkeit erschafft, wie ein Foto die Erinnerung definiert und die Erinnerung die Wahrheit.«

Lee Miller erkundet mit ihrer Kamera die französische Hauptstadt. Das Cover zeigt eine Frau, die eine zweiäugige Spiegelreflexkamera in der Hand hält, eine klassische Rolleiflex. Die zwei übereinander liegenden Objektive sind gut zu erkennen. Das obere diente als Sucherobjektiv, das untere nahm das Foto auf. Bei diesen Modellen blickte man von oben in den sogenannten Lichtschachtsucher, weshalb die Frau die Kamera auch auf Bauchhöhe hält. (Lee Miller nutzte im Laufe ihrer Karriere zwar verschiedene Kameras, wurde allerdings besonders häufig mit einer Rollei fotografiert.)

»Beim Anblick der kleinen Schwarz-Weiß-Bilder, die nicht nur aus ihrem Kopf heraus entstanden waren, sondern aus einer einmaligen Kombination von Licht und Zeit, empfand Lee eine Begeisterung, die sie beim Malen nie empfunden hatte. Sie hatte auf den Auslöser gedrückt, und wo vorher nichts war, war plötzlich Kunst.«

Lee Miller (1907-1977) verliebt sich in den berühmten Fotografen Man Ray (1890-1976), der die Fotografie revolutionierte. (Er gilt bis heute als wichtiger Impulsgeber für die moderne Fotografie und Filmgeschichte bis hin zum Experimentalfilm. Man Ray erfand unter anderem die Rayografie, eine Technik, bei der Bilder ohne Kamera entstehen, indem Objekte direkt auf lichtempfindliches Papier gelegt und belichtet werden, was zu geheimnisvollen, abstrakten Kompositonen führt. Als Avantgardekünstler und Schlüsselfigur des Surrealismus und Dadaismus experimentierte Ray Man radikal mit neuen Techniken und befreite die Fotografie von der bloßen Abbildung der Realität.)

Man Ray, dessen zahlreiche Porträtfotografien die Hochphase des kulturellen Lebens im Paris der Zwanziger- und Dreißigerjahre dokumentierten, stellt Lee als Assistentin ein und unterrichtet sie in seinem Fotostudio. Zwischen ihm und Lee entwickelt sich neben der künstlerischen auch eine obsessiv-destruktive Liebesbeziehung, sodass sich auch ihre Werke zunehmend um sadomasochistische Phantasien drehen und sexualfetischistische Charakterzüge annehmen, in denen die weibliche Unterwerfung eine wichtige Rolle spielt. Es entstehen Fotos mit einem Frauenkopf unter einer Glasglocke oder mit einem Drahtkäfig über dem Kopf sowie Fotografien mit gefesselten, entpersonalisierten Frauenkörpern.

»Eine fast manische Energie packt ihn, durch sie, wie er sagt, durch ihre Nähe. […] Er will Lee bei sich haben, vergisst dann aber, dass sie da ist, bis sie wütend wird […] und ihn küsst, bis er wieder ihr gehört.«

»›Ich brauche dich, Lee.‹ Dann, noch etwas leiser: ›Du darfst mich nie verlassen.‹«

»›Du gehörst in jeder Hinsicht mir. Das weißt du, oder? Du bist mein Modell. Meine Assistentin. Meine Geliebte.‹
Sie weicht noch ein Stück zurück. ›Sag, dass du mir gehörst. Sag es.‹
Lees Kehle hat sich zur Größe eines Strohhalms zugeschnürt. Ihre Worte klingen erstickt und näselnd.
›Ich gehöre dir.‹«

Lee Miller kämpft ständig darum, in dieser Welt männlicher Genies, männlicher Besitzansprüche und bei dem damaligen von Männern dominierten Frauenbild, als Künstlerin ernst genommen zu werden. Es ärgert sie, wenn selbst Frauen sie als ein leeres Nichts sehen, als bloße Begleiterin von Man Ray.

»›Du bist die von Man Ray‹, stellt Claude fest.
›Ja.‹ Lee bemerkt wieder, wie stolz sie klingt.
›Die Muse.‹ Claude zieht das Wort in die Länge und wedelt herablassend mit den Fingern.
›Ich bin Fotografin.‹
›Ach, wirklich?‹«

Als kreative, intelligente und freigeistige Frau hätte sie so viel mehr sein können, als sie durfte.

»Genau so versteht Lee ihre Arbeit inzwischen: Sie will bewusst ein Gefühl auslösen, statt nur mit etwas Glück ein tolles Bild zu machen.«

»Jedes Bild, das sie macht, fühlt sich lebendig und unerwartet an. Und Lee selbst fühlt sich lebendiger denn je, allein dadurch, dass sie sie einfängt. [… Sie] durchlebt immer wieder von vorn das Gefühl der Macht, im richtigen Moment den Auslöser gedrückt zu haben. […] Es geht darum, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein und sich für etwas zu entscheiden, obwohl niemand sonst irgendetwas darin sieht.«

Zur Trennung von Man Ray kommt es nicht nur, weil er von ihr die totale Hingabe verlangt, sondern als dieser eine neue Fototechnik, deren Idee von ihr stammt und die sie gemeinsam erprobt haben, als die allein seinige ausgibt. Es handelt sich um die Solarisation, eine Technik, bei der das Negativ während des Entwicklungsprozesses kurz überbelichtet wird, wodurch dunkle Linien um die Motive herum entstehen, die an Schatten oder Heiligenscheine erinnern.

Lee Millers Liebesgeschichte spielt im Paris der Dreißigerjahre, einer Zeit der wildesten Partys in der Künstlerszene, bei denen Unmengen an Alkohol flossen. Ihre Freunde sind Berühmtheiten wie Pablo Picasso (er malte 1937 sechs Bilder von ihr) oder Jean Cocteau (in seinem surrealistischen Film Das Blut eines Dichters (1930) übernahm sie die Rolle einer lebendig werdenden Statue). Die Autorin Whitney Scharer zeichnet mit ihrem Debütroman eine glanzvoll abgründige Epoche mit der Pariser Bohème der Dreißigerjahre, vor allem jedoch das Porträt einer Frau, die sich weigerte, in jemandes Schatten zu stehen bzw. sich gegen die Bevormundung von Männern zu Wehr setzte, sich nie ganz vereinnahmen ließ und sich letztendlich als selbstbewusste, leidenschaftliche und unabhängige Künstlerin behauptete.

Mutige Kriegsreporterin
Berühmt wurde Elizabeth (Lee) Miller, Lady Penrose, erst viel später als Kriegsreporterin im Zweiten Weltkrieg. Dieser Lebensphase widmet sich die Filmbiografie Die Fotografin (2023), in der Kate Winslet die Titelrolle spielt.

1939 erlebte sie mit ihrem Ehemann Roland Penrose die deutschen Luftangriffe. Sie entwickelte einen Hass auf die Deutschen, der sich noch steigerte, als sie 1944 zur Kriegsberichterstatterin wurde. In Hitler sah sie »ein böses Maschinenmonster«. Unter anderem gelang ihr als Kriegsreporterin ein Foto, das einen der ersten Einsätze von Napalm zeigte. Viele weitere erschütternde Fotografien zeigten das besiegte Deutschland, unter anderem in den befreiten Konzentrationslagern.

Am 30. April 1945 ließ sie sich von einem Kollegen (David Scherman) in Adolfs Hitlers Badewanne ablichten, nachdem sie zuvor das Konzentrationslager Dachau besichtigt hatte. Viel Zeit blieb ihr nicht, denn vor der Tür wartete ein amerikanischer Offizier mit Seife und Handtuch, der ungeduldig an die Tür klopfte. Gerade erst hatten GIs Hitlers Münchener Privatwohnung besetzt. Erst mit diesem Bad wurde Lee Miller nach ihrem Tod weltberühmt, also wieder nicht durch ein Foto, das sie selbst gemacht hat, sondern durch ein Foto von ihr.

Zu diesem Foto gibt es moderne Interpretationen, die sich auf psychoanalytische Aspekte konzentrieren. Amy J. Lyford bezeichnet das Foto als »krankhaften Scherz«, den sie als eine Art Ventil benutzt habe, um sich von den Schreckensbildern aus Dachau zu befreien. Melody Davis sieht in den Fotografien Millers den Versuch, die ödipale Verehrung ihres Vaters sowie der Vergewaltigung durch einen Bekannten der Familie im Alter von sieben Jahren zu verarbeiten. (Diese prägenden Erlebnisse – eine Vorgeschichte, die sie ihr ganzes Leben lang quält – werden im Roman thematisiert, was dazu beiträgt, ihre innere Zerrissenheit und teilweise befremdlichen Neigungen und Reaktionen zu verstehen.)

Es verwundert nicht, dass Lee Miller nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die schrecklichen Bilder, die in Endlosschleife in ihrem Kopf laufen und zu Albträumen führen, in Depressionen und Alkoholismus versank. 1957 absolvierte sie einen Kochkurs in einem Pariser Edelrestaurant. Von da an kochte sie mit Leidenschaft und avancierte zur Küchengöttin. Dieses Hobby gab ihr einen neuen Lebensinhalt, nachdem sie die Fotografie weitgehend aufgegeben hatte. Selbst ihr Sohn zeigte sich nach ihrem Tod überrascht, was für eine hervorragende Fotografin seine Mutter gewesen war. Ihre Aufnahmen hatte sie auf dem Dachboden versteckt.

»Als sie die Tür zum Boden hinter sich zuschließt, spürt sie so etwas wie Erlösung, einen kleinen Lichtstrahl in der Dunkelheit. Wie nennt man dieses Gefühl? Sie wünschte, es wäre Befreiung.«

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Schlagworte: Besser fotografieren, Buchvorstellung, Welttag
https://ruessel-hoch.de/wp-content/uploads/2020/07/Logo3.png 0 0 Iris Sofie https://ruessel-hoch.de/wp-content/uploads/2020/07/Logo3.png Iris Sofie2026-08-19 00:01:002026-08-14 08:15:05Buchvorstellung zum Welt-Foto-Tag (19.8.) – »Die Zeit des Lichts«
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