Buchvorstellung – »MindFlow Konzept«

Wenn du
ALLES LOSLÄSST
und an nichts mehr festhältst,
dann wirst du
ALLES BEKOMMEN.
Tom Mögele
Ein vollmundiges Versprechen, das der Autor Tom Mögele an den Anfang seines Buches gestellt hat. Es erinnerte mich an das Buch Bestellungen beim Universum von Bärbel Mohr; ich hielt es zunächst für eine männlich-sachliche Version davon.
Das Wort MindFlow im Titel hatte mein Interesse geweckt. Doch beim Lesen kam in mir die Frage auf: Wie kommt man denn nun in der Persönlichkeitsentwicklung wirklich voran? Mit positivem Denken, Visualisierung und Manifestieren (aktive Gestaltung) oder mit Akzeptanz dessen, was ist, Loslassen und Annahme dessen, was kommt (passiver Flow)? Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Denn Akzeptanz ohne Gestalten kann in Resignation enden, während umgekehrt Gestalten ohne Akzeptanz zum erschöpfenden Dauerstress werden kann. Insofern nahm ich den einleitenden ALLES-Spruch nur als eine provokante Verallgemeinerung wahr.
Warum ich das Buch gelesen habe
Da mich das Konzept hinter dem sogenannten Manifestieren sehr interessiert, habe ich zwischenzeitlich sogar einen Kurs dazu gemacht, der mir folgendes versprach: Create yourself new – die mentale Manifestationsformel, in nur 12 Tagen vom Wünschen ins Erschaffen. Ehrlich gesagt, bei mir hat das nicht funktioniert, und es gibt sicher viele andere Menschen, die vom Manifestieren enttäuscht sind, weil positives Denken verbunden mit gezieltem Aktionismus nichts verändert hat.
Doch habe ich durch diesen Audiokurs den Hintergrund verstanden, also auf was für psychologischen Grundlagen das Manifestieren beruht, nämlich auf dem Wirkmechanismus der »selbsterfüllenden Prophezeiung« (Einfluss positiver bzw. negativer Erwartungen) und dem Wirkmechanismus des RAS (Retikuläres Aktivierungssystem), ein netzartiges Neuronen-Netzwerk im Hirnstamm, das eingehende Informationen nach Relevanz bzw. nach unserem Fokus vorfiltert. Zudem wirken natürlich auch unsere inneren Überzeugungen (Glaubenssätze) als Filter und Verstärker für alle Erfahrungen, die wir machen. Das heißt: Man kann durch Mental- bzw. Mindset-Training die eigene Realität insofern beeinflussen, indem Gedanken, Gefühle und Handlungen bewusst und konsequent auf ein gewünschtes Ziel ausgerichtet werden. Die dadurch gebündelten Energien lösen eine entsprechende Resonanz aus.
Mein Schreibziel war, irgendwann vom Verkauf meiner Rüssel-hoch-Bücher leben zu können. Das habe ich in den fast 10 Jahren, in denen ich nun schon freie Schriftstellerin bin, nicht erreicht; auch mit meinem besten Rüssel hoch!-Mindset und all der positiven Energie, die ich in jedes meiner Bücher gesteckt habe, bin ich nicht über ein Taschengeld hinausgekommen. Jedoch habe ich etwas ganz anderes erreicht: Ich habe mich zu einer Glücksautorin entwickelt. Nicht nur, dass ich mir selbst durch den Recherche- und Schreibprozess viele glückliche Stunden geschenkt habe, es erfüllt mich auch mit tiefer Freude, dass ich so vielen Menschen kleine Glücksimpulse mit auf den Weg geben konnte.
Nun bin ich seit Anfang des Jahres Rentnerin und habe beschlossen, den Wunschgedanken loszulassen, einen wundervollen Geldsegen als Folge eines von mir geschriebenen Bestsellers zu erhalten. Ja, Akzeptanz ist eine Entscheidung, kein Gefühl. Künftig betrachte ich das Schreiben nur noch als eines meiner glückspendenden Hobbys, neben Tanzen, Lesen und Naturfotografie.
Fahre ich damit künftig das MindFlow Konzept – nichts muss, alles darf sein bzw. kann in mein Leben kommen?
Konzept des MindFlows
Ein spiritueller Ratgeber, mit dem Sie Loslassen lernen, Ihr Mindset ändern und innere Blockaden lösen – so wird das kleine weiße Buch Das MindFlow Konzept: Wie Sie durch Nicht-Wollen und Nicht-Tun alles erreichen, Momanda, Rosenheim 2017, beworben. Tom Mögele lädt uns im Vorwort ein, unsere Blockaden aufzulösen und die Energien freizusetzen, die darin eingeschlossen sind, um so unser Energielevel zu erhöhen. Denn, so der Autor, alles richte sich nach demjenigen aus, der die höchste Energie hat. Je mehr Energie jemand habe, desto leichter und schneller offenbarten sich neue Möglichkeiten, Chancen und neue Lösungen wie von selbst – durch NICHT-TUN (sollte man nicht verwechseln mit »nichts tun«).
Nun, wer wünscht sich das nicht? Und im Grunde läuft die Kernaussage des Buchs darauf hinaus, entspannter und gelassener durchs Leben zu gehen, nicht mehr gegen die Realität zu kämpfen, sich mehr Flow-Momente zu gönnen und einfach die Gelegenheiten zu pflücken, die reif sind, die sich einem im Zustand des weitgehend von Blockaden befreiten MindFlows bieten. Also nicht mehr Ich will, sondern Ich sehe … und ich nehme an. So weit, so gut; doch die Ausführungen von Tom Mögele zum Konzept des MindFlows haben mich nicht überzeugt, auch wenn sie interessant waren:
Die ersten 50 Seiten beschäftigen sich mit energetischem Grundwissen und vereinfachter Quantenphysik. Im Kosmos und auch im menschlichen Körper gäbe es nahezu eine Milliarde Mal mehr Biophotonen als Materieteilchen, sodass man sagen könne, der Kosmos bestehe hauptsächlich aus Lichtenergie. Die Biophysik stelle einen direkten Zusammenhang zwischen unsere Vitalität, unsere Lebensqualität und unserem Bewusstsein und der Menge und Qualität der Lichtquanten (kleine Energiepakete bzw. Photonen) in unserem Energiefeld her. Auf Zellebene fände eine ständiger Informationsaustausch über Photonen statt, der regulierend in alle unsere Lebensprozesse eingreife. Es gäbe im Körper somit eine höhere Ebene als das, was auf rein biochemischer Ebene ablaufe. Unsere Lebensenergie fließe in feinstofflichen Energiekanälen. Sie seien feiner als Nervenbahnen und eng mit dem Nervensystem verbunden. Durch Blockaden verdichte sich der Energiefluss, was sich in allen möglichen Symptomen und Beschwerden zeige. Mit MindFlow könne der freie und natürliche Energiefluss im Körper wiederhergestellt werden.
MindFlow-Coach Tom Mögele nimmt uns mit auf eine Reise durch 12 Dimensionen. Dabei entspricht der physikalische Raum D1 bis D3 unserer grobstofflichen Welt mit den Dimensionen Länge, Breite und Höhe. D4, die vierte Dimension, ist die Zeit bzw. die Raumzeit Einsteins. D5 und D6 sind feinstoffliche Strukturräume, sogenannte energetische Steuerungsdimensionen (Astral- und Mentalebene), die organisierend in den Materiebereich eingreifen. D7 und D8 beschreibt der Autor als informatorische Dimensionen mit individuellen und kollektiven Informationsmustern. Die Dimensionen D9 bis D12 (spirituelle Ebenen) stellen die geistige Ebene des sogenannten G4-Bewusstseins dar.
G4-Bewusstsein
Im erhöhten Bewusstseinszustand (G4-Bewusstsein) seien alle Möglichkeiten vorhanden. Doch die Bereitschaft, daraus etwas anzunehmen, sei häufig durch ein scheinbares Wollen und Tun verschüttet. Das MindFlow-Konzept sieht vor, sich in diesen G4-Raum zu begeben, um Blockaden nicht nur abzubauen, sondern sie in Energie umzuwandeln, die sowohl uns selbst zugute kommt als auch Menschen, mit denen wir in Interaktion stehen – durch absichtsloses NICHT-TUN bzw. NICHT-WOLLEN, also ohne zielgerichtetes Handeln.
Sobald wir energetisch sehr hoch schwingen, wirken diese hohe Schwingungen wie ein Magnet und gehen mit anderen hohen Schwingungen in Resonanz, füllen uns also wieder mit G4-Energie auf. Eines der Beispiele: Wenn wir sagen Der Kopfschmerz muss sofort weg schlägt der Schmerz noch stärker ein, weil wir ihn als Bedrohung auffassen, dadurch die Blockade vergrößern. Wenn wir dagegen nicht gestresst, sondern gelassen reagieren, diesen Schmerz akzeptieren, kann unser Körper in die Heilung gehen.
Alles, was wir erleben, alle Emotionen in Verbindung mit Problemen, Sorgen und körperlichen Schmerzen sind Blockaden und werden in Energiespeichern abgelegt, die wir unbewusst über Jahre aufbauen. Werden wir von etwas getriggert, sei das damit vergleichbar, dass in so einem unbewussten Energiespeicher das Licht anginge; die Blockade würde sichtbar und könne jetzt bearbeitet werden. Nachdem sich eine Blockade gelöst habe, könne Energie aus dem G4 einfließen.
Tom Mögele schreibt, ein »normaler Mensch« habe zwischen 50 und 60 Prozent Lebensenergie. Wer weniger als 50 Prozent habe, gerate in den Bereich von Krankheit. Mit 50 Prozent habe man auf der anderen Seite aber auch 50 Prozent Blockaden. Eine Reduktion auf 20 Prozent Blockaden bedeute, wieder 80 Prozent Lebensenergie zur Verfügung zu haben. In einer etwas langatmigen Erklärung mit Schaubildern stellt der Autor dar, wie durch energetische Interaktionen, die nicht aktiv ausgelöst werden, die Energien zwischen Menschen in den verschiedenen Dimensionen fließen können.
»Die Spatzen auf der Leine« als Metapher für die Blockaden unseres Nervensystems, das mit Gitarrensaiten verglichen wird, gefielen mir dann schon besser. Sobald wir ins höhere G4-Bewusstsein gehen, streife unser Geist über diese Gitarrensaiten, also über unser Nervensystem. Bei jedem Streichen würden ein oder zwei Spatzen herunterfallen, so der Autor. Allerdings falle nicht unbedingt der Spatz herunter, den man gern fallen sehen würde, denn indem man ihn unbedingt loswerden wolle, nähre man ihn wiederum mit viel Energie und behalte ihn.
Ein Fallbeispiel. Andrea aus Straubing erklärt ihr persönliches MindFlow so:
»Ich habe alles losgelassen, von dem ich bis dahin geglaubt habe, es sei richtig und gut […] Ich habe gelernt, einfach aus dem Sein heraus zu leben. Das ist wie eine Befreiung. Es kommt alles auf dich zu, es wird alles geschenkt. Du stehst in der Frühe auf, und der Tag ist für dich bereitet. Es ist das Gefühl der absoluten Freiheit. Ich lache, ich tanze, ich nehme mir Zeit für Dinge, bei denen ich früher gedacht habe, das dürfe ich nicht. G4 bedeutet für mich, nichts zu tun. Es fließt. Es fließt frei. Ich brauche mich dazu auch gar nicht mehr anzustrengen. Es gibt keine Mühe mehr, es ist einfach, die Einfachheit, da zu sein. Ich kann die Menschen ganz anders genießen, auch die Familie, auch meinen Partner.«
FAZIT
Dieses Buch deutet nur an, in welche Richtung wir uns weiterentwickeln können; den Weg dorthin muss letztendlich jeder selbst finden. Doch die im Buch ausführlich beschriebenen Asanas (körperliche Übungen) könnten als Wegbereiter und Energiespender dienen, wenn man sie denn täglich macht.
Die Kernaussage des Autors ist: Wenn wir ständig im Zustand des Ärgerns oder des Wollens sind, müssen wir ständig viel der eigenen Lebensenergie aufwenden, um unsere Wünsche zu erreichen und auf dem Weg dorthin Hindernisse zu überwinden. Sobald wir uns auf etwas fixieren, limitieren wir uns und verlieren Energie, weil wir auf ein exakt festgelegtes Ziel hinarbeiten. Lassen wir dagegen unser Wunschbild frei fließen und stellen es völlig annahmebereit, offen und entspannt in den Strom der Energien, die uns umfließen, wird das, was wir bereit sind, anzunehmen, zu uns finden.
Flow ist wunderbar, beispielsweise liebe ich es, im Schreibflow zu sein und mich überraschen zu lassen, wohin sich mein Buch entwickelt. Dennoch kann mein geistiger Flow nicht bedeuten, nur rein passiv zu bleiben, sonst würde mein Buch ja nie fertig. Es geht nicht um Akzeptieren ODER Erschaffen, sondern um Akzeptieren UND Erschaffen. Wir brauchen beides, denn nur so können wir in unserer Persönlichkeitsentwicklung Schritt für Schritt einen akzeptierten, aber nicht gewollten Status Quo verändern – das ist meiner Ansicht nach wahre Persönlichkeitsentwicklung.
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