Elefantöses – Was ist aus unserem Adoptivkind Mwinzi geworden?

Der David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT) mit Sitz in Nairobi (Kenia), der 1977 von Daphne Sheldrick zum Gedenken an ihren Ehemann David Sheldrick gegründet wurde, kümmert sich vor allem um verwaiste Tiere und ist laut Spiegel Online »die weltweit erfolgreichste Rettungs- und Auswilderungsstation für Elefantenwaisen«. Bis heute wurden über 327 verwaiste Elefanten erfolgreich aufgezogen. Jedes gerettete Waisenkind wird schließlich wieder in die Wildnis entlassen – ein Prozess, der bis zu einem Jahrzehnt dauern kann. Jedes gerettete Elefantenleben ist ein weiterer Schritt zur Sicherung der Zukunft ihrer Art in freier Wildbahn.
Der 20. April 2026 war ein Meilenstein für den verwaisten Elefantenbullen Mwinzi, den wir 2023 adoptiert haben. Nach vielen Monaten des Trainings haben Mwinzi und seine Freunde Toto und Natibu den nächsten Schritt auf ihrem Weg zurück in die Wildnis gemacht und sind in die Ithumba Reintegration Unit (Ithumba-Wiederansiedlungseinheit) gewechselt. Die Auswilderung ist ein schrittweiser Prozess, der sich immer im vom Waisenkind selbst gewählten Tempo vollzieht.
Die Ithumba Reintegration Unit befindet sich im Norden des Tsavo-Ost-Nationalparks in Kenia. Dort werden verwaiste Elefanten langsam an ein Leben in völliger Freiheit gewöhnt, wobei sie oft in ihre natürlichen Herden integriert werden. Die Station wurde im Jahr 2004 gegründet und dient als Durchgangsstation für verwaiste Elefanten, die das Waisenhaus in Nairobi verlassen haben. In dieser unberührten Wildnis lernen die Jungtiere, sich selbst zu versorgen, während sie gleichzeitig Kontakt zu wilden Elefantenherden aufbauen können. Viele ehemalige Elefantenkühe kehren später mit ihren in freier Wildbahn geborenen eigenen Kälbern zur Station zurück, um sie den Pflegern zu präsentieren, die sie großgezogen haben. Bis heute sind mehr als 94 Elefantenbabys bekannt, die von geretteten Waisen geboren wurden. Es wird noch viele weitere geben, darunter auch solche, deren Väter männliche Waisenkinder sind, die wieder in freier Wildbahn leben.

in die Ithumba Reintegration Unit (im Norden des Tsavo-Ost-Nationalparks) umgesiedelt, der rote Punkt zeigt die Stelle, wo Mwinzi gerettet wurde, Kenia | © Sheldrick Wildlife Trust
Mwinzis Freund Toto hat eine fast unglaubliche Rettungsgeschichte. Er wurde am 1. April 2022 von Elefantenkühen, ehemaligen Waisenkindern, nach Ithumba gebracht. Keines der Weibchen war alt genug, um schwanger zu sein oder fähig, ihn zu stillen, und sicherlich war keine von ihnen die Mutter des Babys. Höchstwahrscheinlich waren sie auf Toto gestoßen und hatten ihn, da sie wussten, dass er ein Waisenkind war, das Hilfe brauchte, in die sicheren Hände gebracht, die ihnen selbst einst geholfen hatten.

Als Adoptiveltern freuen wir uns sehr, wie gut sich Mwinzi entwickelt hat, seit er fast ein Opfer der Dürre geworden war. Am 19. September 2022 wurde er unterhalb des Kilimanscharos gerettet. Der etwa fünf Monate alte Elefantenbulle lag ausgemergelt und regungslos unter der sengenden Sonne, ohne dass ein anderer Elefant in Sicht war. Die Ersthelfer Roan und Taru Carr-Hartley legten dem Elefantenbaby schnell eine Infusion an und brachten es in den Schatten eines riesigen Akazienbaums. Dann eilten sie zu einem anderen sterbenden Elefanten. Als sie zurückkehrten, waren sie fassungslos, als das Elefantenbaby, das sie mit Pfleger Justus zurückgelassen hatten, schon wieder auf den Beinen stand.
In seiner Adoptionsbeschreibung hieß es: »Mwinzi ist unser Wunder in der Dürre. Geboren im Schatten des höchsten Berges Afrikas, des Kilimandscharo, ist er selbst ein Gigant – eine wahrhaft überlebensgroße Persönlichkeit in einem winzigen Körper.«

Natibu, der dritte Elefantenbulle im Bunde, wurde am 13. März 2023 gefangen in einem Schacht entlang der Mzima-Springs-Wasserleitung entdeckt. Er brauchte lange, um sich von den psychischen Folgen der Zeit im Schacht zu erholen, als sein Körper unvorstellbar beengend zusammengedrückt gewesen war.

Toto und Mwinzi sind mittlerweile vier Jahre alt, Natibu ist dreieinhalb. Die Kaluku Neonate Nursery (Kaluku-Pflegestation für Neugeborene), im Herzen einer 5.000 Hektar großen Pufferzone, die an den Tsavo-Ost-Nationalpark grenzt und von den Flüssen Athi und Mtito begrenzt wird, war zwar der perfekte Ort, um ihre Kindheit zu verbringen, doch das Trio hatte nun ein Alter erreicht, in dem es sich nach weiteren Horizonten sehnte – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne: mehr Anregungen, die Gesellschaft älterer Elefanten und eine größere, wildere Umgebung, in der sie beginnen konnten, ihre Unabhängigkeit zu entdecken. Die Pfleger Joseph, Sammy und Lekoli, die eine wichtige Rolle bei ihrer Aufzucht spielten, berichten von dem nächsten Schritt ihres Auswilderungsprozesses:
»Es war für uns alle ein emotionaler Moment – die Jungs waren mehr als bereit für diesen nächsten Schritt, aber das ganze Kaluku-Team hatte so viel in sie investiert und das Trio war uns so ans Herz gewachsen. Die Vorbereitungen für den großen Tag hatten schon vor einigen Monaten begonnen, als wir damit anfingen, den Bullen ihre Milchmahlzeiten im Umzugswagen zu geben, mit dem sie zu ihrer neuen Heimat fahren würden.
Als der große Tag kam, hatten sie sich vollständig daran gewöhnt und stiegen ruhig in den Lkw. Wir fuhren ebenfalls mit nach Ithumba, um ihnen bei der Eingewöhnung zu helfen, während der Alltag vom Rest des Teams in Kaluku wie gewohnt weiterlief. Nach einer ereignisreichen Fahrt, bei der sich Mwinzis Tür auf den holprigen Straßen von selbst öffnete, erreichten der Lkw und seine kostbare Fracht ihr Ziel. Mwinzi und Natibu stiegen sofort aus dem Lkw und stürzten sich auf ihre Milchflaschen, während Toto noch etwas überfordert war und auf seine Pfleger zurannte, gefolgt von Natibu und Mwinzi. Die Waisenkinder aus Ithumba hielten das für ein Spiel und fingen an zu trompeten, während sie den Neuankömmlingen hinterherliefen.«



Es war ein Wiedersehen unter alten Freunden, denn auch Mayan wie auch Kindani auf dem nächsten Foto sind in Kaluku aufgewachsen. Sie erkannten sich sofort wieder. Nach und nach kamen auch die anderen Elefanten der Ithumba-Herde, um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Gemeinsam wurden sie zu einer nahegelegenen Wasserstelle geführt.

Ithumba Reintegration Unit, Kenia | © Sheldrick Wildlife Trust


In den letzten Monaten hatte es so viel geregnet, dass es nun reichlich Gras, Wildblumen und Kletterpflanzen gab. Das war für die Neuankömmlinge unwiderstehlich, sodass vor allem Schlemmen den Tag bestimmte.


Am Abend wurde das Trio zum Gehege 2 gebracht und ihnen wurde fürsorglich gezeigt, wo sie die Nacht verbringen würden, umgeben von ihrer neuen Herde (Gehege 1 und 3).

Die drei Elefantenbullen haben sich in ihrem eigenen Tempo an ihr neues Zuhause gewöhnt. Mit seiner typisch ruhigen, selbstbewussten Art ließ sich Mwinzi von keinem neuen Elefanten und keiner neuen Erfahrung aus der Ruhe bringen. Natibu, der das Leben als Wettbewerb betrachtet, war begierig darauf, alle und alles unter die Lupe zu nehmen. Toto, der schon immer ein kleiner Klammerer war, hielt sich anfangs dicht bei seinen Kaluku-Pflegern, wurde jedoch mit jedem Tag neugieriger und selbstbewusster.
Benjamin, der leitende Tierpfleger von Ithumba, erzählte über ihre erste Woche Folgendes:
»Die drei Jungs gewöhnen sich langsam an das Leben in Ithumba. Abends, wenn die Waisenkinder zu den Gehegen zurückkehren, rennt Toto immer voraus, damit er als Erster seine Milch bekommt.«
Kaluku-Pfleger Joseph, der sich noch immer in Ithumba aufhält, fügte hinzu:
»Das Trio lebt sich gut in Ithumba ein. Toto gewinnt zunehmend an Selbstvertrauen. Natibu ist nicht nervös und geht oft auf die größeren Elefanten zu. Mwinzi scheint von dem Wechsel weitgehend unbeeindruckt zu sein [unsere coole Socke ;-)] und zu verstehen, dass er hier am richtigen Ort ist.«
Jeder der drei Elefanten wurde gerettet, obwohl die Chancen gegen ihn standen:
Toto, ein zerbrechliches Neugeborenes; Mwinzi, ein winziges, ausgemergeltes Opfer der Dürre; und Natibu, der psychisch traumatisiert war. Doch vergessen wir nicht: Es bedurfte eines unermüdlichen Einsatzes der Keeper (Pfleger) rund um die Uhr, um sie dahin zu bringen, wo sie heute sind.
Nun werden die drei jungen Elefantenbullen in Ithumba ihre sprichwörtlichen Flügel in derselben liebevollen und unterstützenden Umgebung ausbreiten, die sie bis hierher gebracht hat.
Ihr Übergang in die Wildnis wird schrittweise erfolgen und noch viele Jahre dauern, bis er sich in ihrem eigenen Tempo vollzieht. Und selbst wenn sie einmal große Bullen sind, die in der Wildnis des nördlichen Tsavo dominieren, werden sie in Ithumba immer eine Familie haben, zu der sie zurückkehren können.
Das ist großartig! Es erfüllt unsere Herzen mit großer Wärme, Dankbarkeit und Freude! Es ist wunderbar, dass Mwinzi nun flügge wird und wir als Adoptiveltern einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten.
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