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Iris Sofie

Fotoausflug – PRAG / 6

10.05.2026/0 Kommentare/in Fotos /von Iris Sofie

Die Goldene Stadt an der Moldau

Triga des Prager Nationaltheaters
Triga (Dreigespann) auf dem Dach des Prager Nationaltheaters | © Iris Sofie Bayer
(Siegesgöttin Victoria lenkt einen von drei Pferden gezogenen Streitwagen.
Ihre Flügel symbolisieren ihre Fähigkeit, den Sieg herbeizuführen.)

Auf der Heimreise würden wir nochmals direkt durch Prag fahren – da bot sich ein kleiner Fotospaziergang durch die Hauptstadt der Tschechischen Republik, auch Goldene Stadt genannt, geradezu an. Ich freue mich sehr, als Oliver mir nach fünf unvergesslichen Tagen in Wien und der Tanznacht zuvor auch diesen Extrawunsch erfüllt. So oft ist uns schon erzählt worden, dass Prag zu den schönsten Städten Europas gehöre. Nun werden wir es mit eigenen Augen sehen. Wir parken in der Tiefgarage Rudolfinum, die Kartenzahlung akzeptiert, den wir haben keine tschechischen Münzen.

Vor allem der lange Uferweg an der Moldau entlang ist wunderschön. Ich habe dabei die ganze Zeit Bedřich Smetanas berühmtes Werk von der Moldau im Ohr, das 1874 entstand, als er bereits vollständig ertaubt war. Als seine Komposition Die Moldau (tschechisch Vltava) am 4. April 1875 zum ersten Mal in einem vom Orchester der Tschechischen Oper zu Ehren Smetanas veranstalteten Konzert unter der Leitung des berühmten Dirigenten Adolf Čech erklang, war die Uraufführung ein außergewöhnlicher Erfolg:

»Unserer ›silberhellen‹ Vltava konnte keine begeistertere Feier zuteil werden, als durch Smetanas symphonische Dichtung. […] Man braucht sich nicht zu wundern, dass diese Komposition mit ihrem duftigen, blumigen Kolorit und ihrem hinreißenden Strom das Publikum in höchstem Maße entzückt hat. Die Hervorrufe des Komponisten wollten fast kein Ende nehmen.« (Milan Pospíšil: Vorwort (Studienpartitur). Ernst Eulenburg & Co. GmbH, Mainz 1999)

Übrigens – das fällt mir mit dem Zweitnamen Sophie natürlich sofort auf – dieses Konzert fand im Prager Sophiensaal im Sophienpalast statt, der nach Erzherzogin Sophie, der Mutter von Kaiser Franz Joseph I., Gatte von Kaiserin Elisabeth (Sisi), benannt wurde. Na, so was, da treffen wir in Prag auf alte historische Bekannte aus Österreich! Bis 1848 gab es sogar eine Sophieninsel – und ich bin unwissentlich einfach daran vorbeigelaufen! Doch intuitiv hat es mich innerlich dazu gedrängt, genau dort ein Foto zu machen, obwohl mein Herzallerliebster Oliver schon »meilenweit« vorausgelaufen war.

Die Moldau wird in ihrem Lauf durch Prag von insgesamt 15 Brücken überspannt. Ein paar davon seht ihr jetzt auf unserer Fotostrecke …

Čech-Brücke über die Moldau und Tiki-Boot, Prag
Čech-Brücke im Jugendstil über die Moldau und typisches Tiki-Boot, Prag | © Iris Sofie Bayer
Die kürzeste Brücke ist nach dem tschechischen Schriftsteller und Nationaldichter Svatopluk Čech (1848–1908) benannt.
Prager Burg und historische Straßenbahn auf der Mánes-Brücke in Prag
Historische Straßenbahn der Linie 42 auf der Mánes-Brücke mit Prager Burgkomplex im Hintergrund | © Oliver Bayer
Die Brücke ist nach dem berühmten tschechischen Maler, Illustrator und Grafiker Josef Mánes (1820–1871) benannt.
Mánes-Brücke, Prag
Italienisches Restaurant Marina Ristorante vor Mánes-Brücke auf einem festgemachten Schiff, Prag | © Iris Sofie Bayer
Karlsbrücke, Prag
Karlsbrücke mit Mini-Eiffelturm im Hintergrund, Prag | © Iris Sofie Bayer
Die Brücke ist nach Kaiser Karl IV., böhmischer König und Römisch-deutscher Kaiser (1316-1378) benannt.
Straßenkunstverkauf an der Moldau, Prag
Aussichtsturm Petřín als Mini-Eiffelturm von Prag
Links: Straßenkunstverkauf entlang der Moldau | © Oliver Bayer
Rechts: Aussichtsturm Petřín, ein verkleinerter Nachbau des Pariser Eiffelturms | © Iris Sofie Bayer
Zugang zur Karlsbrücke, Prag
Kranners Brunnen als Denkmal für den österreichischen Kaiser Franz I., Prag
Links: Altstädter Brückenturm, ein historischer Zugang zur Karlsbrücke / Rechts: Kranners Brunnen am Smetana-Kai südlich der Karlsbrücke als Denkmal für den österreichischen Kaiser Franz I., Prager Altstadt | © Oliver Bayer
Karlsbrücke und Prager Burg
Karlsbrücke mit Prager Burgkomplex im Hintergrund | © Iris Sofie Bayer
Karlsbrücke, Prag
Karlsbrücke, eine der ältesten Steinbrücken Europas, Prag | © Oliver Bayer
(Die Holzkonstruktion dient als Eisbrecher, um die Brückenpfeiler im Winter vor treibendem Eis zu schützen.)
Karlsbrücke, Prag
Karlsbrücke – Wahrzeichen der Stadt Prag (mit Prager Burg im Hintergrund) | © Iris Sofie Bayer
Liechtenstein-Palast auf Kampa-Insel, Prag
Palais Liechtenstein auf der Prager Insel Kampa (nahe der Karlsbrücke) | © Iris Sofie Bayer
(Das prunkvolle Palais im Klassizismus-Farbton Pastellgelb dient heutzutage als Residenz für hochrangige Staatsgäste.)
Brücke der Legionen, Prag
Brücke der Legionen mit Mauthäuschen und gusseisernen Laternenmasten, Prag | © Oliver Bayer
Masaryk-Uferstraße an der Moldau und Insel Žofín, Prag
Masaryk-Uferstraße an der Moldau und malerisch grüne Sophieninsel (heute: Slawische Insel), Prag | © Iris Sofie Bayer

Über die kleine Žofín-Brücke gelangt man auf die Insel Žofín (tschechisch für Sophie, benannt nach Erzherzogin Sophie von Österreich), wo sich das Sophienpalais (Palác Žofín) befindet, in dessen Sophiensaal die Komposition Smetanas von der Moldau uraufgeführt wurde; noch heute finden dort regelmäßig Konzerte, Bälle und Ausstellungen statt.

Unser fotografischer Höhepunkt in Prag

Tanzendes Haus und Oldtimer-Cabriolet, Prag
Das berühmte Tanzende Haus (Ginger & Fred) flankiert von
einem typischen Prager Oldtimer-Cariolet aus den 1920ern | © Iris Sofie Bayer
Tanzendes Haus, Prag
Jugendstil-Relief einer mondänen Dame der Goldenen Zwanziger am Café Per Lei, Prag
Links: eng schmiegen sich die Tanzpartner aneinander / Rechts: Jugendstil-Relief einer Varieté-Tänzerin
bzw. mondänen Dame der Goldenen Zwanziger am Café Per Lei in der Karlova-Straße | © Oliver Bayer
Kunstinstallation Butterfly Effect von David Černý, Prag
Kunstinstallation von David Černý namens Butterfly Effect (Schmetterlingseffekt)
an der Fassade des Kaufhauses Máj (effektvoll lassen sich die Flügel mechanisch bewegen) | © Oliver Bayer
Kunstwerk Hängender Sigmund Freud von David Černý, Prag
Kunstwerk Hängender Sigmund Freud, Prag
Oje, wer hängt denn da in schwindelerregender Höhe über den Straßen von Prag? | © Oliver und Iris Sofie Bayer

Bei Touristen sorgt es immer wieder für Schreckmomente mit der Befürchtung, es handele sich um jemand in einer lebensbedrohlichen Notlage. Beispielsweise löste sie 2007 in Grand Rapids (Michigan) einen Feuerwehralarm aus, weil aufgeschreckte Passanten sie für einen Selbstmordversuch hielten. Eine ähnliche Verwechslung gab es 2009, als sie in Seoul ausgestellt wurde. Das liegt an der lebensgroßen Darstellung der Kunstinstallation des tschechischen Künstlers David Černý aus dem Jahr 1996 mit dem Namen Man Hanging Out (tschechisch Viselec).

Doch wer hängt denn da?

Noch ein alter Bekannter aus Österreich. Die berühmte Bronzeskulptur stellt Sigmund Freud dar, der über 50 Jahre lang als Arzt und Psychoanalytiker in Wien praktizierte. Dass er sich mit noch einer Hand an einer Stange festklammert, wird als schmaler Grat zwischen Leben und Tod interpretiert. Sein Gesicht zeigt Angst. Er ist nicht so entspannt, wie es die andere Hand in der Hosentasche vielleicht suggeriert.

Ein Symbol für den inneren Kampf zwischen Leben und Aufgeben? Für existenzielle Ängste, innere Zerrissenheit oder die Urangst vor dem Sterben? Mich als frischgebackene Rentnerin, die ihren Lebensabend genießt, regt die Skulptur auf jeden Fall zum Nachdenken über die eigenen Ängste bzw. Sterblichkeit an.

Von seinem Arzt Max Schur wissen wir, dass Sigmund Freud privat stark mit dem eigenen Sterben und der Angst davor kämpfte. »Die Todesangst«, schrieb Freud selbst, »gibt der Psychoanalyse ein schweres Problem auf, denn Tod ist ein abstrakter Begriff von negativem Inhalt, für den eine unbewusste Entsprechung nicht zu finden ist.«

Kunstwerk Hängender Sigmund Freud, Prag
Kunstinstallation von David Černý namens Man Hanging Out, Husovastraße, Prager Altstadt | © Oliver Bayer

Da hängt er nun – als sensationelle Kunstinstallation – über den Dächern von Prag.
Ich bin zu Hause der Frage nachgegangen, warum Freud und andere berühmte Persönlichkeiten oft mit der Hand in der Tasche oder im Jackenrevers dargestellt werden. Ein bekanntes Beispiel ist Napoleon, der es tat, um in der Öffentlichkeit Seriosität und Autorität auszustrahlen. So lässt sich auch verstehen, warum als Hintergrund von David Černý angegeben wird, dass die Freud-Skulptur die Rolle des Intellektuellen am Ende des 20. Jahrhundert thematisiert bzw. den Übergang ins teilweise ängstlich erwartete neue Jahrtausend.

Die Pose Hand-in-Tasche bzw. Hand-in-Weste, die als Zeichen von Männlichkeit, vornehmer Zurückhaltung, Bildung und emotionaler Selbstkontrolle galt, hatte auch einen praktischen Hintergrund. In der Anfangszeit der Fotografie waren sehr lange Belichtungszeiten notwendig. Da die Technik extrem empfindlich auf Bewegungen reagierte, wurden Porträtierte angewiesen, ihre Hände ruhig zu halten. Das Verstecken einer Hand in der Tasche oder im Jackenstoff war eine ideale Methode, um den Körper zu stabilisieren und ein Verwackeln zu verhindern. Das kann ich gut nachvollziehen, da meine Lieblingsmotive (Tiere) beim Fotografieren leider auch selten stillhalten, nicht einmal die großen, schweren Elefanten.

Apropos, in der Gasse Havelská 9, nur 300 Meter vom Hängenden Freud entfernt, gibt es ein tschechisches Restaurant namens U Zlatého slona (Zum Goldenen Elefanten) mit vielen Elefantendekorationen bei klassisch-böhmischer Küche. Das erinnert mich daran, dass die Ankunft des ersten Elefanten in Wien dazu führte, dass nicht nur das Wiener Elefantenhaus, sondern auch bei anderen Wiener Häusern, die nichts mit dem berühmten ersten Elefanten zu tun hatten, Hinweisschilder mit dem Wort Elefant auftauchten wie beispielsweise »Zum Goldenen Elefanten« oder »Zum Schwarzen Elefanten«. So schließt sich in der Goldenen Stadt an der Moldau der Kreis unserer unvergesslichen Wienreise.

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Schlagworte: Fotoausflug
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