Fotoausflug – WIEN in fünf Tagen / 2c Tiergarten Schönbrunn
Schlossareal Schönbrunn
a) Schlosspark – b) Kaiserliche Wagenburg – c) Tiergarten

1552
Zum ersten Mal kann in Wien ein Elefant bestaunt werden. Er wird in der im selben Jahr fertig gestellten Menagerie von Schloss Ebersdorf bei Wien untergebracht.
1642
Der Name Schönbrunn ist erstmals urkundlich nachweisbar.
1716
Prinz Eugen von Savoyen gründet eine Menagerie im Park von Schloss Belvedere, die nach seinem Tod zusammen mit dem übrigen Besitz vom Kaiserhaus gekauft wird.
1752
Am 31. Juli ist erstmals ein Besuch von Kaiser Franz I. Stephan mit Gästen in der schon fast fertig gestellten Menagerie im Schlosspark von Schönbrunn belegt. Dieser Tag gilt deshalb als »Geburtstag« des Tiergartens Schönbrunn. Der Eingang Neptuntor liegt im Schlosspark auf der Höhe des Neptunbrunnens.
Das schmiedeneiserne Neptuntor auf dem Titelfoto mit dem markanten goldenen Schriftzug TIERGARTEN und dem goldenen Monogramm von Kaiser Franz I. Stephan und Kaiserin Maria Theresia unter einer Krone weist darauf hin, dass der Tiergarten Schönbrunn 1752 vom Kaiserpaar als kaiserliche Menagerie gegründet wurde. 1759 wird als letzter Bauteil der Menagerie zentral der Kaiserpavillon fertiggestellt. Er dient dem Kaiserpaar und seinen Gästen als Frühstücks- und Gesellschaftsraum.
Der Tiergarten Schönbrunn gilt als der älteste noch bestehende Zoo der Welt und wurde mehrfach als bester Zoo Europas ausgezeichnet. Klar, dass wir ihn sehen wollten, zumal es dort erst vor Kurzem Elefantennachwuchs gab:

Ich hatte noch einen weiteren besonderen Grund, die historische Menagerie von Schloss Schönbrunn zu besuchen, denn sie findet Erwähnung in meinem Roman Der Elefant des Sonnenkönigs, der eine vollständige Biografie über den historisch-berühmten Elefanten Ludwigs XIV. enthält:
»Mit dem neuen architektonischen Prinzip der Sammlung von kostspieligen exotischen Tieren an einem in die barocke Parklandschaft eingebetteten zentralen Schauort wurde die Menagerie von Versailles zum baulichen Vorbild vieler anderer höfischer Menagerien, die danach in Europa entstanden wie der Menagerie von Schloss Schönbrunn (Wien). […]
Ein Beispiel der Nachahmung ist die großartige Menagerie (1716) von Prinz Eugen von Savoyen in Wien (Schloss Belvedere) mit einer Nachbildung der fächerförmigen Gehege, in denen er 43 Säugetierarten und 67 Vogelarten sammelte.

im Versailler Stil Ludwig XIV., des Sonnenkönigs, angelegt, Wien | © Iris Sofie Bayer
Kaiser Franz I. hatte sowohl die Versailler als auch die eben erwähnte Savoyen-Menagerie im Sinn, als er seiner Ehefrau Maria Theresia den renovierten Tiergarten (1752) in Schönbrunn in Wien präsentierte. Es gab dort dreizehn Tiergehege, Springbrunnen, einen Teich und mehrere kunstvolle Pavillons, darunter einen, in dem sie frühstücken konnten, während sie
Kamele, Elefanten und Zebras beobachteten. Die Tiere hatte er durch Händler in Holland und England sowie durch eine
Expedition nach Amerika beschaffen können. Insgesamt waren es 600 bis 700 Vögel und andere Tiere.
Sein Nachfolger öffnete den Tiergarten Schönbrunn für die Öffentlichkeit. Dieser existiert – in modernisierter Form – bis heute und gilt als der älteste Zoo der Welt.«
Das Original, die Versailler Menagerie, ging während der Französischen Revolution (1789-1799) unter. Nur wenige Tiere überlebten und wurden 1793-1794 in die für die Bevölkerung zugängliche Ménagerie du Jardin des Plantes gebracht, die einzige Institution, die den Namen »Menagerie« noch heute trägt.

(Im Hintergrund sind das Kaiser- bzw. Frühstückspavillon und Elefanten zu sehen.)
1770
Der erste Schönbrunner Elefant zieht in die »Dickhäuterloge« (heutiges Pandagehege) ein.
1778
Die Menagerie wird zusammen mit Schloss und Park für »anständig gekleidete Personen« geöffnet, zunächst nur an Sonntagen.
1781
Mit Wölfen und Bären ziehen erstmals Raubtiere in den Tiergarten Schönbrunn ein.
1799
Vom italienischen Menagerie-Besitzer Antonio Alpi werden zahlreiche Großtiere angekauft, darunter die ersten Eisbären, Kängurus, Hyänen und Großkatzen. Die neuen Tiere sind »Publikumsmagneten« und locken Besucher aus Wien und seiner Umgebung, aber auch viele ausländische Gäste in die kaiserliche Menagerie.


1828
Die erste Giraffe – ein Geschenk des Vizekönigs von Ägypten an Österreich – erregt bei den Wienern großes Aufsehen. Das Tierhaus muss für die Unterbringung des »hohen Gastes« vergrößert und adaptiert werden.
Ihre Ankunft beeinflusst in Wien Mode, Kunsthandwerk und Gesellschaftsleben und führt zu einem nie dagewesenen Zustrom von Besuchern. Unter anderem entstehen Kleider, Handschuhe und Gebrauchsgegenstände mit Giraffenmotiven, Frisuren und ein Parfüm à la Giraffe. Auch eine Giraffentorte und die Giraffeln, ein Mürbgebäck, das noch bis weit ins 20. Jahrhundert im Sortiment der Wiener Bäcker zu finden ist, werden erfunden. Der Wiener Theaterdirektor und Schriftsteller Adolf Bäuerle schreibt das Theaterstück Die Giraffe in Wien oder alles à la Giraffe, und es werden zwei Musikstücke komponiert, deren Noten bis heute erhalten sind.

1848
Die Menagerie übersteht die Revolutionsereignisse, einschließlich der Beschießung Wiens durch die kaiserliche Artillerie, unbeschadet.
1870
Mit Neptun kommt der erste Afrikanische Elefant nach Schönbrunn.
1896
Vom britisch-indischen Militärdepartment werden die Elefanten Pepi und Mizzi angekauft, die 10 Jahre später für ersten Nachwuchs sorgen.
1906
Am 14. Juli erfolgt in Schönbrunn die weltweit erste Geburt eines in einem zoologischen Garten gezeugten Elefanten. Das erste Wiener Elefantenbaby, das Elefantenmädchen Mädi, war eine weltweite Sensation, die für reichlich Schlagzeilen sorgte. Die Eltern waren die Asiatischen Elefanten Pepi (Vater) und Mizzi (Mutter).
Im Wiener Neuigkeits-Welt-Blatt hieß es am 19. Juli 1906 unter der Überschrift Fern von der Heimat geboren: Ein freudiges Ereignis in der Schönbrunner Elefantenfamilie:
»Wie wir bereits ausführlich berichtet haben, hat der kaiserliche Tiergarten in Schönbrunn eine wertvolle und einzig dastehende Bereicherung erfahren, indem am Samstag morgens das indische Elefantenweib (Weibchen kann man da doch nicht gut sagen) »Mizzi« im 17. Lebensjahr nach der gewöhnlichen Tragzeit von 1 2/3 Jahren ein weibliches Junge produzierte. Das Elefantenkalb, das die ansehnliche Höhe von fast einem Meter und eine gleiche Länge aufweist, macht seine Kapriolen, wie nur irgendein kleines Kalb und obliegt eifrig dem Sauggeschäft. […] Das nun beginnende »Familienleben« wird gewiß ein interessantes Material für den Naturforscher und die Elefantenfreunde Wiens liefern.«

1914
Schönbrunn zählt mit nahezu 3.500 Tieren in 717 Arten zu den schönsten und größten Zoos der Welt.


1926
Die großen Greifvogel-Volieren am heutigen Affenteich (damals Ententeich), ein europaweit vorbildhaftes Bauwerk, werden unter Direktor Otto Antonius (1925-1945) fertiggestellt. Im September erfolgt anlässlich der erstmals in Wien stattfindenden Konferenz der Direktoren mitteleuropäischer zoologischer Gärten die offizielle Namensänderung von »Menagerie« auf »Tiergarten«. Im Volksmund und in der Presse wird allerdings – in Nostalgie schwelgend – noch lange von der »Menagerie Schönbrunn« gesprochen.
1928
In dem für die Elefanten bestimmten Teil der Freianlage wird ein Wasserbecken installiert.
1945
Der Tiergarten Schönbrunn wird von zahlreichen Fliegerbomben getroffen. Viele Tierhäuser werden zerstört oder schwer beschädigt. Mehr als tausend Tiere sterben. Von den drei zu dieser Zeit in Schönbrunn befindlichen Elefanten bleiben wie durch ein Wunder zwei am Leben, als das Elefantenhaus durch Bombentreffer zerstört wird. Nach Kriegsende helfen die sowjetischen und später die britischen Besatzungstruppen beim Wiederaufbau.
1954
Eröffnung der neuen Elefantenanlage. Im Außengehege ersetzt ein Distanzgraben die bisherigen Metallabsperrungen.
1961
Zur Beschäftigung der Elefanten werden Dressurprogramme erprobt, die einen hohen Unterhaltungswert für die Besucher haben.

1996
Der neue Elefantenpark, die zu dieser Zeit modernste Elefantenanlage Europas, wird seiner Bestimmung übergeben. Die 4.600 m² große Außenanlage ist nur durch einen flachen Graben vom Besucherbereich getrennt. Das ehemalige Elefantengehege wird in der Folge von Mandrills und Meerkatzen bewohnt.
Im Dezember wird die Gesamtanlage von Schönbrunn in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.


Elefantenhaus, Tiergarten Schönbrunn | © Oliver Bayer
2002
Am 30. und 31. Juli bittet der Tiergarten Schönbrunn alle Besucher zu einem großen Geburtstagsfest. Als Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten wird von Mai bis Oktober in Zusammenarbeit mit dem Wiener Naturhistorischen Museum die Sonderausstellung Menagerie des Kaisers – Zoo der Wiener. 250 Jahre Tiergarten Schönbrunn gezeigt.
2009
Am Hang des Glorietteberges wird der zweite Teil des Naturerlebniswegs Im Wald für die Besucher freigegeben.
2010
Der Tiergarten Schönbrunn wird zum zweiten Mal in Folge von Anthony Sheridan als bester Zoo Europas ausgezeichnet. Am Glorietteberg ziehen anstelle der bisherigen Timberwölfe Arktische Wölfe ein.



2011
Aus mehreren Dutzend vom österreichischen Zoll am Flughafen Wien-Schwechat beschlagnahmten geschmuggelten Papageien-Eiern können insgesamt 45 Tiere ausgebrütet und erfolgreich großgezogen werden.
2015
Ende März zieht ein neues Luchspärchen ein und sorgt bereits im Juni für Nachwuchs.

2017
Die Afrikanischen Elefanten genießen im Sommer ihr Badebecken.
2019
Bei den Afrikanischen Elefanten gibt es im Juli Nachwuchs und bei den Eisbären im November. Über Afrikanische Elefanten und Eisbären erscheinen auch zwei neue Kinderbücher aus der Reihe Der kleine Zoo-Entdecker. An der Kommunikation zwischen dem jungen Elefanten-Weibchen Kibali und ihrer Mutter Numbi wird im Rahmen eines Bioakustik-Projekts geforscht.
2020
Das Jahr bringt auch für den Tiergarten Schönbrunn unerwartete Herausforderungen. Zwei wegen Covid-19 angeordnete Schließzeiten von Mitte März bis Mitte Mai und ab Anfang November sorgen für die längsten Sperren seit den Bombentreffern auf die Anlage von Februar 1945.
2022
Gleich zu Jahresbeginn wird der Tiergarten Schönbrunn zum 6. Mal in Folge als bester Zoo Europas ausgezeichnet. Die Rückkehr einer weitgehenden Normalität im Alltagsleben erlaubt bald wieder den uneingeschränkten Zutritt in den Tiergarten. Auch der internationale Tourismus kommt langsam wieder in Schwung, und ab dem Sommer können wieder alle Besucher-Programme und die beliebten kommentierten Fütterungen angeboten werden. Erstmals können wieder mehr als zwei Millionen Besucher/innen begrüßt werden.
2023
Im Mai trifft ein neuer Zuchtbulle bei den Afrikanischen Elefanten ein.
2024
Das Kurzvideo Ich bin Tierpfleger erreicht auf Instagram einen Spitzenwert von mehr als einer Million Aufrufen.
2025
Nachts um 4:53 Uhr wird am 20. August ein junger Elefantenbulle ohne Komplikationen geboren. Er steht innerhalb von zehn Minuten auf den Beinen und trinkt blitzschnell das erste Mal bei seiner Mutter. Er bekommt den Namen der Hauptstadt von Mosambik: Maputo.
2026
Der Tiergarten führt eine erfolgreiche Zuchtgruppe Afrikanischer Elefanten, die sich aus zwei Familien und einem Zuchtbullen zusammensetzt. Derzeit leben im Tiergarten Schönbrunn:
Tonga: Die Leitkuh der Herde stammt aus Südafrika.
Mongu: Tongas Tochter wurde 2003 geboren.
Iqhwa: Eine weitere Tochter von Tonga, 2013 geboren.
Numbi: Eine weitere Elefantenkuh in der Gruppe, die im Krüger-Nationalpark geboren wurde. 2009 übersiedelte sie gemeinsam mit ihrem Sohn Kibo (†) vom Zoo Wuppertal nach Wien. 2010 bekam sie in Schönbrunn ihren zweiten Sohn Tuluba, der inzwischen in Frankreich lebt und 2019 ihre Tochter Kibali (†). Nach natürlicher Paarung mit Abu, brachte sie 2025 Maputo zur Welt.
Abu: Der Zuchtbulle Abu kam 2001 als erster in Europa durch künstliche Besamung gezeugter Afrikanischer Elefant in Schönbrunn zur Welt.
Maputo: Der junge Elefantenbulle, der am 20. August 2025 geboren wurde. Es ist köstlich amüsant, ihm zuzusehen …



Elefantenbulle Maputo, Tiergarten Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer






Elefantenbulle Maputo, Tiergarten Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer

Elefantenbulle Maputo, Tiergarten Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer

Elefantenbulle Maputo, Tiergarten Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer

Elefantenbulle Maputo, Tiergarten Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer

Elefantenbulle Maputo, Tiergarten Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer
Hier findet ihr mehr Fotos von unserem dritten Tag in Wien, an dem wir uns aufmachten, einige Wiener Geheimnisse zu lüften.

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