Fotoausflug – WIEN in fünf Tagen / 2b Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn
Schlossareal Schönbrunn
a) Schlosspark – b) Kaiserliche Wagenburg – c) Tiergarten

Imperialwagen, Kaiserliche Wagenburg, Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer
Ganz ehrlich? Die Kaiserliche Wagenburg in Schönbrunn hat uns umgehauen; lasst dieses unvergleichliche Highlight auf keinen Fall aus, wenn ihr mal in Wien seid!
Die Kaiserliche Wagenburg in Schönbrunn beherbergt nicht nur den im Titelfoto gezeigten prachtvollen vergoldeten Imperialwagen, sondern auch den weiteren spektakulären historischen Fuhrpark der Habsburger, darunter weitere barocke Prunkkutschen, Schlitten und »Kinderwägen« (bekam für uns eine ganz neue Bedeutung), auch den berühmten »Sisi-Pfad« mit originalen Prunkroben von Kaiserin Elisabeth, ihren Kutschen und dem einzigen erhaltenen Sattel der leidenschaftlichen Reiterin. Uns sind die Augen übergegangen bei der atemberaubenden Pracht der kaiserlichen Originale.
Außerdem habe ich dort etwas gefunden, was mich persönlich überaus gefreut hat, aber erst, als ich wieder zu Hause war. Was das war, verrate ich euch an Tag 3 unserer Wienreise, doch insbesondere die Kaiserliche Wagenburg hat maßgeblich dazu beigetragen, unsere Wientage unvergesslich zu machen.
Seid ihr jetzt ordentlich gespannt?
Tataa! Hier kommen die Prachtstücke …

Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer
Das Gemälde zeigt die erste gemeinsame Ausfahrt vom 21. August 1853 von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Verlobten Prinzessin Elisabeth in Bayern (Sisi) in der Umgebung von Bad Ischl. Das junge Paar sitzt in einem Landschützer, einem ländlichen offenen Wagen, der mit sechs Pferden im sogenannten Wildgang bespannt ist und von Graf Grünne, einem Vertrauten des Kaisers, gelenkt wird.

Der ursprünglich komplett vergoldete Mailänder Krönungswagen wurde von Napoleon I. bei seiner Krönung zum König von Italien im Jahr 1805 in Mailand verwendet. Nach dem endgültigen Sieg über Napoleon brachte Kaiser Franz I. den Wagen 1816 nach Wien, wo er für den österreichischen Hof hergerichtet wurde und dann als prunkvoller Festwagen diente. Sisi fuhr darin bei ihrem feierlichen Einzug als kaiserliche Braut in Wien im Jahr 1854.




Kaiserin Sisi war für ihre extreme Wespentaille berühmt. Bei einer Körpergröße von 1,72 m betrug ihr Taillenumfang unglaubliche 46 bis 51 Zentimeter. Dieses Idealmaß erreichte sie nur durch eisernes Training, strenge Diäten und extrem enge Korsetts, die sie in einem exzentrischer Schönheitskult oft stundenlang schnüren ließ.


Kaiserliche Wagenburg, Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer




Auf obigem Foto ist der Leib-Reisewagen von Kaiser Franz I. zu sehen, der als Dormeuse (Schlafwagen) konzipiert war und es ermöglichte, ein Bett für zwei Personen im Inneren einzurichten. Typisch auch die besonders robusten Räder und Federn, die für lange Fahrten ausgelegt waren. Und so sah im Gegensatz dazu ein gräflicher Reisewagen aus:


Landaulet ist von Landauer abgeleitet, einem Reisewagen, der sich durch ein klappbares Verdeck auszeichnet, damit er bei Bedarf vollständig geschlossen werden kann. Dieser ist typischerweise ein bis sechsspänniger, vierrädriger, offener Reise- und Repräsentationswagen für vier Passagiere (plus einem fünften auf dem Kutschbock).
Die zweispännigen Wiener Fiaker sind eine leichtere Ausführung vom Landauer.



Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer


wie das alljährliche Fronleichnamsfest, Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer


Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer


Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer


(Im Hintergrund sieht man 24 Pferdeporträts von Pferden, die sie geritten hat.)
Als leidenschaftliche Reiterin war Sisi auch eine große Pferdeliebhaberin, die lange Zeit einen exquisiten Stall mit rund dreißig eigenen Reit- und Zugtieren unterhielt. Viele dieser Pferde wurden von den Malern des Hofes für die Kaiserin porträtiert. Nur besonderen Gäste zeigte sie den Salon, der ganz mit Pferdeporträts ausgekleidet war (ihre sogenannte Reitkapelle), zum Beispiel ihrem Vorleser Constantin Christomanos.
»Sehen Sie«, erklärte sie ihm, »so viele Freunde habe ich schon verloren und keinen einzigen gewonnen. Viele davon sind für mich in den Tod gegangen, was kein Mensch je getan haben würde; eher würden sie mich ermorden.«
Tragischerweise wurde Kaiserin Sisi am 10. September 1898 in Genf tatsächlich ermordet.
Der italienische Attentäter und Anarchist Luigi Lucheni stach ihr mit einer zugespitzten Feile ins Herz. Der Einstich der stilettförmigen Feile war so klein, dass die Kaiserin ihn nicht bemerkte. Sie ging weiter und an Bord des Raddampfers Genève. Kurz nach dem Ablegen des Dampfschiffs brach sie zusammen und verlor das Bewusstsein. Ihre letzten Worte waren angeblich: »Aber was ist denn mit mir geschehen?« Das Schiff kehrte zur Anlegestelle zurück. Die Kaiserin wurde auf einer provisorisch hergestellten Trage ins Hotel Beau-Rivage gebracht. Alle Wiederbelebungsversuche waren vergebens. Sie verstarb kurz darauf. Sisi wurde nur 60 Jahre alt.

darunter Kronprinz Rudolf (1889), Kaiserin Sisi (1898) und Kaiser Franz Joseph (1916),
Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer


(Im Hintergrund links ist ein Kutscherlivree zu sehen.)
Die oben gezeigte Staatskarosse war ursprünglich vergoldet, wie auf dem Gemälde dahinter zu erkennen ist, das die Krönung Josephs II. zeigt (1764), des ältesten Sohnes von Kaiserin Maria Theresia (1717-1780). Es war üblich, solche prunkvollen Kutschen nach jeder längeren Reise neu zu vergolden. Um etwa 1820 wurde die Karosse als Hoftrauer-Galawagen adaptiert, indem sie schwarz lackiert und ausstaffiert wurde. Erst im Jahr 1930 wurden die Malereien des Südtirolers Michelangelo Unterberger, der unter anderem auch ein Altarbild für den Wiener Stephansdom schuf, unter der schwarzen Bemalung wiederentdeckt.

kaiserlicher Galawagen für die Hoftrauer, Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer

kaiserlicher Galawagen für die Hoftrauer, Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer

Kinderschar (16) anfertigen, mit üppigen Schnitzereien und vornehmsten Farben (Rot und echtes Blattgold) verzieren,
Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer

das Schlittenfahrten größter Beliebtheit, Kaiserliche Wagenburg Schönbrunn, Wien | © Iris Sofie Bayer
(Das Gemälde im Hintergrund zeigt eine solche kaiserliche Schlittenfahrt,
wie sie damals beispielsweise auf dem Neuen Markt in Wien stattfand.)

(Was damals ein »Karussell« war (der Hintergrund zeigt ein Karussell in der Wiener Hofreitschule),
das erkläre ich ausführlich in meinem Paris-Roman Der Elefant des Sonnenkönigs.)

Der Imperialwagen der Habsburger, der um 1735 erbaut wurde, war die vornehmste Kutsche des Wiener Hofes, sozusagen ein Thron auf Rädern. Er wurde nur zu außergewöhnlichen Anlässen wie Krönungen, Hochzeiten oder Einzügen verwendet. Kaiserin Elisabeth fuhr in diesem (eigens zu diesem Zweck nach Ungarn transportierten) barocken Prunkwagen, als sie am 8. Juni 1867 unter dem Jubel der Bevölkerung zu ihrer Krönung zur Königin von Ungarn zur Budapester Matthiaskirche fuhr. Als Krönungsgeschenk erhielt das Kaiserpaar vom ungarischen Volk das Schloss Gödöllő (östlich von Budapest), welches Sisi in den folgenden Jahren als liebster Rückzugsort diente.
Diese prächtige barocke Kutsche der Habsburger, unbestritten das Herz- bzw. Prunkstück der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn, gilt als ein absolutes Meisterwerk der Wagenbaukunst. Märchenhaft schön!

Wer mit uns noch in den Tiergarten Schönbrunn gehen möchte, findet hier weitere Fotos.
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