Fotoausflug – WIEN in fünf Tagen / 2a Schlosspark Schönbrunn
Schlossareal Schönbrunn
a) Schlosspark – b) Kaiserliche Wagenburg – c) Tiergarten

Apollo lenkt laut Mythologie den Sonnenwagen mit den vier Feuerpferden über den Himmel, als wir in Schönbrunn ankommen, und das bleibt so während unserer fünf Tage in Wien; erst bei unserer Abreise regnet es wieder.
Ja, so ist das, wenn Engel reisen … 😉 … dann lacht der Himmel.
Das Titelfoto zeigt einen der beiden vergoldeten Adler des Zeus am Eingang von Schloss Schönbrunn, mit ausgebreiteten Flügeln, auf goldener Kugel thronend, an der Spitze eines hochaufragenden Obelisken. Der Obelisk selbst wurde im Barock als Symbol für die Standfestigkeit des Herrschers und seine stabile Herrschaft gesehen. In der Antike verkörperten Obelisken den Weg der Sonnenstrahlen zur Erde. Diese Symbolik wird verstärkt durch die goldene Kugel.
Die Kugel stellt primär die Sonne dar, denn in der griechischen Mythologie galt der Adler als das einzige Wesen, das ohne Schaden direkt in die Sonne blicken und sich ihr nähern konnte. Der auf der Sonnenkugel sitzende Adler symbolisiert den Herrscher als Vermittler zwischen Himmel und Erde, verdeutlicht somit den göttlichen Anspruch der Herrschaft des Hauses Habsburg. Gleichzeitig kann die Kugel auch als Weltkugel interpretiert werden, was den habsburgischen Machtanspruch über die damalige Welt unterstreicht. Dazu passt, dass die vier Kanten der Obelisken die vier Weltrichtungen markieren.
Als markantes Symbol der Kraft, Macht und Herrschaft – Habsburgs allgegenwärtiges Zeichen – wird uns der König der Lüfte als Reichsadler noch öfter begegnen, besonders in Form des Doppeladlers (ein Adler mit zwei getrennten Köpfen). Die heutige Republik Österreich führt einen einköpfigen schwarzen Adler im Staatswappen, ebenso Wien in seinem Stadtwappen.

Den leuchtenden Sonnengott Phöbus Apollo machte Ludwig XIV., der Sonnenkönig, zum Hoheitszeichen seines Staates, wie auf dem Cover meines Romans Der Elefant des Sonnenkönigs zu sehen ist, den ich voller Vorfreude auf diesen Tag dem Pförtner am Adlertor von Schloss Schönbrunn schenkte. Es war auch für mich eine große Freude, dass er sich darüber so dermaßen freute, denn, so sagte er mir freudestrahlend, er befasse sich selbst gerade intensiver mit der Sonnensymbolik.
»Ein König muss Glanz haben, und die Strahlen dieses Glanzes müssen die ganze Welt erfassen können« – ein Zitat aus dem Mund des Sonnenkönigs, das auch das Motto der kaiserlichen Dynastie der Habsburger hätte sein können, die von einer Grafenfamilie zum Herrschergeschlecht einer Weltmacht aufstiegen und in Österreich fast 650 Jahre lang regierten.

Das beeindruckende Schlossareal Schönbrunn, wo einst Maria Theresia, Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sisi residierten, zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Wiens. Die imperiale Sommerresidenz der Habsburger samt Kaiserlicher Wagenburg (gelb, siehe auch Kutschensymbol) mit seinem weitläufigen Schlosspark (grün), zu dem auch der Tiergarten als ältester Zoo der Welt zählt (violett), gehört zum UNESCO-Welterbe.
»Welch’ schöner Brunn!«, soll der Habsburger Kaiser Matthias 1619 begeistert ausgerufen haben, als er bei der Jagd auf dem Gelände einen artesischen Brunnen entdeckte. Ein artesischer Brunnen sieht äußerlich oft aus wie eine ganz normale Quelle oder Springbrunnen; das Besondere ist jedoch, dass das Wasser völlig ohne Pumpe aus dem Boden sprudelt, weil es unter natürlichem Druck steht. Diese Quelle, die wohl heutzutage immer noch in der Nähe des Obeliskbrunnens ganz versteckt im Wald liegt, wo sich aus einer Vase der anmutigen Nymphe Egeria das Quellwasser ins Becken ergießt, gab dem gesamten Anwesen seinen erstmals 1642 urkundlich erwähnten Namen: Schönbrunn.


Die Figurengruppe stellt die Flüsse Donau, Inn und Enns dar.

Die Figurengruppe stellt die Königreiche Galizien, Lodomerien und Siebenbürgen dar,
zur Zeit der Erbauung (1776) gerade eroberte habsburgische Kronländer.


Die Figurengruppe aus Sterzinger Marmor ist Teil einer Serie von 32 mythologischen und historischen Statuen, die das Große Parterre des Schlossparks säumen. Die Gruppe auf obigem Foto zeigt den trojanischen Prinzen Paris, der die schöne Helena auf seinen Armen entführt. Zu ihren Füßen kniet ein Mann mit Anker und Tauen, der das Schiff für die Flucht vorbereitet. Ebenfalls dargestellt ist ein Paket mit Schätzen, die Paris aus dem Haus des Menelaos geraubt haben soll. Es handelt sich um eine der Geschichten berühmter Pariser Liebespaare, die ich in meinem Paris-Roman Der Elefant des Sonnenkönigs ausführlich nacherzähle.

Die Marmorskulptur zeigt den griechischen Helden Perseus mit dem Haupt der Gorgone Medusa, einer geflügelten Schreckgestalt mit Schlangenhaaren, die jeden, der sie anblickt, zu Stein erstarren lässt. Ausgestattet mit dem göttlichen Hilfsmittel eines Helms der Unsichtbarkeit gelingt es Perseus Medusa zu besiegen, indem er ihr im Spiegelbild seines Schildes den Kopf abschlägt, um durch ihren tödlichen Blick nicht selbst versteinert zu werden. Auf seinem Heimweg rettet er die Königstochter Andromeda vor einem Meeresungeheuer und heiratet sie.




Alles folgt einem mythologischen Programm: Im Zentrum thront Meeresgott Neptun mit seinem Dreizack auf einem Muschelwagen als Herrscher. Er symbolisiert in der barocken Kunst oft einen Monarchen, der das Schicksal seines Volkes lenkt. Vor ihm kniet die Meeresnypmphe Thetis, die Neptun um Schutz für die Seefahrt ihres Sohnes Achill bittet. In der Umgebung befinden sich Tritonen, Mischwesen aus Mensch und Fisch, die mit ihren Muschelhörnern Seepferde bändigen und symbolisch den Muschelwagen Neptuns über das Meer ziehen, sowie verschiedene Nymphen, darunter eine mit Füllhorn, was den Reichtum der Meere darstellt.

Neptunbrunnen, Schlosspark Schönbrunn, Wien | © Oliver Bayer

Der Triton wird in dieser Pose als kraftvoll und wehrhaft dargestellt, um die Macht Neptuns über die Meere zu unterstreichen. Im mythologischer Kontext – so bittet im Zentrum des Brunnens die Meeresgöttin Thetis Neptun um Beistand für die Seefahrt ihres Sohnes Achill nach Troja – verdeutlichen die agierenden Tritonen und Hippokampi (Seepferde der griechischen Mythologie) Neptuns Kontrolle über die Elemente und das Schicksal.

Die barocken Prunkvasen mit ihren schlangenartigen Wesen an den Henkeln (mythologische Meeresungeheuer) fügen sich dekorativ in diese mythologische Welt aus Wassergeistern und Meeresgottheiten ein, die als Gefolge Neptuns den Brunnen bevölkern, und unterstreichen das maritime Thema des gesamten Ensembles.



der einen atemberaubenden Blick über Wien bietet | © Oliver Bayer


(Im Inneren befindet sich das beliebte Café Gloriette, in dem Besucher Kaffee und Mehlspeisen genießen können.)



dem 241 Meter hohen Schlosspark-Hügel | © Oliver Bayer





Hier geht’s weiter zur Besichtigung der umwerfenden Kaiserlichen Wagenburg.
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