Fotoausflug – Die Neuen Kammern von Sanssouci mit Kirschgarten

Kirschen waren das Lieblingsobst Friedrichs des Großen, weshalb er 1772 durch seinen Hofgärtner Friedrich Zacharias Saltzmann unterhalb der Neuen Kammern einen Kirschgarten anlegen ließ. Die damals Neuen Kammern waren ursprünglich ein Orangeriehaus, das zwischen 1771 und 1774 zu einem Gästeschloss umgebaut wurde. König Friedrich II. wollte Schönes mit Nützlichem verbinden – Flora, die Blumengöttin, und Pomona, die Göttin der Gartenfrüchte sollten sich im Schlosspark Sanssouci die Hände reichen. Bis 1788/89 blieb das Areal mit Kirschbäumen bepflanzt.
So sieht das Areal von oben aus:


auf einem Torpfeiler vor den Neuen Kammern im Potsdamer Park Sanssouci | © Iris Sofie Bayer





(Goldene Szenen der Liebesabenteuer antiker Götter aus den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid)


(Rechts: Blick vom Großen Intarsienkabinett der zweiten Gästewohnung
ins Grüne Lackkabinett der ersten Gästewohnung)
Die Figur auf dem linken Bild trägt ein Kostüm im Stil des 18. Jahrhunderts. Die täuschend echte Illusion wird von der belgischen Künstlerin Isabelle de Borchgrave durch eine bemalte Papier-Rekonstruktion von Spitze, Samt und Seide erzeugt. Sie parodiert das preußische Hofleben unter Friedrich dem Großen, insbesondere die übertriebene Vorliebe für Mode und äußeren Schein.


Die Skulptur der mythologischen Königin Artemisia wird mit einer Blüte in der Hand und einer Pyramide dargestellt, wobei die Pyramide auf das von ihr errichtete Mausoleum in Halikarnassos anspielt. Die Blüte könnte daher als ein Symbol für die vergängliche Schönheit des Lebens und ihre anhaltende Trauer interpretiert werden.
Bacchus (römisch) bzw. Dionysos (griechisch) ist der junge, schöne Gott des Weines, der Fruchtbarkeit, der Ekstase und des Theaters. Er steht für ausschweifenden Genuss, Lebensfreude, aber auch für den Rausch und den Wahnsinn. Deshalb wird er mit Weinlaub bzw. Weintrauben, einem Trinkgefäß und einer Amphore dargestellt, in der in alter Zeit die Gärung des Amphorenweins gestartet wurde.


Die Skulpturen passen zur ursprünglichen Orangerie-Nutzung des Gebäudes. Es sind naturverbundene Figuren der antiken Mythologie. Sie ergänzen die Attikakartusche über dem Mittelrisalit, die der preußische Bildhauer Friedrich Christian Glume (1714-1752) der Sonne, der Zeit und der Gartenarbeit widmete.


Ab 2005 wurden im Kirschgarten unterhalb der Neuen Kammern von Sanssouci wieder historische Sorten in Spalierpflanzung angebaut, darunter Schattenmorelle, Werdersche Glaskirsche, Spanische Knorpelkirsche und Frühe Werdersche Herzkirsche. Am 3. Oktober 2008 wurden die letzten vier Bäumchen gepflanzt. Seither wachsen dort 140 Süß- und Sauerkirschbäume in zehn historischen Sorten aus dem 18. Jahrhundert. Wie in der Ursprungszeit werden sie an der Terrassenmauer kunstvoll in Form von Kandelabern, Palmetten und Cordons (waag- und senkrechte Führung der Zweige) gezogen.




bei den Neuen Kammern im Potsdamer Park Sanssouci | © Iris Sofie Bayer


(Gott des Weines, erkennbar an jugendlich lockigen Haaren mit einem Kranz aus Wein- und Efeublättern)


einer Gartenmauer in der Ribbeckstraße, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

wer in den Schlössern von Sanssouci, auch in den Neuen Kammern, starb, wurde auf dem Friedhof
der Bornstedter Kirche beigesetzt), Ribbeckstraße, Potsdam | © Iris Sofie Bayer

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