Weltbuchtag – 23. April 2026

Auf www.iris-sofie-bayer.de stelle ich nicht nur alle meine Rüssel-hoch-Bücher vor, sondern erkläre auch, warum das Bücherlesen ein Therapeutikum sein kann. Doch trifft das auch auf das Lesen von Romanen zu? Oder ist das Zeitverschwendung?

Ich gebe zu, dass ich – obwohl ich sehr viel lese – (bisher) vergleichsweise wenig Romane lese. Meine Interessen als Glücksautorin liegen mehr bei Sachbüchern zur Positiven Psychologie, Gesundheit und bei Recherchebüchern, also solchen, die ich brauche, um mir Hintergrundwissen für meine eigenen Buchkreationen zu beschaffen, von denen sich jede um einen besonderen Glücksaspekt dreht.

In meinem Roman RELING geht es beispielsweise um den Glücksfaktor »gesundes Altern«. Und dazu gehört auch das Bücherlesen. Ich zitiere darin eine Studie, bei der herauskam, dass im Gegensatz zu Büchern das oberflächliche Lesen von Zeitschriften keinen positiven Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Anders als bei leichter Lektüre ist das Gehirn bei einem Buch mehr gefordert, wobei es im Hinblick auf Longevity unerheblich ist, ob es ein Roman, ein Krimi oder ein Sachbuch ist. Das Gehirn ist optimal gefordert, wenn es tief in eine Geschichte eintauchen und fürs Verständnis logische Zusammenhänge herstellen und Schlussfolgerungen ziehen kann.

[Avni Bavishi, Martin D. Slade, Becca R. Levy, A chapter a day: Association of book reading with longevity (Ein Kapitel pro Tag: Der Zusammenhang zwischen Lesen und Langlebigkeit), Social Science & Medicin, 2016, 164:44-48]

Der Zustand des vertieften Lesens, bei dem man sich mit dem Text so konzentriert auseinandersetzt, dass man geistig völlig in einer Geschichte versinkt, ist als Deep Reading bekannt. Durch dieses kognitive Training werden neben der Vorstellungskraft die Fähigkeiten des kritischen und abstrakten Denkens gefördert, die Reflexion sowie sprachliche und emotionale Intelligenz. Und – wir werden dafür mit einer längeren Lebenserwartung belohnt.

Wir lesen also, um mehr lesen zu können? Ja, das trifft besonders auf Vielleser/innen zu, die immer eine lange Wunschliste von Büchern haben, die sie in ihrem Leben unbedingt noch lesen möchten. In RELING schreibe ich:

»Für die erwähnte Studie wurden 3.635 Menschen, die über 50 Jahre alt waren, in drei Gruppen eingeteilt. Es gab solche, die gar nichts lasen, und andere, die wöchentlich bis zu oder aber mehr als 3,5 Stunden in einem Buch lasen. Das Ergebnis nach zwölf Jahren zeigte eindeutig: Die Vielleser lebten im Schnitt fast zwei Jahre länger als die Nichtleser.
›Wie wird die Lebensverlängerung begründet?‹
›Gemäß Josie Billington vom Zentrum für Leseforschung der Universität Liverpool wird es einerseits auf den Entspannungseffekt zurückgeführt, weil durch das Eintauchen in andere Welten die eigenen Sorgen und Belastungen zurückgedrängt werden, andererseits auf den Effekt, den das Lesen auf die Kognition hat, wodurch die Fähigkeit gestärkt wird, für schwierige Situationen neue Handlungskonzepte zu finden, also besser mit Lebenskrisen umgehen zu können.‹«

Aber sind Romane nicht realitätsfern?
Das trifft häufig zu, doch unser Gehirn sorgt dafür, dass wir etwas Gelesenes wie etwas selbst Erlebtes empfinden, sofern wir gefühlsmäßig völlig in die Romangeschichte eintauchen, also im Modus Deep Reading sind. Und hier liegen Romane eindeutig vorne, denn Sachbücher erfordern sehr viel Konzentration, also mehr Ratio als Emotio.

Am größten ist dieser psychologische Effekt der Immersion (fachsprachlich für Eintauchen), wenn wir einen Roman in unserer Muttersprache lesen, wir also quasi ein Sprachbad nehmen. Das sogenannte Sprachbad ist übrigens eine der erfolgreichsten Methoden zum Sprachenlernen: Man umgibt sich vollständig mit der Sprache und lernt sie so intuitiv.

Es lohnt sich also, Romane zu lesen und in der Gefühlswelt der Romanhelden/heldinnen zu versinken. Es fördert unsere Gesundheit auf vielfältige – und wie ich finde – so angenehme Weise.

Es muss nicht immer ein langes Sprachbad sein.
Für Wenigleser habe ich eine ganze Palette von kürzeren Geschichten kreiert, meist in Form von Glücksparabeln, denn es tut einfach gut, sich in Geschichten verlieren zu können. In diesem Jahr habe ich schon zwei von solchen kleinen, aber feinen Sprachduschen geschaffen: Im Hufschlag des Feuerpferdes und Woran dein Herz hängt (wird bald veröffentlicht). Das Titelfoto zeigt das beliebte kleine Buch Alle Jahre wieder.

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