Buchvorstellung – »Wie Risse in der Erde«

»Wie Risse in der Erde von Clare Leslie Hall ist eine unvergessliche Geschichte über Liebe, Verlust und die Entscheidungen, die unser Leben prägen, aber es ist auch ein meisterhaft ausgearbeiteter Krimi, der einen bis zur letzten Seite in Atem hält.
Und dieses Ende?!
Das habe ich nicht kommen sehen.«
REESE WITHERSPOON
Wie Risse in der Erde, Piper Verlag, Hamburg 2025, hat uns als Hörbuch genauso in den Bann geschlagen wie der Roman Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens, die den 400-seitigen Roman von Clare Leslie Hall als »mitreißend, poetisch und geheimnisvoll« beschrieb. Mein Mann und ich haben diese fiktive Lebensgeschichte, die das Leben in all seinen gegensätzlichen Facetten zeigt, gemeinsam als Hörbuch genossen (9,5 h), übrigens wunderbar gesprochen von Luise Helm.
Clare Leslie Hall ist Journalistin und Bestsellerautorin, die mit ihrer Familie in Dorset im Südwesten Englands lebt, wo auch ihr Roman spielt, der uns von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Darum geht es: Als Siebzehnjährige verliebt sich Beth, die ihre Geschichte in Rückblenden erzählt (Handlungszeitraum von 1955 bis 1975), in den gutaussehenden poetischen Gabriel aus dem Herrenhaus. Am Ende eines leidenschaftlichen, flirrenden Sommers jedoch zerbricht ihr Glück:
»Der Sommer geht zu Ende, und Hemston verwandelt sich mit der neuen Jahreszeit – die Bäume leuchten in Kupfergold, Tomatenrot und Bananengelb -, und Gabriel ist fort.«
Dreizehn Jahre später lebt Beth glücklich mit ihrem Mann Frank auf einer Farm. Sie kümmern sich aufopferungsvoll um Land und Tiere und genießen ihre noch immer große Liebe. Doch dann kehrt Gabriel, inzwischen ein erfolgreicher Romanautor und frisch getrennt von seiner Frau, mit seinem Sohn Leo in das Dorf zurück. Das reißt alte Wunden auf, schmerzhafte Erinnerungen an einen Schicksalsschlag, der nicht nur ihr Herz zerriss, sondern auch Risse in ihre Ehe brachte. Sie haben ihren Sohn Bobby verloren, der damals so alt war wie Leo jetzt (1968). Beth erzählt:
»Es gefällt mir, dass Leo Bobby kennenlernt, wenn auch nur ein wenig. Das Reden über ihn hilft mir, sein Andenken lebendig zu halten. Ich höre zu, wie Leo seinem Vater erzählt, was Bobby so alles konnte. Kühe melken, wie eine Amsel trillern. Er klingt fast stolz auf Bobby, einen Jungen, den er nie kennenlernen wird. Ich bin gerührt, wie viel er behalten hat. Doch dann richtet Gabriel seinen Blick auf mich, und ich sehe die Frage in seinen Augen. Warum machst du das? Warum erzählst du Leo von deinem toten Kind? […]
Ich spreche Leo nicht noch einmal auf das Foto von Bobby an, denn in Wahrheit fühle ich mich verantwortlich. Der Junge vermisst seine Mutter, und ich habe es ihm noch schwerer gemacht, indem ich ihm gezeigt habe, wie sehr mir mein Sohn fehlt. Jedenfalls sehe ich das so. Es war ein wenig egoistisch von mir, denke ich, Leo von Bobby zu erzählen, nur weil es mir half, die Erinnerung an ihn wachzuhalten.
Das Problem ist, dass ich mit sonst niemandem über ihn reden kann. Frank erträgt es oft nicht, weil er vor lauter Schuldgefühlen nur weitermachen kann, indem er so tut, als hätte es Bobby nie gegeben. Ich mache mir Sorgen um Frank. Wo wird das enden, all diese unbewältigte Trauer, die nirgendwohin kann? Seine Art, damit fertigzuwerden, sieht so aus, dass er schuftet bis zum Umfallen und jede Nacht in einen erschöpften Schlaf fällt, um bei Sonnenaufgang wieder von vorn anzufangen. Bei Jimmy [Bruder von Frank] ist es ähnlich, obwohl er obendrein Alkohol braucht, um schwere Zeiten durchzustehen …«
Beths Gefühle brechen mit Wucht über sie herein, und sie trifft eine Entscheidung, die verheerende Folgen hat. Ein Mensch wird sterben, und ein anderer wird dafür büßen. Doch wer wirklich die Schuld trägt, bleibt bis zum Schluss das große Geheimnis und macht die Faszination dieses gefühlsintensiven Romans aus. Insbesondere die inneren Gefühlskonflikte vor allem das Gefühl der inneren Zerrissenheit, des Herzschmerzes, sind bewegend beschrieben. Ein besonderes Leseerlebnis!
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