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Iris Sofie

Elefantöses – Der Magier, der auf einem Elefanten über Catania flog

02.04.2026/0 Kommentare/in Elefantöses /von Iris Sofie
Elefantenbrunnen in Catania, Sizilien
Fontana dell’Elefante in Piazza del Duomo – Elefantenbrunnen auf dem Domplatz (Elefantenpalast im Hintergrund), Catania, Silizien | © Luca Aless via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Einem der Handwerker, die im März dieses Jahres unsere neue Heizung eingebaut haben, gefiel das nachfolgend gezeigte Fassadenkunstwerk von den Elefanten unter dem Kilimandscharo in unserem Innenhof so sehr, dass er uns darauf aufmerksam machte, dass es ihn an seine Heimat Sizilien erinnere, an die Stadt Catania, die zu Fuße des Vulkans Ätna liege und einen Elefanten in ihrem Wappen habe. Eine gute Beobachtung, denn der ähnlich kegelförmige Kilimandscharo (Kibo 5.895 m) ist ein derzeit schlafender Vulkan, der die afrikanische Landschaft durch Lavaströme geformt hat, während der Ätna in Sizilien (3.403 m) zu den größten und noch aktivsten Vulkanen der Welt gehört.

Fassadenbild einer Elefantenherde vor dem Kilimandscharo
Fassadenbild einer Elefantenherde vor dem Kilimandscharo in unserem Innenhof | © Iris Sofie Bayer
Catania zu Füßen des Ätna, Sizilien
Catania, zweitgrößte Stadt Siziliens, zu Füßen des Ätna im Winter | © BenAveling via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Natürlich interessierte mich, was Catania mit Elefanten zu tun hat. Es geht die Legende, dass im 8. Jahrhundert nach Christus ein Magier namens Eliodoro in Catania gelebt hat. Damals stand die Stadt als Teil des oströmischen Reiches unter byzantinischer Herrschaft. Eliodoro stammte aus einer adeligen Familie und strebte danach, Bischof von Catania zu werden. Er war so erzürnt darüber, dass sein Vorhaben scheiterte, dass er einen Pakt mit dem Teufel schloss. Eliodoro verleugnete seinen Glauben an Christus und erhielt dafür übernatürliche Fähigkeiten.

Mit seinen magischen Kräften schuf er einen Elefanten aus der Lava des Vulkans Ätna, den er auf seinen Reisen zwischen Byzanz und Catania ritt. Angeblich flog er auf dem schwarzen Elefanten auch über Catania und trieb dabei seine Scherze mit den Stadtbewohnern. Eines Tages wurde der Magier ins Gefängnis geworfen, da er am Markt eingekauft und alles mit Goldstücken und Diamanten bezahlt hatte, die sich hernach in Steine verwandelt hatten. Doch er konnte fliehen, weil er die Wachen mit Gold bestach, das kurz darauf ebenfalls zu Stein wurde.

Konstantin, der Herrscher über Byzanz, verurteilte ihn daraufhin zum Tode. Sein letzter Wunsch vor der Hinrichtung war eine Schale mit Wasser. Eliodoro tauchte mit seinem Kopf hinein und verschwand, während man noch hören konnte: »Wer mich will, soll mich in Catania suchen!« So entwischte er immer wieder seinen Häschern. Zeitlebens ein Widersacher von Bischof Leo II. von Catania gelang es diesem, die Stadt vom Magier und seinen üblen Streichen zu befreien, indem er ihn wegen seinen schwarzmagischen Praktiken zum Tode verurteilen und 778 lebendig verbrennen ließ. Der Legende nach habe der Bischof den Lavaelefanten außerhalb der Stadtmauern bringen lassen, damit er in Vergessenheit gerate.

Doch der Elefant des Eliodoro blieb unvergessen und ist bis heute so eng mit Catania verbunden, dass er nicht nur zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist und es ins Wappen der Stadt Catania geschafft hat – ebenso ins Wappen der Universität von Catania – sondern auch das Maskottchen vieler Sportmannschaften geworden ist.

Wappen von Catania, Sizilien
Elefantenbrunnen in Catania, Sizilien
Links: Catanias Wappen mit Elefant (das A steht für die Heilige Agatha) | © gemeinfreies Bild
(die Krone erinnert an die Herrschaft der Könige von Aragonien über Sizilien;
S.P.Q.C. bedeutet Senatus Populusque Catanensium (der Senat und das Volk von Catania)
Rechts: Catanias Elefantenbrunnen | © Matthias Süßen via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Heutzutage steht der schwarze Elefant inmitten eines Brunnens im Herzen der Stadt Catania auf dem Domplatz (Piazza del Duomo). Sein Rüssel zeigt in Richtung der Kathedrale Sant’Agata, die durch Erdbeben und Eruptionen des Ätna mehrmals teilweise zerstört und wiederaufgebaut wurde. Auf der Spitze des Obelisken befindet sich zu Ehren der Heiligen Agatha, der Schutzpatronin Catanias, ein Globus und ein Kreuz, geziert von einer Lilie (als Zeichen für ihre Reinheit) und einem Palmwedel (als Zeichen für ihr Martyrium). Auf dem Sockel stellen zwei Skulpturen die Flüsse von Catania dar, den Simeto und den Amenano.

Der schwarze Basaltelefant wurde aus einem einzelnen Lavablock gehauen. Da die Lava des Ätna überwiegend aus eisen- und magnesiumreichem Basalt besteht, nimmt sie beim Abkühlen eine dunkle Farbe an. Während frische Lava tiefschwarz oder dunkelgrau ist, kann ältere Lava durch Verwitterung und Sauerstoffkontakt (Oxidation) mit der Zeit eine hellgraue oder bräunliche Farbe annehmen.

Bei zwei katastrophalen Erdbeben am 9. und 11. Januar 1693 wurden weite Teile von Catania zerstört. In den Trümmern der Stadt fand man auch die Statue des schwarzen Elefanten mit verstümmeltem Rüssel und Hinterbeinen und den Obelisken, den er auf dem Rücken trug. Giovanni Battista Vaccarini, ein Architekt aus Palermo, restaurierte die Gliedmaßen des Elefanten und verpasste ihm Augen und Stoßzähne aus weißem Kalkstein. Dann schuf er beim Wiederaufbau der Stadt zwischen 1735 und 1737 einen Brunnen aus weißem Marmor, in dessen Mitte er den schwarzen Elefanten setzte.

Dieser Elefantenbrunnen (Fontana dell’Elefante) gehört heute zu den besonderen Sehenswürdigkeiten Catanias. Der Basaltelefant symbolisiert Stärke und Langlebigkeit. Das sind Eigenschaften die auch die Catanesen auszeichnet, die durch den oftmaligen Wiederaufbau ihrer Stadt Willensstärke und Ausdauer bewiesen haben. Im sizilianischen Dialekt wird der Elefant »u Liotru« genannt, was auf den Magier Eliodoro zurückgehen soll.

Die Verbindung zwischen Catania und Liotru reicht vielleicht sogar noch weiter zurück. Ein arabischer Geograf aus dem 10. Jahrhundert bezeichnete die Stadt als Balad-el-fil oder Medinat-el-fil, was Stadt des Elefanten bedeutet.

Einige Catanesen glauben, dass der Elefant aufgestellt wurde, damit er als schattenwerfender Zeiger (Gnomon) dienen und durch seinen Schatten auf ein auf den Boden gezeichnetes Zifferblatt die Zeit anzeigen konnte. Aus eliocentrico (heliozentrisch bzw. sonnenzentriert) sei dann liotru geworden. Carlo Maria Carafa, Prinz von Butera, gilt als der berühmteste Gnomonist jener Zeit (17. Jahrhundert), als Experte für den Bau bedeutender Sonnenuhren. Es ist nicht auszuschließen, dass er am Bau der catanesischen Sonnen- bzw. Elefantenuhr auf der Piazza del Duomo beteiligt war.

Der Geograf Idrisi, der Sizilien im 12. Jahrhundert bereiste, lieferte die heute allgemein akzeptierte Erklärung. Er berichtete, dass die Einwohner von Catania den Elefanten als magische Statue betrachteten, welche die Stadt vor den Ausbrüchen des Ätna schützen könne. Er solle von den Benediktinern des Klosters St. Agatha innerhalb der Stadtmauern gebracht worden sein, die ihn unter einem als di Liodoro bekannten Torbogen aufstellten. Im Jahr 1239 wurde die Elefantenstatue zum Symbol von Catania gewählt. Einige behaupten, dass die Verlegung des schwarzen Elefanten genau zu diesem Anlass stattfand.

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Schlagworte: Elefantenwissen
https://ruessel-hoch.de/wp-content/uploads/2026/03/FI-Catania_Fontana_dellElefante.jpg 441 640 Iris Sofie https://ruessel-hoch.de/wp-content/uploads/2020/07/Logo3.png Iris Sofie2026-04-02 08:39:092026-04-23 13:59:05Elefantöses – Der Magier, der auf einem Elefanten über Catania flog
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