Buchvorstellung – »Der IMAGO-Prozess: Veränderungen meistern«

Und es kam der Tag,
da das Risiko, in der Knospe zu verharren,
schmerzhafter wurde als das Risiko, zu blühen.
(Anaïs Nin)
Susanne Hühn (* 1965) ist ausgebildete Lebensberaterin, ganzheitliche Physiotherapeutin und erfolgreiche Autorin spiritueller Selbsthilfebücher. Nach Dein Inneres Glückskind habe ich noch ein weiteres Buch von ihr gelesen: Der Imago-Prozess: Veränderungen meistern oder von der ganz natürlichen Einsamkeit einer Raupe im Kokon, Schirner Verlag, Darmstadt 2016.
Wissen Sie, wie ein Schmetterling entsteht? Das fragt die Autorin und antwortet: In ihrem Kokon werden die Zellen der Raupe nach und nach durch Imago-Zellen ersetzt. Imagozellen sind spezialisierte Zellen, die während der Metamorphose von Insekten, wie beispielsweise Schmetterlingen, im Larvenstadium (Raupe) entstehen. Imago ist dabei der biologische Begriff für das voll entwickelte, geschlechtsreife Insekt. Der Vergleich der Metamorphose des Schmetterlings mit Veränderungsprozessen in unserem Leben hat mich schon immer angesprochen. Auch in meinem eigenen glückstherapeutischen Ratgeber DIE ELEFANTENSTRATEGIE: Entfalte deine wahre Größe habe ich diesem inspirierenden Vergleich eine Übung gewidmet, die helfen kann, herauszufinden, in welcher der verschiedenen Phasen der Metamorphose man gerade ist, um Veränderungsbewusstsein zu schaffen.
Susanne Hühn geht es vor allem darum, unsere Einsamkeit im Kokon ein wenig zu lindern, denn Veränderungen sind langwierig, ja es braucht einfach seine Zeit, bis sich die Raupe im Kokon in einen schönen Schmetterling verwandelt hat. Was bringt es uns, diesen Imago-Prozess besser zu verstehen? Im Klappentext heißt es dazu: Wenn wir um die Entwicklung der Raupe zum Schmetterling wissen, um unseren Widerstand, den wir gegenüber Veränderung leisten, dann können wir daraus viel für unser eigenes Leben lernen.
Stufe eins: Die ersten Imago-Zellen oder: Was ist denn mit mir los?
Wusstest du, dass die Immunabwehr der Raupe die ersten Imago-Zellen frisst, als ob sie eine Krankheit wären? Diese Resilienz sorgt erst einmal dafür, dass Veränderungen am bewährten System abprallen. Du willst keine Raupe mehr sein, nicht mehr auf die gewohnte Weise leben, worum es auch immer bei dir geht. Du weißt nicht, was mit dir los ist, denn es ist noch in keiner Weise sichtbar, in welche Richtung die Veränderung gehen wird. Du weißt, da ist etwas Unzufriedenes in dir, dass sich regt, doch du bist noch in einem Stadium, in dem du all das verdrängst, leugnest und dich zusammenreißt, weil du Angst vor einer Veränderung hast.
> Für diese Phase brauchst du Hingabe und Vertrauen. Deshalb gibt es an dieser Stelle im Buch eine Übung, um Kontakt zur eigenen inneren Raupe aufzunehmen und sie kennenzulernen.
Stufe zwei: Die Imago-Zellen verklumpen sich zu Clustern oder: Mache dir nichts draus, es wird nicht besser!
Wusstest du, dass Enzyme in der Raupe beginnen, ihre Raupenstruktur aufzulösen, wenn sich Imago-Zellen bilden? Kein Wunder, dass wir Angst haben, wir könnten uns verlieren! Es bauen sich innere Spannungen auf, denn da ist ein innerer Bewusstwerdungsprozess im Gang. Die Imago-Zellen der zweiten Generation haben die Fähigkeit, die sie bekämpfende Immunreaktion umzukehren. Im Äußeren gibt es noch nichts zu tun. Der Prozess nimmt seinen Lauf und in den Imago-Zellen sind bereits alle zukünftigen Informationen über den Schmetterling enthalten, obwohl sie noch keine Schmetterlingszellen sind.
> Für diese Phase brauchst du Rückzugsmöglichkeiten. Hilfreich ist die Imaginationsübung mit dem goldenen Kokon.
Stufe drei: Die Imago-Zellen verbinden sich zu Imago-Fäden oder: Das Licht der Selbsterkenntnis
Wusstest du, dass sich Imago-Zellen durch die Bildung sogenannter Imago-Fäden miteinander vernetzen können? Das bedeutet, dass das, was du brauchst, damit du als Schmetterling fliegen kannst, gerade in dir entsteht. In dieser Phase hast du erste Aha-Erlebnisse. Es ist wichtig, dass du dich jetzt selbst gut spürst und alle in dir aufkommenden Fragen und Bedürfnisse zulässt, denn das, was du jetzt wahrnimmst und fühlst, bewirkt genau den Bewusstseinsprozess in dir, den der Schmetterling zur Reifung benötigt. Stelle dem Leben deine Fragen.
> Für diese Phase brauchst du viel Achtsamkeit dir selbst gegenüber, mehr nicht. An dieser Stelle gibt es folgende Übungsmöglichkeit: Tanze den entstehenden Schmetterling. Lege dein Musik auf, verbinde dich mit dem, was in dir reift, mit allen Widersprüchen, Ängsten, mit all der Freude, der Ungeduld und was noch dazugehört, und tanze …
Stufe vier: Die Imago-Zellen werden zum Schmetterling oder: Aus dem Weg, jetzt komme ich … wenn ich darf
Wusstest du, dass es in dieser Phase einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Weg der Raupe und deinem Veränderungsweg gibt? Die Autorin schreibt, dass sich die Raupe nicht scheut, der am schönsten schillernde Schmetterling zu werden, der sie nur sein kann. Wir Menschen dagegen schon. Wir denken laut Autorin: Wer bin ich schon? Ich war immer eine Raupe. Die anderen kennen und mögen mich als Raupe, ich will nicht beneidet und beschämt werden oder gar versagen. Hast du den starken Gegenspieler erkannt? Es ist die Scham. Susanne Hühn erklärt, dass wir nicht darum herumkommen, uns unserer eigenen Vergangenheit und der daraus resultierenden Angst, beschämt und verletzt zu werden, zu stellen, wenn wir eines Tages als Schmetterling sichtbar für alle schlüpfen und fliegen wollen.
> Für diese Phase brauchst du Mut, um festzustellen, an welchen Stellen dich die Scham tatsächlich lähmt und du nicht kurz vor dem Schlüpfen aufgibst. Hinterfrage, aus welchen Gründen du dich selbst sabotierst. Mache einen Realitätsabgleich und werde aktiv. Die Autorin rät: Sprich mit Freunden, such dir Hilfe, frag Experten, mach einen Plan – und dann fliege auf den Schwingen deiner Inspiration bis hoch zu den Sternen!
Stufe fünf: Der Schmetterling schlüpft oder: Muss ich wirklich in dieses kalte Wasser springen?
Wenn uns das Leben die Hand reicht, dann sind wir soweit. Schenkt es uns plötzlich auftretenden Synchronitäten? Spüren wir, dass die Zeit reif ist? Dann, so die Autorin, nimm deinen ganzen Mut zusammen, und schlüpfe. Zeige dich, … auch wenn du dich völlig unvorbereitet fühlst … Wurstle dich lieber durch, als zu kneifen.
Es braucht Mut und Selbstvertrauen, ins kalte Wasser zu springen, denn eine Garantie, dass die Lebensveränderung, die wir uns wünschen, beispielsweise die Realisierung eines unserer Big Five of Life, ein voller Erfolg wird, gibt es nie. Doch ich stimme der Autorin zu, dass wir Kraft verlieren, wenn wir zu lange warten. Je länger wir zögern, desto mehr Anteile sterben in uns ab, sodass wir eines Tages nicht mehr in der Lage sind, das zu tun, was der Schmetterling in uns so gern täte. Er vertrocknet, anstatt zu schlüpfen. Hinzufügen möchte ich, dass dies besonders dann gilt, wenn wir noch jung sind, denn die »Vertrocknung« durch den natürlichen Alterungsprozess müssen wir früher oder später mitberücksichtigen.
Im Nachwort macht Susanne Hühn deshalb noch einmal Mut:
»Vergiss alles, was dich lähmt. Vergiss die Vorstellungen, die du von dir selbst hast, sowieso die, die andere von dir haben. Du hast dieses Leben geschenkt bekommen. Es will dich immer wieder neu gebären, dir immer neue Möglichkeiten geben, noch lebendiger, noch mutiger, noch kraftvoller, freier und glücklicher zu ein – auf deine Weise.«
Damit spricht mir die Autorin aus dem Herzen.
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