Buchvorstellung – »Jedes Jahr jünger«

Cover fürs Buch »Jedes Jahr jünger«

Die MacArthur Foundation, die sich auch mit der alternden Gesellschaft befasst, prognostiziert, dass von 70 Millionen Babyboomern, die zwischen 1949 und 1964 zur Welt kamen, etwa drei Millionen älter als 100 Jahre werden. Wollen Sie dazugehören?

Das fragen die Autoren des 400-seitigen Ratgebers Jedes Jahr jünger: Drehen Sie die biologische Uhr zurück und bleiben Sie schön, fit und attraktiv, mvg Verlag, München 2016. Der Anti-Aging-Bestseller der New York Times mit dem Originaltitel Younger Next Year hat sich über zwei Millionen Mal in dreiundzwanzig Sprachen verkauft. Wenn wir auf die im Vorwort gestellte Frage mit Ja antworten, kommen wir nicht umhin zu lernen, jünger zu leben.

Wie das geht, erklärt der typisch amerikanisch-weitschweifige Ratgeber, wobei der Inhalt an einigen Stellen nicht mehr dem neuesten wissenschaftlichen Stand entspricht. Dennoch: An den Lebensstilfaktoren, die dazu führen, dass wir gesund altern, hat sich in den letzten zehn Jahren nichts Grundlegendes geändert.

Dr. Henry S. Lodge (1958–2017), im Buch Harry genannt, war Internist an der medizinischen Fakultät der Columbia University. Er beschäftigte sich vor allem mit Präventivmedizin und der Rolle eines gesunden Lebensstils als Teil der medizinischen Versorgung und wurde mehrfach unter die besten Ärzte der Vereinigten Staaten gewählt.

Chris Crowley war Harrys Patient und beruflich Prozessanwalt in einer führenden Wall-Street-Kanzlei, bevor er sich 1990 zur Ruhe setzte, um sein Leben zu genießen und seine Zeit mit Skifahren, Radfahren, Tennisspielen und Kochen zu verbringen. Der heute über 90 Jahre alte Chris betrachtet sich selbst als lebenden Beweis dafür, dass die in diesem Buch gegebenen sieben Longevity-Ratschläge in der Praxis funktionieren. Sie lauten:

1 Trainieren Sie an sechs Tagen in der Woche für den Rest Ihres Lebens.
Machen Sie es schlicht zu Ihrem neuen Job, sich täglich zu bewegen, raten die Autoren, das sei das Wichtigste im Projekt des funktionellen Jüngerwerdens. Chris vergleicht: Alles, was es für ein gutes nächstes Drittel braucht, ist: Bewegung, Beziehungen und Begeisterung für etwas. […] Stellen Sie sich das Training vor wie den Motor, der die ganze Maschine zum Laufen bringt. Erst wenn der Motor schnurrt, wird alles andere möglich.

2 Machen Sie ernsthaftes Ausdauertraining an vier Tagen in der Woche für den Rest Ihres Lebens.
Körperliche Bewegung ist Magie, heißt es in Jedes Jahr jünger, sie wirkt wie ein Zauberstab und ist die einzige Sprache, die unser Körper-Gehirn versteht. Wenn wir uns bewegen, anstrengen, schwitzen, dann überschreiben wir die körperlichen Abbausignale, weil unsere Muskeln dann Botenstoffe produzieren, die uns schlank, kräftig und leistungsfähig machen. Die Folge: Wir werden länger gesund leben. Natürlich werden wir trotzdem mit der Zeit älter aussehen, aber wir werden uns nicht alt fühlen, und damit nicht nur in Würde, sondern – wegen unserer Fitness – sogar mit Vergnügen alt werden.

3 Treiben Sie ernsthaftes Krafttraining mit Gewichten an zwei Tagen in der Woche für den Rest Ihres Lebens.
Unsere Aussichten: Mit Ausdauertraining werden wir länger leben. Wenn wir auch Krafttraining machen, wird sich dazu noch unsere Lebensqualität verbessern. Hat unser sportliches Training oberste Priorität? Ist sie unser wichtigster Job, unser Anker, der dafür sorgt, dass uns die Flutwelle des Alterns bzw. die zahllosen Flüche des Alterns, nicht mitreißen?

Was tun, wenn man Sport verabscheut? Chris antwortet:
Einige der Menschen, die Harry und ich wirklich gut leiden können, hassen Sport. Meist sind sie Kopfarbeiter. Die Bücherwürmer … auf ihre Art und Weise richtige Spinner – Künstler, Geisteswissenschaftler, Lehrer, Gartenfans. Menschen wie meine Schwestern, die gern mit anderen essen, trinken und reden. Und die im stillen Kämmerchen ein Buch nach dem anderen verschlingen. Sie hassen Sport, verabscheuen Bewegung und verachteten in der Schule alles, was mit Sport und Bewegung zu tun hatte. Und natürlich verabscheuen sie Menschen wie uns, die ihnen zu gerne vermitteln würden, dass Sport wirklich toll ist. Nein, für sie kommt das nicht infrage. […]

Kann ja sein, dass Sie Sport hassen, machen müssen Sie ihn trotzdem. […]

Die Natur, und wir sind ein Teil der Natur, kennt weder Ruhestand noch Altern, sondern gehorcht schlicht den Gesetzen von Wachstum und Verfall. Und ihr Körper will wissen, wofür sie sich entscheiden.

Es gilt ausnahmslos die Devise: Trainieren oder degenerieren! Am Ball bleiben. Täglich. Ein Leben lang.

4 Geben Sie weniger aus, als Sie haben.
Für den Rest des Lebens, wenn es morgen kein böses Erwachen geben soll. Man habe uns darauf konditioniert, so die Autoren, wie Hunde auf der Rennbahn einem künstlichen Hasen, also Geld, Status und Macht hinterherzujagen. Ob als arbeitender Mensch oder als Konsument würden wir dem künstlichen Hasen hinterdreinhecheln, nicht etwa für unser täglich Brot, sondern einfach, weil der Hase nun mal so lief. Doch egal, wie gut oder schlecht das Rennen bisher für uns gelaufen sei, nun sei es Zeit, aus dem Rennen auszusteigen, mit dem Statusdenken Schluss zu machen, stattdessen in den vier Wänden unseres Realeinkommens anzukommen und einen Finanzplan fürs Alter aufzustellen. Je eher, desto besser, bevor das »Spiel« der Wirtschaft und Politik uns umbringe.

5 Hören Sie auf, Müll in sich hineinzustopfen!
Eine der herzerfrischenden und eingängigen persönlichen Geschichten von Chris:
Unser früheres Haus am See im nördlichen New Hampshire ist ein echtes Eichhörnchen-Refugium. Und Eichhörnchen essen alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber auch sie haben gewisse Qualitätsvorstellungen. Sie kennen doch sicher diese angeblich so gesunden Roggenknäcker, die Ihnen jedermann ans Herz legt? Ich kaufe davon immer einige Packungen auf Vorrat. Die Eichhörnchen haben sie gefunden und sich durch alle Packungsschichten durchgewühlt bis zum Inhalt. Nur, um ihn dann unangetastet zu lassen. Sie haben nicht einen Kräcker angebissen. Was wissen diese Eichhörnchen, was ich und Stephen Gullo [New Yorks führender Spezialist für Gewichtsmanagement] nicht wissen?

Essen Sie keinen Mist und stopfen Sie sich nicht voll wie eine Mastgans! Braucht es noch mehr als diesen Rat? Vielleicht diesen: Suchen Sie sich etwas, was Sie begeistert. Dann werden Sie ganz von selbst dünner.

6 Bleiben Sie dran.
Die Art und Weise, wie wir heute alt werden, ist nach Ansicht von Chris und Harry kriminell. Wir werfen unser Leben weg und damit auch das unserer Lieben. Wir sollen aufhören, wie Suchtleichen zu leben, und Verantwortung für unseren Körper übernehmen! 70 Prozent unseres Alterungsprozesses mit den angeblich »normalen« Verfallserscheinungen wie Schwäche, schmerzende Gelenke und mangelnde Koordination und Beweglichkeit sind »freiwillig«. Das Gute: Wir müssen das nicht mitmachen. Das Alter ist zwar unabwendbar, der Verfall aber nicht. Dieser kann bis fast zum Zeitpunkt des Todes vermieden werden. Wir können unserem Körper Signale geben, die ihm sagen, dass wir für den Rest des Lebens leben wollen als wären wir 50.

Statt Sei ganz im Hier und Jetzt! lautet das Mantra Denk an morgen! Lerne schon jetzt, jünger zu leben. Komm vom absteigenden Ast herunter. Du musst das Alter nicht als Katastrophe erleben, wenn du einen gesunden Lebensstil pflegst.

7 Häkeln Sie sich ein soziales Netz.
Chris fragt: Ist Ihre Beziehung stark genug, dass sie die Veränderung trägt, die jetzt mit Lichtgeschwindigkeit auf Sie zukommt? Können Sie auf die alten Fundamente bauen? Halten die Mauern noch? Die alte Liebe? Ziehen Sie immer noch an einem Strang?

Natürlich gibt es für diese neugierigen Fragen einen Grund, erläutert Chris: Es ist einfach gottverdammt hart, die letzten 30 Jahre seines Lebens allein zu verbringen. Eine Partnerschaft hilft da. Außer natürlich, sie ist grottenschlecht, in diesem Fall würde Chris sagen: »Zum Teufel damit!«

Bei der Recherche zu ihrem Ratgeber stellten die Autoren fest, dass viele Ehe geschieden werden, nachdem die Partner die 60 überschritten haben. Zwei Drittel dieser Scheidungen würden von Frauen eingereicht, die zwischen 50 und 60 das Gefühl entwickeln würden, wirklich genug für andere da gewesen zu sein. Nun wollten sie ihr neu erwachtes Selbstbewusstsein, ihre frisch gewonnene Kraft für ihre eigenen Interessen und Ziele einsetzen.

Auf einmal fiele den Frauen auf, dass der »Alte« eigentlich noch nie der tolle Hecht war, für den sie ihn mal gehalten haben. Wird er sich als Rentner in der Küche breitmachen und sagen, was sie als Frauen dort zu tun und zu lassen haben, sich dabei auch noch wie Superman vorkommen, nur weil er sich erbietet, in der Küche zu helfen? Andererseits – diejenigen, die eine Beziehung hätten, die tragfähig sei, in der sich die Partner aufeinander verlassen könnten, die könnten das restliche Leben füreinander die wichtigste Kraftquelle sein.

Das können auch echte Freunde sein. Die Autoren empfehlen, gute Freundschaften zu pflegen, denn es sei eines der größten Risiken im Leben, dass einem plötzlich die Freunde ausgehen. Auch Hobbys, die das Herz bewegen, die man mit solcher Leidenschaft betreibt, als hätte man einen neuen Job, können dabei helfen, sich für andere Menschen zu öffnen und ein Netz sozialer Beziehungen aufzubauen, dass jung erhält.

Doch der alles entscheidende Faktor bei allem ist körperliche Bewegung.
Gemäß den Autoren müssen wir unseren Körper ständig in Bewegung halten. Nur so schlagen wir dem Abbauprozess ein Schnippchen. Durch Bewegung schicken wir unserem Körper andere Signale, und zwar solche, die die Abbausignale überschreiben. Wenn wir unsere Muskeln nicht täglich fordern, unserem Körper nicht durch schweißtreibenden Sport das absolute Master-Signal geben, das alle anderen Signale übertönt und eine Kaskade von Reparatur- und Aufbauprozessen in Gang setzt, werden die Verfallssignale immer stärker und das Alter wird wie eine Flutwelle über uns hereinbrechen.

Beherzigen wir das? Auch die neuesten wissenschaftlichen Studien über die gesundheitsfördernden Myokine, die trainierte Muskeln in unseren gesamten Körper senden, bestätigen: Nur so können wir unsere biologische Uhr tatsächlich zurückdrehen, also bis ins hohe Alter funktionell jung und fit bleiben.

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