Fotoausflug 🌹 – 10 GRIMMWELT Kassel (Hessen)

»Das Grimm’sche Erbe

Jacob Grimm, * 4. Jan. 1785 Hanau, † 20. Sept. 1863 Berlin
Wilhelm Grimm, * 24. Febr. 1786 Hanau, † 16. Dez. 1859 Berlin

Die Märchensammlung von Jacob und Wilhelm Grimm, die in über 170 Sprachen aller Erdteile übersetzt wurde, wird mit einem Hohlspiegel verglichen. Dieser habe die durch verschiedene Kulturen geprägten Märchenüberlieferungen eingefangen, in neuer Form gebündelt und zurückgestrahlt, sodass daraus eine neue Märchentradition entstanden sei – ein Märchenschatz für die Ewigkeit, erstmals zu Weihnachten 1812 erschienen und zu ihren Lebzeiten siebenmal als überarbeitete große Ausgabe erschienen.

Die Brüder wohnten und arbeiteten gemeinsam bis ins hohe Alter. Ab 1841 waren sie als Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin tätig. Gemeinsam begründeten sie die Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft. Ihr letztes Gemeinschaftsprojekt, die Sammlung des neuhochdeutschen Sprachschatzes von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart in einem Deutschen Wörterbuch, konnten sie nicht mehr beenden.

Wilhelm erlag im Alter von 73 Jahren einem Rückgratgeschwür. Jacob verstarb nur wenige Jahre danach mit 78 nach zwei Schlaganfällen. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.

Es war einmal …

ein Brüderpaar namens Jacob und Wilhelm Grimm, die im hessischen Hanau geboren wurden. Als beide etwa zehn Jahre alt waren, starb ihr Vater Philipp Wilhelm Grimm (1751-1796) an einer Lungenentzündung. Er war zuletzt oberster Verwaltungsbeamter, Richter und Notar der hanauischen Ämter Schlüchtern und Steinau gewesen.

Jacob Grimm (1785-1863) schrieb über seinen Vater:
»Er war ein höchst arbeitsamer, ordentlicher, liebevoller Mann; seine Stube, sein Schreibtisch und vor allem seine Schränke mit ihren sauber gehaltenen Büchern […] sind mir leibhaft vor Augen.« ( Jacob Grimm, Kleinere Schriften, Bd. 1)
Wilhelm Grimm (1786-1859) erinnerte sich ebenfalls gern an seine Kindheit:
»Ich weiß noch die Zeit genau, wie der Vater sprach: Die Kinder werden immer größer, wir müssen eine Schüssel machen lassen, wo mehr hineingeht; da ward hernach eine neue blinkende Zinkschüssel angeschafft und ich freute mich, was da für grüne Erbsen hingehen würden.« (Hermann Gerstner, Brüder Grimm, Reinbek bei Hamburg 1994)

Der frühe Tod des Vaters traf die Familie hart, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Grimms mussten das Amtshaus in Steinau verlassen und in eine kleine Mietwohnung umziehen. Die ältere Schwester ihrer Mutter, Henriette Philippine Zimmer, die als Hofdame bei der Kurfürstin von Hessen in gesicherten Verhältnissen lebte, sorgte für die finanzielle Absicherung der Familie. Tante Henriette Zimmer ermöglichte insbesondere den beiden ältesten Kindern, Jacob und Wilhelm Grimm, eine Schulausbildung am Lyceum Fridericianum in Kassel und später ein Jurastudium.

Ihre Mutter Dorothea Grimm (1755-1808) kümmerte sich um den Haushalt und vermittelte ein Gefühl von Nestwärme. Von ihren neun Kindern waren drei Jungen in ihrem ersten Lebensjahr gestorben. Einzige Tochter war Charlotte Grimm (1793-1833), die von ihren Brüdern Jacob und Wilhelm aus tiefster Seele geliebt wurde. Sie führte, gerade erst fünfzehn geworden, nach dem Tod ihrer Mutter bis zu ihrer Heirat im Jahr 1822 den Haushalt für die Familie Grimm.

Im Jahr 1802 schrieb sich Jacob, ein Jahr später folgte Wilhelm, an der Universität Marburg ein, um Jura bei Friedrich Carl von Savigny zu studieren, dessen Privatbibliothek deutscher Literatur sie nutzen durften. Ihr Mentor machte sie zudem mit den Schriftstellern Clemens Brentano und Achim von Arnim bekannt. Die bedeutenden Vertreter der deutschen Romantik regten die Brüder Grimm zum Sammeln von altdeutschen Sagen und Märchen an, da sie auf der Suche nach volkstümlicher Poesie für ihre Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn waren.

Ein erstes Manuskript dessen, was sie gesammelt hatten, verschickten die Brüder Grimm 1810. Es gilt als die älteste handschriftliche Fassung der Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Brüder Grimm. Denn wie es der märchenhafte Zufall so will, nutzte Brentano das gesammelte Material nicht, sodass sie es selbst 1812 erstmals veröffentlichten.

Zwischen den Männern entspann sich immer wieder die Debatte, ob eher Natur- oder Kunstpoesie zu bevorzugen wäre. Brentano warf Achim von Arnim Verfälschungen der gesammelten Texte vor. Auch Jacob Grimm trat dafür ein, volkstümliche Überlieferungen so wortgetreu wie möglich wiederzugeben, während sein Bruder Wilhelm größere dichterische Eingriffe sinnvoll fand, um eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen. Er feilte weiterhin fleißig an den Märchentexten, bis zu ihrer endgültigen Fassung im Jahr 1857. Wilhelms sprachlichen Überarbeitungen schufen den beliebten, typisch Grimm‘schen Märchenstil.

Jacob wurde der juristischen Studien überdrüssig und widmete sich bald nur noch der altdeutschen Literatur. Wilhelm beendete sein Jurastudium, wurde allerdings durch sein Herzasthma längere Zeit daran gehindert, eine feste Anstellung anzunehmen, sodass beide weiterhin altdeutsche Märchen und Sagen sammelten.

Ihr jüngster Bruder Ludwig Emil Grimm (1790-1863), wurde einer der bedeutendsten deutschen Maler, Zeichner und Radierer des 19. Jahrhunderts. Er steuerte viele Illustrationen für Des Knaben Wunderhorn und die Kinder- und Hausmärchen (KHM) seiner Brüder bei. Anfangs beteiligte sich auch der heutzutage eher unbekannte Bruder Ferdinand Grimm (1788-1845) an der Sammlung von Märchen und Sagen, bevor er sich mit seinen älteren Brüdern überwarf.

Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute.

Es waren u. a. Schlussfloskeln wie diese und die Einleitungsphrase Es war einmal …, mit denen sich das Brüderpaar Jacob und Wilhelm Grimm unsterblich und weltberühmt machte. Vor allem Wilhelm schuf einen einheitlichen Märchenstil, der unter manchen Märchenforschern als eigene literarische Gattung gilt – die Gattung Grimm.

Ihr besonderer Einfluss auf Märchen ist unbestreitbar. Ihre Märchensammlung Kinder- und Hausmärchen zählt zu den bekanntesten literarischen Werken der deutschen Kulturgeschichte. Sie ist das zweitmeist verbreitete und übersetzte Buch deutscher Sprache. 2005 wurden die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sogar als völkerübergreifende Märchenüberlieferung in das Weltdokumenterbe der UNESCO aufgenommen.

Zudem gelten die Brüder Grimm zu Recht als die Väter der Germanistik, die Begründer der heutigen germanischen Sprach- und Literaturwissenschaft. Ihre tiefe Leidenschaft galt der Erforschung der Wurzeln der deutschen Sprache. Sie hinterließen ein enormes sprachwissenschaftliches Erbe, das den gesamten neuhochdeutschen Wortschatz von Luther bis Goethe sprachgeschichtlich gründlich erfasste, in Form einer umfassenden Deutschen Grammatik (1819-1837) und eines Deutschen Wörterbuchs (1838-1961; erst hundert Jahre nach ihrem Tod vollendet).«

Zitate in Fettdruck stammen alle aus Schneewittchen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer

Wenn euch der Beitrag gefallen hat, würde ich mich über einen Kommentar von euch sehr freuen. Ihr könnt euch gern zu meinem monatlichen Newsletter anmelden.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert