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Iris Sofie

Fotoausflug 🌹 – 05 Sagenumwobene Wolkenbrüche bei Trendelburg (Hessen)

18.08.2025/0 Kommentare/in Fotos /von Iris Sofie
Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer

»Wenn ich nicht gerade einen Lebensfaden, sondern ein Märchen spinnen würde, dann dies, wie die Mondflecken entstanden sind, wie ein holdes Mädchen an einem Sonnabend im Mondschein gesponnen hat, vom Mond hinaufgezogen wurde und nun mit ihrer Spindel da oben sitzt. Die Herbstfäden, die auch Marienseide genannt werden, weil sie als Reste des Mantels der Mutter Maria nach Mariä Himmelfahrt gelten, sind ihr vom Himmel herabgesunkenes nächtliches Gespinst.

Verfangen sich die in der Luft schwirrenden feinen Seidenfäden an schönen Herbsttagen im Gesicht, bringen sie nach altem Volksglauben Glück. Verfangen sich die feinen Gewebe, die im beginnenden Herbst die Felder und Wiesen bedecken, in den Haaren junger Mädchen, kommt bald ihr Traummann um die Ecke.« (Zitat aus Dornröschen gab es wirklich von der Glücksautorin Iris Sofie Bayer)

Da steht er, mein Traummann, während ich an diesem taufrischen Morgen die sagenumwobenen Gespinste fotografiere, von denen der obige fiktive Zeuge im Fall Dornröschen in meinem Dornröschenbuch erzählt.

Gespinste beim Aufstieg zum Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Gespinste beim Aufstieg zum Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer

Wieso eigentlich Aufstieg, frage ich mich, wenn wir uns doch die sogenannten Wolkenbrüche bei Trendelburg anschauen wollen, zwei durch Erdfälle entstandenen Einsturztrichter, während ich fasziniert die von Tautropfen glitzernden herbstlichen Gespinste in Augenschein nehme.

Gespinst am Schmalblättrigen Weidenröschen, Nasser Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium) – Gespinste voller Tautropfen – beim Aufstieg
zum Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg | © Iris Sofie Bayer
Gespinst an Vogel-Wicke beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Tautropfen-Gespinste an Vogel-Wicke (Vicia cracca) beim Aufstieg zum Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg,
Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Spinnennetz im Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer

Nasser Wolkenbruch (Großer Wolkenbruch)

Gesamttiefe des Trichters: ca. 47 m
Durchmesser des oberen Trichterrandes: ca. 150 m
Durchmesser des Teiches: 45 – 60 m (wechselnd je nach Wasserstand)
Wassertiefe: 9,5 – 14,5 m, (wechselnd je nach Wasserstand)
Gesamt-Rauminhalt des Trichters: ca. 325.000 m³

Blick in den Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Blick in den Einsturztrichter des Nassen Wolkenbruchs bei Trendelburg, Reinhardswald | © Oliver Bayer

Aha, jetzt verstehe ich, warum wir hinaufgestiegen sind: Wie die in meiner Phantasie urzeitlichen Wesen schaue ich in den Einsturztrichter des Nassen Wolkenbruchs hinab, an dessen Grund ich den Teich erahne, wo sich zuweilen die weiße Jungfrau (Frau Holle) zeigt.

Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Nasser Wolkenbruch mit Teich bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer

Nur an wenigen Stellen ist ein Blick in die Tiefe möglich und ein sicherer Abstiegsweg für Wanderer ist nicht vorhanden. Der Wanderweg führt nur jeweils am Rand der beiden Krater entlang.

Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Nasser Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer
Weg beim Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Wanderweg um den Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer
Weg beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Wanderweg um den Nassen Wolkenbruch herum, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Feld beim Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Feld beim Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen | © Oliver Bayer

Während ich weitere Spinnennetze fotografiere, erzähle ich euch nun die Sage, die sich um die Entstehung der beiden seltenen Naturphänomene bei Trendelburg rankt, die als als Naturdenkmal und Geotop ausgewiesen sind.

Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Spinnennetz zwischen Buchen beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Faszination Spinnennetz aus vielen kleinen Perlenketten beim Nassen Wolkenbruch | © Iris Sofie Bayer
Drüsiges Springkraut (Bauernorchidee) beim Trockenen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Orchidee des Reinhardswalds: Bauernorchidee bzw. Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) | © Iris Sofie Bayer

»Dereinst zog ein furchtbares Unwetter in der Gegend der Trendelburg auf, das sieben Tage und sieben Nächte tobte und nicht weichen wollte. Wegen der verheerenden Wirkung sah man hinter solchen Naturgewalten wütende Götter, dämonische Ungeheuer oder boshafte Riesen.

Die Menschen beschlossen damals, die Riesin Trenda zu vertreiben. Dabei wurde Trenda auf freiem Feld von einem Blitz aus einer Gewitterwolke erschlagen, worauf sich das Unwetter verzog. An der Stelle, wo sie im Gottesgericht vom Blitz getroffen und vom Erdboden verschlungen worden war, blieben zwei tiefe Löcher im Erdboden zurück. Diese Einsturztrichter sind als sogenannte Wolkenbrüche bei Trendelburg noch immer im Reinhardswald zu sehen.« (Zitat aus Dornröschen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer)

Weg zum Trockenen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Wanderweg zum Trockener Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer

Vor lauter Erzählen habe ich doch tatsächlich den Fuchs, der auf diesem Wanderweg vor uns hersprang, nicht mehr aufs Foto bannen können. Aber dafür habe ich ein urzeitliches Insekt auf einem Foto verewigt 😉 …

Entlang des Weges beim Trockenen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Wanderweg zum Trockenen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer

Ich geb’s ja zu, da ist wieder mal die Phantasie mit mir durchgegangen. Zum Ausgleich spinne ich für euch die hessischen Sagen weiter …

»Eine Lokal- bzw. Geschichtssage schildert beispielsweise, wie der nordhessische Reinhardswald seine Entstehung und seinen Namen dem Grafen Reinhard verdankt, dem einst alles Land zwischen der Diemel und dem Weserstrom gehört haben soll. Dieser Graf war ein leidenschaftlicher Spieler, der mit anderen vornehmen Herren oft würfelte. Eines Abends, als Glücksgöttin Fortuna immerfort die anderen begünstigt hatte, setzte er zuletzt seine ganze Grafschaft aufs Spiel. Als die Würfel wieder gegen ihn entschieden, war er mit einem Wurf zu einem armen Mann geworden.

In seiner Not ersann er eine List, um sie dem Gewinner wieder zu entreißen. Er bat ihn, wenigstens noch eine Aussaat ernten zu dürfen. Die Bitte wurde gewährt und der Graf eilte von dannen, um seinen abgefeimten Plan auszuführen. Er ließ alle Dörfer niederbrennen und deren Einwohner vertreiben und dann überall Waldsamen ausstreuen. So behielt Graf Reinhard sein Land. Bis der Reinhardswald herangewachsen war, hatte der Gewinner schon längst das Zeitliche gesegnet.« (Zitat aus Dornröschen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer)

Reinhardswald nahe den Wolkenbrüchen bei Trendelburg, Nordhessen
Der legendäre Reinhardswald in Nordhessen | © Iris Sofie Bayer

Den Trockenen Wolkenbruch erreichen wir etwa einen halben Kilometer vom Nassen Wolkenbruch entfernt, ebenfalls gut versteckt zwischen hohen Bäumen.

Trockener Wolkenbruch (Kleiner Wolkenbruch)

Gesamttiefe des Trichters: ca. 23 m
Durchmesser des oberen Trichterrandes: ca. 70 m
Gesamt-Rauminhalt des Trichters: ca. 4.000 m³

Trockener Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Trockener Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Abstieg zum Trockenen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Versuchter Abstieg zum Trockenen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Trockener Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Trockener Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Gespinste beim Trockenen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch, Reinhardswald, Nordhessen
Über dem Trockenen Wolkenbruch hängende Gespinste, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Wanderweg vom Trockenen Wolkenbruch kommend, Reinhardswald, Nordhessen
Wanderweg vom Trockenen Wolkenbruch kommend, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Spinnennetz beim Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg, Reinhardswald, Nordhessen
Zwischen Gräsern gesponnenes filigranes Spinnennetz, Wolkenbrüche bei Trendelburg | © Oliver Bayer
Würfelturm-Sage, Hofgeismar, Reinhardswald, Nordhessen
Würfelturm-Sage, Hofgeismar, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer

Es geht noch eine andere hessische Sage, die auf einer Begebenheit aus dem Jahr 1401 beruht. Sie handelt vom Würfelturm von Hofgeismar, der heutigen Dornröschenstadt, auf dessen Gemarkung das Dornröschenschloss Sababurg liegt. Nachdem Hofgeismar monatelang belagert worden war, einigte man sich schließlich darauf, um das Los der Stadt zu würfeln. Nachdem einer der Belagerer mit drei Würfeln 17 Augen erzielt hatte, betrachteten sich die Braunschweiger bereits als Sieger. Doch der Hofgeismarer schaffte das Unglaubliche und würfelte 18 – getreu dem Motto Bange machen gilt nicht!

Also ich würde das übersetzen mit Rüssel hoch! 😉

Weitere Sagen gibt’s in 06 Die Burgen der Riesenprinzessinnen …

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Schlagworte: Fotoausflug
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