Fotoausflug 🌹 – 05 Sagenumwobene Wolkenbrüche bei Trendelburg (Hessen)

»Wenn ich nicht gerade einen Lebensfaden, sondern ein Märchen spinnen würde, dann dies, wie die Mondflecken entstanden sind, wie ein holdes Mädchen an einem Sonnabend im Mondschein gesponnen hat, vom Mond hinaufgezogen wurde und nun mit ihrer Spindel da oben sitzt. Die Herbstfäden, die auch Marienseide genannt werden, weil sie als Reste des Mantels der Mutter Maria nach Mariä Himmelfahrt gelten, sind ihr vom Himmel herabgesunkenes nächtliches Gespinst.
Verfangen sich die in der Luft schwirrenden feinen Seidenfäden an schönen Herbsttagen im Gesicht, bringen sie nach altem Volksglauben Glück. Verfangen sich die feinen Gewebe, die im beginnenden Herbst die Felder und Wiesen bedecken, in den Haaren junger Mädchen, kommt bald ihr Traummann um die Ecke.« (Zitat aus Dornröschen gab es wirklich von der Glücksautorin Iris Sofie Bayer)
Da steht er, mein Traummann, während ich an diesem taufrischen Morgen die sagenumwobenen Gespinste fotografiere, von denen der obige fiktive Zeuge im Fall Dornröschen in meinem Dornröschenbuch erzählt.

Wieso eigentlich Aufstieg, frage ich mich, wenn wir uns doch die sogenannten Wolkenbrüche bei Trendelburg anschauen wollen, zwei durch Erdfälle entstandenen Einsturztrichter, während ich fasziniert die von Tautropfen glitzernden herbstlichen Gespinste in Augenschein nehme.


zum Nassen Wolkenbruch bei Trendelburg | © Iris Sofie Bayer

Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer

Nasser Wolkenbruch (Großer Wolkenbruch)
Gesamttiefe des Trichters: ca. 47 m
Durchmesser des oberen Trichterrandes: ca. 150 m
Durchmesser des Teiches: 45 – 60 m (wechselnd je nach Wasserstand)
Wassertiefe: 9,5 – 14,5 m, (wechselnd je nach Wasserstand)
Gesamt-Rauminhalt des Trichters: ca. 325.000 m³

Aha, jetzt verstehe ich, warum wir hinaufgestiegen sind: Wie die in meiner Phantasie urzeitlichen Wesen schaue ich in den Einsturztrichter des Nassen Wolkenbruchs hinab, an dessen Grund ich den Teich erahne, wo sich zuweilen die weiße Jungfrau (Frau Holle) zeigt.


Nur an wenigen Stellen ist ein Blick in die Tiefe möglich und ein sicherer Abstiegsweg für Wanderer ist nicht vorhanden. Der Wanderweg führt nur jeweils am Rand der beiden Krater entlang.







Während ich weitere Spinnennetze fotografiere, erzähle ich euch nun die Sage, die sich um die Entstehung der beiden seltenen Naturphänomene bei Trendelburg rankt, die als als Naturdenkmal und Geotop ausgewiesen sind.



»Dereinst zog ein furchtbares Unwetter in der Gegend der Trendelburg auf, das sieben Tage und sieben Nächte tobte und nicht weichen wollte. Wegen der verheerenden Wirkung sah man hinter solchen Naturgewalten wütende Götter, dämonische Ungeheuer oder boshafte Riesen.
Die Menschen beschlossen damals, die Riesin Trenda zu vertreiben. Dabei wurde Trenda auf freiem Feld von einem Blitz aus einer Gewitterwolke erschlagen, worauf sich das Unwetter verzog. An der Stelle, wo sie im Gottesgericht vom Blitz getroffen und vom Erdboden verschlungen worden war, blieben zwei tiefe Löcher im Erdboden zurück. Diese Einsturztrichter sind als sogenannte Wolkenbrüche bei Trendelburg noch immer im Reinhardswald zu sehen.« (Zitat aus Dornröschen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer)

Vor lauter Erzählen habe ich doch tatsächlich den Fuchs, der auf diesem Wanderweg vor uns hersprang, nicht mehr aufs Foto bannen können. Aber dafür habe ich ein urzeitliches Insekt auf einem Foto verewigt 😉 …

Ich geb’s ja zu, da ist wieder mal die Phantasie mit mir durchgegangen. Zum Ausgleich spinne ich für euch die hessischen Sagen weiter …
»Eine Lokal- bzw. Geschichtssage schildert beispielsweise, wie der nordhessische Reinhardswald seine Entstehung und seinen Namen dem Grafen Reinhard verdankt, dem einst alles Land zwischen der Diemel und dem Weserstrom gehört haben soll. Dieser Graf war ein leidenschaftlicher Spieler, der mit anderen vornehmen Herren oft würfelte. Eines Abends, als Glücksgöttin Fortuna immerfort die anderen begünstigt hatte, setzte er zuletzt seine ganze Grafschaft aufs Spiel. Als die Würfel wieder gegen ihn entschieden, war er mit einem Wurf zu einem armen Mann geworden.
In seiner Not ersann er eine List, um sie dem Gewinner wieder zu entreißen. Er bat ihn, wenigstens noch eine Aussaat ernten zu dürfen. Die Bitte wurde gewährt und der Graf eilte von dannen, um seinen abgefeimten Plan auszuführen. Er ließ alle Dörfer niederbrennen und deren Einwohner vertreiben und dann überall Waldsamen ausstreuen. So behielt Graf Reinhard sein Land. Bis der Reinhardswald herangewachsen war, hatte der Gewinner schon längst das Zeitliche gesegnet.« (Zitat aus Dornröschen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer)

Den Trockenen Wolkenbruch erreichen wir etwa einen halben Kilometer vom Nassen Wolkenbruch entfernt, ebenfalls gut versteckt zwischen hohen Bäumen.
Trockener Wolkenbruch (Kleiner Wolkenbruch)
Gesamttiefe des Trichters: ca. 23 m
Durchmesser des oberen Trichterrandes: ca. 70 m
Gesamt-Rauminhalt des Trichters: ca. 4.000 m³








Es geht noch eine andere hessische Sage, die auf einer Begebenheit aus dem Jahr 1401 beruht. Sie handelt vom Würfelturm von Hofgeismar, der heutigen Dornröschenstadt, auf dessen Gemarkung das Dornröschenschloss Sababurg liegt. Nachdem Hofgeismar monatelang belagert worden war, einigte man sich schließlich darauf, um das Los der Stadt zu würfeln. Nachdem einer der Belagerer mit drei Würfeln 17 Augen erzielt hatte, betrachteten sich die Braunschweiger bereits als Sieger. Doch der Hofgeismarer schaffte das Unglaubliche und würfelte 18 – getreu dem Motto Bange machen gilt nicht!
Also ich würde das übersetzen mit Rüssel hoch! 😉
Weitere Sagen gibt’s in 06 Die Burgen der Riesenprinzessinnen …
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