Fotoausflug 🌹 – 02 Urwald Sababurg (Hessen)

DIE MAGIE DES WALDES
»Jeder Wald ist ein Versprechen.
Das Versprechen der Ruhe,
das Versprechen, sich sammeln zu können
und zumindest für einen Augenblick zu sich selbst zu kommen.
Um den Wald wirklich zu verstehen, müssen wir uns in ihn hineinbegeben,
ihn fühlen, ihn riechen und ihn betrachten …
Im Urwald Sababurg stehen beeindruckende Baumriesen,
wie im Märchen taucht man mit dem Betreten des Waldes ein in das Reich der Magie.
Ich wünsche mir, dass auch künftige Generationen noch die Natur genießen können
und die Wildnis in unseren Wäldern ihren Raum bekommt.«
(Natur- und Tierfilmer Andreas Kieling)
Märchenhafte alte Baumriesen, wie sie auf dem von Theodor Rocholl (1854-1933) gemalten Titelbild zu sehen sind, machen den Urwald Sababurg im hessischen Reinhardswald zu etwas ganz Besonderem. Mit über 200 km² Fläche ist der Reinhardswald, an den der Maler eine ungewöhnlich starke Bindung hatte, eine der größten Waldflächen und eines der am wenigsten besiedelten Gebiete Deutschlands. Im Reinhardswald liegen nur zwei Ortschaften: Gottsbüren (Stadtteil von Trendelburg) und die Gehöft-Ansiedlung Beberbeck (Stadtteil von Hofgeismar).
Innerhalb Hessens stellt der Reinhardswald das größte in sich geschlossene Waldgebiet dar, in dem insbesondere Buchen und Eichen gedeihen. Theodor Rocholl malte nicht nur im schönsten, aus einem Hutewald hervorgegangenen Waldbereich, der einst als Weide zur Tierhaltung genutzt wurde, sondern rettete auch diesen Urwald Sababurg. Theodor Rocholl, der neben seinen zahlreichen Wald- und Landschaftsbildern alle wichtigen Männer des Kaiserreichs porträtiert hatte, war als Antragsteller eines Naturdenkmals der richtige Mann und so wurde 1907 das betreffende Waldgebiet als das Erste in Hessen unter Schutz gestellt. Die Umgestaltung in einen reinen Gebrauchs- und Nutzwald wurde gestoppt und das sogenannte Rochollsche Glücksdreieck von Sababurg, Beberbecker Pferden und Urwald bildete fortan einen gesunden Kern des Waldes.
Wir entführen euch nun mit unseren Fotos in den schutzwürdigen URWALD SABABURG. Es war der Höhepunkt unseres Dornröschenurlaubs. Hier wurde unsere Phantasie von Urwaldriesen angeregt – von bis zu 300 Jahre alten Hutebuchen und bis zu 600 Jahre alten Huteeichen – sowie urigen Gebilden aus Totholz, die zuvor schon zu Legenden, Sagen und Märchen inspiriert haben, unter anderem die Brüder Grimm, die regelmäßig in der heimatlichen Kasseler Umgebung wanderten …





Gelbe Route – Hirschkäferweg – Rundweg 1,2 Kilometer (die kürzeste)










Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag »ach, wenn wir doch ein Kind hätten!« und kriegten immer keins. Da trug sich zu, als die Königin einmal im Bade saß, daß ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach, »dein Wunsch wird erfüllt werden, ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen.« Was der Frosch gesagt hatte, das geschah, und die Königin gebar ein Mädchen, das war so schön, daß der König vor Freude sich nicht zu lassen wußte und ein großes Fest anstellte …


Orangene Route – Eichenblattweg – Rundweg 2,5 Kilometer (die schönste)









im Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer



im Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer


Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
[…] und saß da in einem kleinen Stübchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig ihren Flachs. »Guten Tag, du altes Mütterchen,« sprach die Königstochter, »was machst du da?« »Ich spinne,« sagte die Alte und nickte mit dem Kopf. »Was ist das für ein Ding, das so lustig herumspringt?« sprach das Mädchen, nahm die Spindel und wollte auch spinnen. Kaum hatte sie aber die Spindel angerührt, so gieng der Zauberspruch in Erfüllung, und sie stach sich damit in den Finger. In dem Augenblick aber, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das da stand, und lag in einem tiefen Schlaf …


… Und dieser Schlaf verbreitete sich über das ganze Schloß: der König und die Königin, die eben heim gekommen waren und in den Saal getreten waren, fiengen an einzuschlafen, und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde im Stall, die Hunde im Hofe, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer, das auf dem Herde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch, der den Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, in den Haaren ziehen wollte, ließ ihn los und schlief. Und der Wind legte sich, und auf den Bäumen vor dem Schloß regte sich kein Blättchen mehr. Rings um das Schloß aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr höher ward, und endlich das ganze Schloß umzog, und darüber hinaus wuchs, daß gar nichts mehr davon zu sehen war, selbst nicht die Fahne auf dem Dach […]





Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer





Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer




… Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen, und der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte. Als der Königssohn sich der Dornenhecke näherte, waren es lauter große schöne Blumen, die thaten sich von selbst auseinander und ließen ihn unbeschädigt hindurch, und hinter ihm thaten sie sich wieder als eine Hecke zusammen […]


Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer


… Da lag es und war so schön, daß er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuß. Wie er es mit dem Kuß berührt hatte, schlug Dornröschen die Augen auf, erwachte, und blickte ihn ganz freundlich an. […] Und da wurde die Hochzeit des Königssohns mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.
[Die Auszüge des obigen Märchens Dornröschen im Fettdruck stammen aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, erschienen im Dieterich Verlag, Göttingen 1857, Bd. 1, Nr. 50, 7. Auflage, Ausgabe letzter Hand.]


Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer





Urwald Sababurg, Reinhardswald, Nordhessen | © Iris Sofie Bayer
Rote Route – Spechtweg – Rundweg 4 Kilometer (die längste)







Weiter geht’s mit einem Besuch im Tierpark Sababurg mit der dornröschenhaften Erweckungsgeschichte der Beberbecker Pferde …
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