Fotoausflug 🌹 – 01 Frau-Holle-Land (Hessen)

»Allein fünf Sagen über Frau Holle brachten die Brüder Grimm im ersten Band ihrer Deutschen Sagen (1816-1818) heraus. Die Redensarten Holla, die Waldfee! Husch, husch, die Waldfee! gehen auf die Waldfee und germanische Gottheit Holla (Holda, Frau Holle) zurück. Als Große Muttergöttin stand sie für Leben, Tod und Wiedergeburt und galt als Hüterin des Schicksals und Geberin des Glücks, die im Hollerbusch wohnte. Ein Kinderlied weißt noch darauf hin: Ringel, ringel, Reihe, wir sind der Kinder dreie, wir sitzen unter’m Holderbusch und machen alle husch, husch, husch.«
Obiges Zitat aus meinem vor Kurzem veröffentlichten Buch Dornröschen gab es wirklich zeigt, dass die Spuren der als Göttin verehrten Holle bis in die heutige Zeit reichen. Schon die Brüder Grimm standen bei einem ihrer Ausflüge in die Kasseler Umgebung an dem magischen Gewässer der Kinderwunscherfüllung, dem Frau-Holle-Teich – mutmaßlich der Ort, wo die Königin im Bade saß, bevor der Dornröschenfrosch die Geburt einer Prinzessin weissagte.


»Der sagenumwobene Teich, der erstmals schriftlich als Frau-Hollen-Bad Erwähnung fand, liegt auf der Ostseite des Hohen Meißners. Von der Sagenfrau Holle erzählte das Volk, dass aus ihrem Teichbrunnen, dem Eingang in ihr unterirdisches Reich, die neugeborenen Kinder stammten und deren Seelen, wenn sie starben, in seine Tiefen zurückkehrten. Nach überliefertem Ritus badeten Frauen, die fruchtbar werden wollten, im Hollenteich und opferten der Muttergottheit Holle bzw. Holda, indem sie Gold- oder Schmuckstücke in den Teich warfen.« (zitiert aus Dornröschen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer)



Ein begehbares Graslabyrinth unweit des Frau-Holle-Teichs steht für den Weg des Lebens. Das sieben-gängige Ur-Labyrinth ist eines der ältesten Symbole der Menschheit, welches bereits vor Jahrtausenden auf Felsen und Tafeln geritzt wurde.
Ein Verlaufen ist bei den überschaubaren Wegen des Frau-Holle-Labyrinths nicht möglich, denn es handelt sich nicht um einen Irrgarten, sondern um einen meditativen Weg im Sinne einer Rückbesinnung auf die Wurzeln unserer Kultur.
Frau Holle erwies sich in der keltischen Kultur als die weiße Göttin (Die Junge), die rote Göttin (Die Mutter) und die schwarze Göttin (Die Alte). So schloss sich der immerwährende Kreislauf des Lebens, um den es auch im Märchen Dornröschen geht: Geburt – Wachstum/Reife – Tod.



»Das erinnert an Goldmarie und Pechmarie im Märchen Frau Holle, in dem die Spindel ein Symbol weiblichen Fleißes ist. Das Überschütten mit Gold als Ausdruck der Wertschätzung wird kontrastiert durch das Übergießen mit Pech als Bestrafung von Faulheit. Die Grimms verarbeiteten hier die Sagengestalt der Holle (Holda, die Große Muttergöttin, Mutter Erde), die ein langes weißes Gewand mit einem Schleier trägt, der am Rücken herabhängt, aber auch eine kleine alte Frau mit weißer Haube sein kann, die Augen so blau wie eine Flachsblüte. Nach hessischer Sage gleicht Frau Holle von vorne einem schönen Weibe (gute Fee), vom Rücken her einem hohlen Baum mit roher Rinde, einem hässlichen alten Weib, das in den Raunächten als furchterregende Rachegestalt (Perchta) umherzieht (dunkle Fee).« (zitiert aus Dornröschen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer)
Diese Zwiespältigkeit der Feen, die in das Leben der Menschen im Guten wie im Bösen eingriffen, zeigt sich auch in der dreizehnten Fee im Märchen Dornröschen, die im Gegensatz zu den guten Gaben der anderen Feen einen Fluch aussprach.




Reichenbach, Hessen | © Iris Sofie Bayer
»Wie auch Weißdorn war Holunder (Holder, Holler) ein Tor zur Anderswelt: Seine jungfräulich weißen Blüten, der Brautstrauß der Natur, waren wie der Schnee der Wolkengöttin, der auf die Erde fiel. Im Sommer leuchteten seine reifen Früchte lebens- und liebeskräftig blutrot, in der stärksten aller Farben. Im Winter sah man das schwarze Holz. Diese Farbtriade stand für die drei Lebensphasen.« (zitiert aus Dornröschen gab es wirklich von Iris Sofie Bayer)


(nach einer Chronik des Ortes Hollstein ebenfalls als »Hollsteine« bezeichnet)
Viele auffällige Naturdenkmäler in der Nähe des Hohen Meißners, ihrem »Hausberg«, wurden mit Frau Holle in Verbindung gebracht. So sollen die folgenden Hollensteine – zwei steil hochragende Monolithe und ein kleinerer Felsen, die in einer Linie hintereinander auf einem schmalen Erdwall stehen – in ihrem Schuh gedrückt haben, bevor die Riesin bzw. mächtige Göttin die Steine in Hollstein herauswarf.



Weiter ging’s in unserem Dornröschenurlaub ins Dornröschenland, zuerst in den Urwald Sababurg …
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