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Iris Sofie

Fotoausflug – Das Fohlen im Lonetal der Schwäbischen Alb

05.06.2025/0 Kommentare/in Fotos /von Iris Sofie
TF Steinzeithöhle Fohlenhaus, Lonetal, Schwäbische Alb
Steinzeitliches Fohlenhaus im Lonetal auf der Schwäbischen Alb | © Iris Sofie Bayer

Die Geschichte der Lone begann in der Kreidezeit vor etwa 100 Millionen Jahren als mächtiger Fluss, dessen Ursprung nahe dem heutigen Schwarzwald lag und der erst weit im Süden in das Urmeer mündete, das Geologen Tethys nannten. Die Überreste dieses nach einer Meeresgöttin der griechischen Mythologie benannten Ozeans sind heute das Mittelmeer, das Schwarze Meer und das Kaspische Meer.

Da die Lone in unserer Zeit auf weiten Strecken nur noch selten Wasser führt, gilt das Lonetal als eines der längsten Trockentäler Deutschlands. Begleite uns auf unserer Fohlenhaus-Rundwanderung …

Weg zum Fohlenhaus, Lonetal, Schwäbische Alb
Start der Fohlenhaus-Rundwanderung, Lonetal, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
Salzbühlfelsen mit kleiner Höhle, Lonetal, Schwäbische Alb
Salzbühlfelsen mit kleiner Höhle, Lonetal, Schwäbische Alb
Salzbühlfelsen mit kleiner Höhle, Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie und Oliver Bayer

Der Pfad zur steinzeitlichen Salzbühlhöhle war äußerst glitschig. Kein Wunder, dass hier bei regnerischem Wetter viele Weinbergschnecken kriechen, die in Deutschland übrigens besonders geschützt sind (Weinbergschneckenverordnung).

Weinbergschnecke, Lonetal, Schwäbische Alb
Ein weiter Weg für eine Weinbergschnecke (Helix pomatia), Lonetal, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
(Das berühmte Schneckentempo beträgt etwa 7 Zentimeter pro Minute.)

Der Gattungsname Helix bezieht sich auf die Schraubenform des Gehäuses der Weinbergschnecke, die in der freien Natur ein Alter von acht Jahren erreichen kann. Das Schneckenhaus hat fast immer die Form einer rechtsgängigen Schraube, also eine rechtsgewundene (im Uhrzeigersinn anwachsende) Windungsrichtung. Nur eines unter Zehntausenden der schraubig gewundenen Kalkgehäuse ist linksgängig. Diese besondere Schnecke wird Schneckenkönig genannt.

Brücke im Lonetal, Schwäbische Alb
Holzbrücke im Lonetal über das trockene Bachbett der Lone, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
Lonetal, Schwäbische Alb
Lonetal mit seinen fast überall bewaldeten Talhängen, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
(Der frühere Bachverlauf ist noch nachvollziehbar.)
Trockental der Lone, Schwäbische Alb
Trockental der Lone, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
(Wo früher die Lone floss, wachsen jetzt Brennesseln.)

Im Lonetal gibt es viele Steinzeithöhlen, beispielsweise auch unser Wanderziel, die begehbare Steinzeithöhle Fohlenhaus. In der dortigen Umgebung gingen vor etwa 5.000 bis 10.000 Jahren die Steinzeitjäger mit Pfeil und Bogen auf die Jagd, um Hirsche und Auerochsen zu erlegen. Das Lonetal ist eine der wichtigsten Fundregionen der Altsteinzeit in ganz Europa, darunter mit einem Alter von 30.000 bis 40.000 Jahren die bisher ältesten bekannten menschlichen Kunstwerke, unter anderem der Löwenmensch, eine aus Mammutelfenbein geschnitzte Skulptur, die einen Menschen mit dem Kopf und den Gliedmaßen eines Höhlenlöwen darstellt.

Steinzeithöhle Fohlenhaus, Lonetal, Schwäbische Alb
Grillplatz vor der Steinzeithöhle Fohlenhaus im Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Weinbergschnecke, Lonetal, Schwäbische Alb
Steinzeithöhle Fohlenhaus, Lonetal, Schwäbische Alb
Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer

Der Schleim, den die Weinbergschnecke bei der Fortbewegung absondert, verringert die Reibung am Untergrund und unterstützt die Schnecke dabei, sich der Fläche anzupassen, auf der sie kriecht. Damit schafft sie es scheinbar mühelos Dornen, spitzige Steine oder die Klinge eines scharfen Messers zu überwinden.

Oliver hat inzwischen die Höhlen erkundet, wo die Steinzeitmenschen die ersten groben, aber überlebenswichtigen Messer aus Feuerstein herstellten.

Eines der beiden Mundlöcher des Fohlenhauses, Lonetal, Schwäbische Alb
Eines der beiden Mundlöcher, die der Felsformation den Namen gaben, Lonetal, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
Eines der beiden Mundlöcher des Fohlenhauses, Lonetal, Schwäbische Alb
Eines der beiden begehbaren Mundlöcher des Fohlenhauses, Lonetal, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
Grillplatz Fohlenhaus, Lonetal, Schwäbische Alb
Grillplatz vor dem Fohlenhaus, Lonetal, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
Lonetal, Schwäbische Alb
Lonetal – eine grüne Oase, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
Weinbergschnecke, Lonetal, Schwäbische Alb
Weinbergschnecke (Helix pomatia) unterwegs auf ihrem Kriechfuß im Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer

Die gehäusetragende Landschnecke hat vier Fühler, mit denen sie sich fortwährend orientiert. Die unteren Fühler sind immer dem Untergrund zu gerichtet, während die beiden langen Augenfühler suchend die Umgebung beobachten. Wer genau hinschaut, erkennt die Augen als kleine dunkle Punkte am Ende der oberen Fühler.

Unsere Augen wenden sich den Waldblumen zu …

Waldkornblumen, Lonetal, Schwäbische Alb
Waldkornblumen bzw. Berg-Flockenblumen im Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Gewürfelte Tanzfliege auf Berg-Flockenblume, Lonetal, Schwäbische Alb
Berg-Flockenblume (Cyanus montanus) besucht von einer Gewürfelten Tanzfliege (Empis tessellata),
Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer

Die Gewürfelte Tanzfliege ist an Waldrändern, auf Lichtungen und auf feuchten Wiesen zu finden. Sie ernährt sich von Nektar. Nur das Männchen lebt auch räuberisch und frisst kleinere Insekten. Ein erbeutetes Insekt, das die Körpergröße des Räubers erreichen kann, wird auch als Brautgeschenk dem Weibchen vor der Paarung präsentiert.

Da der Pollen der Berg-Flockenblume einen hohen Nährwert hat – er enthält große Mengen an Stärke und Fetten – finden sich hier viele Wild- und Honigbienen, Wespen, Fliegen und Schmetterlinge ein. Ganz besonders oft wird die beliebte Waldkornblume jedoch von Hummeln besucht.

Hummel auf Berg-Flockenblume, Lonetal, Schwäbische Alb
Zerzauste Gartenhummel (Bombus pascuorum), Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Rote Lichtnelke, Lonetal, Schwäbische Alb
Rote Lichtnelke (Silene dioica), auch Waldnelke genannt, Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Waldakelei, Lonetal, Schwäbische Alb
Gemeiner Akelei (Aquilegia vulgaris), auch Waldakelei genannt, Lonetal, Schwäbische Alb | © Oliver Bayer
Brandsteigweg, Lonetal, Schwäbische Alb
Brandsteigweg, Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Wildes Silberblatt, Lonetal, Schwäbische Alb
Wildes Silberblatt (Lunaria rediviva), Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Lonetal, Schwäbische Alb
Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer

Die Kalkfelsen im Lonetal sind versteinerte Riffe des tropischen Jurameeres, in dem sich vor 150 bis 200 Millionen Jahren riesige Ichtyosaurier tummelten und vor etwa 20 Millionen Jahren große Haie auf der Jagd nach Walen waren. Deshalb wird das Lonetal auch als Schaufenster in die Frühzeit unserer Erde bezeichnet. Wir erlebten es als ein grünes Naturparadies.

Traubenkopf-Leimkraut, Lonetal, Schwäbische Alb
Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris subsp. macrocarpa), auch Klatschnelke genannt,
Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Großer Ehrenpreis, Lonetal, Schwäbische Alb
Österreichischer Ehrenpreis (Veronica austriaca), Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer
Weinbergschnecke, Lonetal, Schwäbische Alb
Weinbergschnecke (Helix pomatia), Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer

Am Ende unserer Wanderung begegnet uns nochmals eine Weinbergschnecke. Ihr Gehäuse ist rechtsgewunden; es ist also kein Schneckenkönig, bei dem nicht nur das Gehäuse spiegelbildlich linksgewunden ist, sondern auch sämtliche Organe seitenvertauscht sind, was die Paarung mit einer arttypischen Weinbergschnecke erschwert. Tja, es hat halt alles im Leben seine zwei Seiten!

😉 Wie geht das also mit dem Schneckensex?

Auch dieser findet im Schneckentempo statt. Vom einleitenden Liebesspiel bis hin zur endgültigen Paarung können mehrere Stunden vergehen. Als Zwitter mit beiderlei Geschlechtsorganen fungiert jede Weinbergschnecke beim Paarungsakt – in erhobener Position die Fußsohlen aneinanderpressend – sowohl als Männchen als auch als Weibchen. Beim Liebesspiel schießen sie mit Pfeilen aus Kalk aufeinander, die ein anregendes Hormonsekret injizieren. Wenn diese Amorpfeile ihr Ziel erreicht haben, können die getroffenen Schnecken mehr als doppelt so viel Samen speichern.

Die Eier werden in selbstgegrabenen Erdhöhlen abgelegt, wo nach einem Monat die Jungschnecken schlüpfen samt ihrem bereits entwickelten Schneckenhaus. Wir beiden Wanderschnecken schlüpften am Wanderparkplatz Salzbühl in unseren roten Flitzer, der uns – aus entschleunigter Schneckensicht – in Blitzgeschwindigkeit zum nächsten Ziel brachte.

Wanderparkplatz Salzbühl, Lonetal, Schwäbische Alb
Wanderparkplatz Salzbühl, Lonetal, Schwäbische Alb | © Iris Sofie Bayer

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Schlagworte: Fotoausflug
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